27,2 Millionen Euro Steuerschuld Hoeneß' Zahlenrätsel

Erst 3,5 Millionen Euro, dann 18,5 Millionen, jetzt 27,2 Millionen: Die Steuerschuld von Uli Hoeneß scheint täglich zu wachsen. Selbst die Verteidigung scheint überrascht zu sein.

Hoeneß mit Verteidigung: Überraschung für fast alle Seiten
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Hoeneß mit Verteidigung: Überraschung für fast alle Seiten


Berlin - Mit jedem Tag scheint die Summe größer zu werden: Am Montag noch staunte das Publikum im Münchner Justizpalast, als der Angeklagte Uli Hoeneß in seinem Geständnis von 18,5 Millionen Euro sprach, die er dem Fiskus vorenthalten habe. Reinen Tisch wolle er machen, ein für alle Mal.

Doch inzwischen rechnen viele mit noch weiteren Überraschungen. Spätestens nach der Aussage einer Zeugin von der Rosenheimer Steuerfahndung wartet das Publikum gespannt auf die nächsten Enthüllungen.

Allein die bisher bekannt gewordenen Zahlen beeindrucken:

In der Anklageschrift hatte die Staatsanwaltschaft Hoeneß noch vorgeworfen, eine Steuerschuld von 3,5 Millionen verschwiegen zu haben. Außerdem habe der Vereinsmanager zu Unrecht 5,5 Millionen Euro an Verlustvorträgen aus seinen Wertpapiergeschäften in Deutschland geltend gemacht.

Die Summe ist wenig später mit dem Geständnis von Hoeneß Makulatur, der die Steuerschuld von 18,5 Millionen Euro einräumt. Selbst diese enorme Zahl, die zu Beginn des zweiten Prozesstages zur Verhandlung steht, hat keinen Bestand: Die Steuerfahndung beziffert die gesamte Steuerschuld des Fußballmanagers am Dienstag vor dem Landgericht München auf insgesamt 27,2 Millionen Euro. (Lesen Sie das Minutenprotokoll des Prozesstages hier und einen Kommentarhier.) Aus den ausgewerteten Daten zu den Devisengeschäften habe sich ein Betrag von 23,7 Millionen ergeben, der zu den 3,5 Millionen Euro addiert werden müsse, so die Zeugin.

"Hier fehlen 1,7 Millionen, von denen keiner weiß, wo sie sind"

Die von der Finanzbeamtin vorgetragenen Zahlen beruhen sogar noch auf sehr vorsichtigen Kalkulationen nach einer ersten Durchsicht des neuen Materials gegen Hoeneß. Auch die von der Verteidigung nachgereichten Angaben sollen noch Lücken aufweisen. "Hier fehlen 1,7 Millionen, von denen keiner weiß, wo sie sind", sagte Richter Rupert Heindl während der Verhandlung.

Nach Angaben der Steuerfahnderin hat Hoeneß die vor mehr als einem Jahr erstellte Datei zu seinem geheimen Konto in der Schweiz erst kurz vor dem Prozess vorgelegt. Der an der Börse zockende Bayern-Präsident hatte mit seinen Spekulationen demnach zeitweise hohe Gewinne erzielt. Mehr als 150 Millionen Euro lagerten zwischenzeitlich auf dem Depot. Nach 2006 ging es abwärts. "Ende 2010 ist nicht mehr sehr viel von den Gewinnen da, was leider an der Steuer nichts ändert", schilderte die Beamtin.

Die neuen Zahlen seien von der Verteidigung nicht hinterfragt worden, sagte Gerichtssprecherin Andrea Titz. Man sei davon offensichtlich überrascht worden.

mik/dpa

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insgesamt 69 Beiträge
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Seite 1
kahabe 11.03.2014
1. Liebe Pusseldorfer,
Zitat von sysopAFPErst 3,5 Millionen Euro, dann 18,5 Millionen, jetzt 27,2 Millionen: Die Steuerschuld von Uli Hoeneß scheint täglich zu wachsen. Selbst die Verteidigung scheint überrascht zu sein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/hoeness-prozess-steuerfahndung-nennt-27-1-millionen-steuerschuld-a-958087.html
leider kann ich heute Abend nicht in dem tollen Stadion sein. Ihr wißt schon, das, welches ich mit dem Geld vieler Steuerzahler habe bauen lassen. Und wo Eure und meine Mannschaft heute um einen der vielen geldvermehrenden Pokale spielt. Ich habe eingesehen, dass ich das Amt des Vereinsvorsitzenden aufgrund einer zu erwartenden langjährigen Gefängnisstrafe wegen einer kriminellen, das Allgemeinwohl schädigenden Straftat nicht mehr ausüben kann. Und trete mit sofortiger Wirkung von allen Ämtern, in die ich gewält oder bestimmt wurde, zurück. Ich empfehle mich Eurer Barmherzigkeit. Euer Max Mustermann
JKStiller 11.03.2014
2. Genau wegen des Zahlenrätsels
wird das Urteil möglicherweise doch schon am Do fallen. Wie die SZ berichtet, hatte die Verteidigung von Hoeneß keine nennenswerten Fragen zu der Schätzung von der Steuerfahnderin des FA Rosenheims und die Zeugin wurde entlassen. Für mich sieht das nach Verurteilung und anschließender Revision aus, damit genug Zeit für alle bleibt, das Rätsel zu lösen. http://www.sueddeutsche.de/sport/prozess-gegen-uli-hoeness-urteil-koennte-doch-schon-am-donnerstag-fallen-1.1909162
augu1941 11.03.2014
3.
Zitat von sysopAFPErst 3,5 Millionen Euro, dann 18,5 Millionen, jetzt 27,2 Millionen: Die Steuerschuld von Uli Hoeneß scheint täglich zu wachsen. Selbst die Verteidigung scheint überrascht zu sein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/hoeness-prozess-steuerfahndung-nennt-27-1-millionen-steuerschuld-a-958087.html
"Mehr als 150 Millionen Euro lagerten zwischenzeitlich auf dem Depot. Nach 2006 ging es abwärts. "Ende 2010 ist nicht mehr sehr viel von den Gewinnen da, was leider an der Steuer nichts ändert", schilderte die Beamtin." Wenn er bereit ist, seine hohen Steuerschulden von 27 Mio zu begleichen, muss doch noch was vom Gewinn da sein, oder hat er noch sonstige Einkünfte in Mio € -Höhe. ?
humble_opinion 11.03.2014
4. Wirklich dumm gelaufen
Das ist nun wirklich dumm gelaufen! Hoeness spielt seine Karte "Ich räume freiwillig viel mehr ein, als mir vorgeworfen wird!" und am Ende des Tages steht noch deutlich mehr an. Die strafbefreiende Wirkung der Selbstanzeige ist damit vom Tisch, da nicht vollständig. Dazu die Tatsache, dass sich mittlerweile jeder die Frage stellt, wieviel Kapital a) notwendig, um solche Gewinne erzielen zu können und b) woher es kam und wo es blieb.
flitzpane 11.03.2014
5. Seltsam diese ständig wachsenden Summen...
... es scheint, dass sich hinter all dem ein größeres Geheimnis vebirgt (schön dazu: http://wp.me/p14g2B-qz) Sollte es tatsächlich so sein, dass all das die Tarnung für ein FCB Schwarzkonto ist, für das Hoeness sich opfert? Ansonsten ist mir nicht klar, wie man bei der Vorbereitungszeit jetzt solche Überraschungen erleben kann...
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