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Hilfspaket: Royal Bank of Scotland verbucht Rekordverlust

Großbritannien plant ein zweites Bankenrettungspaket - dabei will der Staat auch seinen Anteil an der Royal Bank of Scotland aufstocken. Das Kreditinstitut steht einem Pressebericht zufolge vor dem größten Verlust eines Unternehmens in der britischen Geschichte.

London - Die in der Finanzkrise unter Druck geratene Royal Bank of Scotland Chart zeigen (RBS) steht nach einem Bericht des "Daily Telegraph" vor Verlusten und Abschreibungen über bis zu 25 Milliarden Pfund. Noch am Montag wolle die einst zweitgrößte britische Bank diese ausweisen, schreibt die Zeitung.

Royal-Bank-of-Scotland-Filiale in London: Staatsanteil von 58 Prozent rauf auf 70
Getty Images

Royal-Bank-of-Scotland-Filiale in London: Staatsanteil von 58 Prozent rauf auf 70

In dem gigantischen Minus seien ein Verlust von sieben Milliarden Pfund (rund 7,8 Milliarden Euro) wegen fauler Kredite für 2008 und "Goodwill-Abschreibungen zwischen 15 und 20 Milliarden Pfund" im Zusammenhang mit der Übernahme von Teilen der niederländischen Bank ABN Amro Chart zeigen im Jahr 2007 enthalten. Das Blatt sprach von dem größten Verlust eines Unternehmens in der britischen Geschichte. Die Bank wollte sich nicht dazu äußern.

Die britische Regierung will am Montag ein zweites Hilfspaket für die angeschlagene Bankenbranche vorlegen. Dabei werde die Regierung auch eine Aufstockung des Staatsanteils an der RBS auf knapp 70 Prozent bekanntgeben, sagte eine mit den Plänen vertraute Person. Dies solle über den Umtausch von Vorzugsaktien im Wert von bis zu fünf Milliarden Pfund in Stammaktien geschehen und den Druck von der Bank nehmen, eine Jahressonderzahlung für die Vorzugsaktien auszuschütten.

Der britische Staat hält derzeit 58 Prozent an der RBS, nachdem er im November mit einer Notfinanzspritze über 15 Milliarden Pfund bei dem einst zweitgrößten Finanzinstitut des Landes eingestiegen war. Die RBS kämpft im Zuge der Finanzkrise bereits seit längerem mit hohen Abschreibungen.

Mit dem neuen Paket für die Banken will Großbritannien den Finanzinstituten Garantien für faule Kredite in Milliardenhöhe geben, teilte Finanzminister Alistair Darling mit. Premierminister Gordon Brown sagte, das Hilfsprogramm solle Blockaden am Kreditmarkt beseitigen und Privathaushalten und Unternehmen den Zugang zu Darlehen wieder erleichtern. Presseberichten vom Wochenende zufolge könnte das neue Hilfspaket ein Volumen von umgerechnet rund 222 Milliarden Euro haben. Im Oktober hatte die Regierung in London den britischen Banken bereits mit 37 Milliarden Pfund geholfen.

Das Volumen "toxischer Kredite" in den Büchern der britischen Banken wird auf 200 Milliarden Pfund geschätzt. Diese Lasten gelten als Grund dafür, dass die Banken nur noch zögerlich Kredite vergeben, wodurch Unternehmen das Geld ausgeht und ein weiterer Stellenabbau droht.

Vertreter von Regierung und Großbanken berieten das ganze Wochenende über Maßnahmen zur Förderung der Kreditvergabe. Zentraler Punkt sei ein staatliches Versicherungssystem, in dem die Banken das Ausmaß ihrer riskantesten Kredite offenlegen und im Gegenzug für einen Ausfallschutz oberhalb eines bestimmten Niveaus eine Gebühr zahlen müssten, hieß es in den Kreisen.

Derweil plant auch Dänemark ein weiteres milliardenschweres Hilfspaket für Banken. Die großen dänischen Parteien einigten sich auf eine solche Maßnahme. Wie das Wirtschaftsministerium in Kopenhagen am Sonntag mitteilte, soll das Paket im Umfang von hundert Milliarden Kronen (mehr als 13 Milliarden Euro) in der kommenden Woche ins Parlament eingebracht werden und Anfang Februar in Kraft treten können. Das Angebot von Finanzspritzen zu Sonderkonditionen werde dann bis Ende Juni gelten. Auch Dänemark hatte bereits im Oktober ein erstes Hilfspaket beschlossen, damals im Umfang von knapp fünf Milliarden Euro.

kaz/Reuters/AFP

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