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Hightech-Krieg: USA investieren Milliarden in Roboterkrieger

In den kommenden Dekaden will das US-Verteidigungsministerium vermehrt Maschinen statt Soldaten in den Kampf schicken. Deren Einsatz ist nicht nur politisch weniger brisant - die Hightech-Kombatanten sind langfristig auch billiger.

Maschinenkrieger im Film ("Terminator"): "Wenn dem Roboter was passiert, weinen keine Witwen"
Columbia TriStar

Maschinenkrieger im Film ("Terminator"): "Wenn dem Roboter was passiert, weinen keine Witwen"

Hamburg/New York - Friedfertige Leser des "Time"-Magazins dürften sich Ende vergangenen Jahres gewundert haben. Da kürte die Redaktion die mit einem Maschinengewehr armierte Version des Robotervehikels Talon zur verblüffendsten Erfindung 2004. "Rebellen seid gewarnt. Ein bewaffnetes unbemanntes Fahrzeug, das nie müde, hungrig oder furchtsam wird, kommt auf euch zu", jubelte das Blatt mit Blick auf den verlustreichen Irak-Feldzug der USA.

Wenn die ersten 18 MG-bewehrten Talon-Exemplare im April im Nahen Osten ankommen, bricht für die US-Streitkräfte tatsächlich eine neue Ära an, die des Roboterkrieges am Boden. Während unbemannte Drohnen in der Luft bereits Raketenattacken durchführen, fungieren die Maschinen auf der Erde hauptsächlich als Bombenentschärfer und Aufklärer in unwegsamen Gelände oder Höhlen. Nunmehr sollen sie aktiv ins Kampfgeschehen eingreifen und Verluste in der Truppe reduzieren. "Wenn dem Roboter was passiert, weinen keine Witwen", frohlockt ein Armeesprecher.

Bei gewappneten Talons wird es nicht bleiben. Die Entwicklung von Robotern für den Kampfeinsatz ist fester Bestandteil des US-Rüstungsprogramms Future Combat System. Mit dem 127 Milliarden Dollar schweren Investitionsprojekt wollen die Vereinigen Staaten ihre Armee auf zukünftige Konflikte vorbereiten. Die Pläne sehen auch vor, dass vier verschiedene Robotertypen die GIs unterstützen sollen, darunter mindestens eine bewaffnete Variante.

Roboter wollen keine Rente

US-Politiker drängen auf die Automatisierung der Truppe. Schon im Jahr 2000 forderte der Kongress, dass binnen einer Dekade ein Drittel der Armeefahrzeuge unbemannt funktionieren muss.

Roboter Talon: Maschinengewehr, Granaten und Raketen statt Greifarm
Foster-Miller

Roboter Talon: Maschinengewehr, Granaten und Raketen statt Greifarm


Die Aufrüstung der Streitkräfte mit Maschinenkriegern wird gigantische Summen verschlingen. Wie die "New York Times" berichtet, dürfte das Budget des US-Verteidigungsministeriums dadurch um 20 Prozent klettern, von 419,3 Milliarden Dollar 2005 auf 502,3 Milliarden Dollar 2010.

Neben der militärischen Überlegenheit geht es den Verantwortlichen auch um Kosten. Schon jetzt drohen dem ohnehin angespannten US-Haushalt Aufwendungen für Pensionen der Militärs in Höhe von 653 Milliarden Dollar. Laut einer Studie des Pentagons kostet ein Soldat während seiner Lebenszeit durchschnittlich vier Millionen Dollar mit ansteigender Tendenz. Der vergleichbare Aufwand für einen Roboter liegt bei einem Zehntel der Summe.

Erster "Terminator" ab 2035

Ohne humane Hilfe werden die Automaten in absehbarer Zeit allerdings keinen Kampf gewinnen. Noch steuern normale Soldaten die Roboter durch das Gelände und wählen Ziele aus. Experten rechnen erst 2035 mit einer Maschine, die auf dem Schlachtfeld selbständig agiert.

Bislang aber feiern es Beobachter schon als Erfolg, wenn ein Prototyp alleine eine Pepsidose erkennt und umschießt. Wie begrenzt das Können der Robotereinheiten noch ist, zeigte auch vor knapp einem Jahr ein Wettrennen in der Mojave Wüste im US-Bundesstaat Kalifornien. 15 unbemannte Vehikel traten auf einem unwegsamen 142-Meilen-Kurs gegeneinander an. Das Pentagon versprach den Konstrukteuren des Gewinners eine Million Dollar. Einen Sieger aber gab es nicht. Kein Roboter schaffte es ins Ziel.

Jörn Sucher

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