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S.P.O.N. - Die Spur des Geldes: Wenn Millionen keine Summen mehr sind

Eine Kolumne von

Was hat der Fall Hoeneß mit der globalen Finanzkrise zu tun? Mehr, als man denkt. Hier wie dort zeigen sich die Folgen von zu viel Liquidität. Die Lösung: Extrem hohe Einkommen müssen extrem hoch besteuert werden.

Die explodierenden Summen im Verfahren gegen Uli Hoeneß erinnern mich an einen Ausdruck, der in den USA seit den sechziger Jahren die Runde machte: "Eine Milliarde hier, eine Milliarde dort, und bald reden wir von richtigem Geld." Bei Hoeneß war es keine Milliarde, aber immerhin wohl eine Zehntel Milliarde, mit der er in der Schweiz gezockt hat. Für eine Privatperson ist das eine unglaublich hohe Summe an reinem Spielgeld. Es geht hier um Größenordnungen, in denen sonst nur Staaten oder Unternehmen handeln.

Der Fall wirft Fragen auf, die weit über die bisherige Steuersünder-Diskussion hinausgehen. Ein Wirtschaftssystem, das einen Wurstfabrikanten wie Hoeneß dazu verleitet, eine Zehntel Milliarde Euro mal eben so zu verzocken, ist in sich instabil. Das Grundproblem ist nicht Reichtum an sich. Das Problem sind die liquiden Mittel, das Zockergeld, das einige Reiche durch die Gegend schleudern und damit Schaden anrichten.

Diese Menge an Liquidität ist durch keinen Grad an persönlichem Fleiß erzielbar, auch nicht durch normale unternehmerische Tätigkeit. Hoeneß hat hier nicht die Gewinne aus seinen Würsten verzockt. Wenn Liquidität dadurch entsteht, dass man sich Geld leiht und mit dem Geliehenen spekuliert, dann entstehen Verluste für die gesamte Wirtschaft, in diesem Fall Steuerverluste. Es kommt zu Verzerrungen, die sich quer durch die Wirtschaft ziehen. Auch Hoeneß' Zockerei ist so gesehen ein Auswuchs der globalen Finanzkrise.

Diese mag zwar jetzt in ihren schlimmsten Zügen Geschichte sein, hat aber Narben in großen Teilen der Welt hinterlassen. Das Problem der exzessiven Liquidität ist keineswegs vorüber. Billigzinsen sind jetzt notwendig, um eine Deflation zu vermeiden. Sie verzerren aber die Märkte für Wertpapiere und Immobilien. Es bilden sich neue Blasen, und jedes Mal, wenn das passiert, kommt die nächste Generation von Zockern. Das System ist gerade dabei, wieder dieselben Anreize zu schaffen, die Hoeneß am Ende zu seiner Wahnsinnstat verleiteten.

Ich erlebe selbst gerade in meiner eigenen Umgebung, welche katastrophalen Auswirkungen sich ergeben, wenn Menschen mit großem Barvermögen ganze Märkte durcheinanderwirbeln. Die Immobilienmärkte von London und Umgebung sind mittlerweile leergefegt, weil sich superreiche Russen und Asiaten mal so eben für ein oder zwei oder fünf Millionen ein Häuschen kaufen. Die Makler verkaufen die Immobilien nicht mehr. Sie versteigern sie an die Höchstbietenden. Normale Angestellte haben keine Chance gegen diese schiere Wucht an Liquidität. Mittlerweile schwappt diese Liquiditätswelle auf andere Städte im Süden Englands über. Das ist wie bei Rilke: Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.

Die Weltwirtschaft bräuchte nach der globalen Finanzkrise dringend eine Periode der Stabilisierung. Wir sind aber nicht willens oder in der Lage, die Finanzmärkte vernünftig zu regulieren und Finanzeinkommen angemessen zu besteuern.

Was tun? Noch härtere Strafen für Steuersünder? Finanzmarkt-Transaktionsteuern? Vergessen Sie es. Die Steuer-CDs und der Informationsaustausch zwischen Regierungen hat das Steueroasen-Problem weitgehend gelöst. Wer heute sein Schwarzgeld in die Schweiz schickt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit im Knast enden. Die Finanzmarkt-Transaktionsteuer, wenn sie denn kommt, trifft die kleinen Pensionskassen mehr als die Großzocker. Eine Transaktionsteuer von 0,01 Prozent des Handelsvolumens hätte Hoeneß nicht beeindruckt. Die einzige Lösung besteht darin, dass man Extrem-Einkommen auch extrem besteuert und die Möglichkeit kreativer Tricks mit einer pauschalen Steuervermeidungsregel ausschaltet. Wenn Sie Einkommen von mehr als fünf Millionen Euro mit 75 oder gar 90 Prozent besteuern, wäre das Problem weitgehend gelöst.

Hoeneß steht wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung vor Gericht. Das eigentliche Problem wird auch dieses Verfahren nicht lösen. Das ist Aufgabe der Politik.

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insgesamt 223 Beiträge
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1. optional
rakoge 12.03.2014
Ich möchte Hoeness hier keinesfalls verteidigen, aber er hat zumindest sein Vermögen selbst verdient und nicht geerbt. Ausserdem ist Herr Münchau wieder mal falsch mit seinen Schlussfolgerungen... Hoeness hat das Geld verzockt zu Zeiten als noch nicht die Überliquidität war wie heute!!
2.
Olaf 12.03.2014
Zitat von sysopDPAWas hat der Fall Hoeneß mit der globalen Finanzkrise zu tun? Mehr als man denkt. Hier wie dort zeigen sich die Folgen von zu viel Liquidität. Die Lösung: Extrem hohe Einkommen müssen extrem hoch besteuert werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/hoeness-und-die-finanzkrise-kolumne-von-wolfgang-muenchau-a-958205.html
Auf jeden Fall, denn mit den hinterzogenen Steuern von nur 20 Ulli Hoeneß, hätte man die Global Hawk Pleite finanzieren können. Für die nun wer in den Bau wandert? Na, egal. Zumindest der Staat kennt kein Liquiditätsproblem.
3. Es gibt keine wirkliche Lösung. Anders gewendet:
magetasalex 12.03.2014
Zitat von sysopDPAWas hat der Fall Hoeneß mit der globalen Finanzkrise zu tun? Mehr als man denkt. Hier wie dort zeigen sich die Folgen von zu viel Liquidität. Die Lösung: Extrem hohe Einkommen müssen extrem hoch besteuert werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/hoeness-und-die-finanzkrise-kolumne-von-wolfgang-muenchau-a-958205.html
Es gibt keine wirkliche Lösung. Anders gewendet: Die Reformierbarkeit des Kapitalismus ist ein intellektueller Irrtum. Der Kapitatlismus wird seine Kinder weiterfressen bis er platzt. -Nein, das ist kein Weltuntergangsszenario...das ist Hoffnung auf eine andere Welt.
4.
THINK 12.03.2014
Zitat von sysopDPAWas hat der Fall Hoeneß mit der globalen Finanzkrise zu tun? Mehr als man denkt. Hier wie dort zeigen sich die Folgen von zu viel Liquidität. Die Lösung: Extrem hohe Einkommen müssen extrem hoch besteuert werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/hoeness-und-die-finanzkrise-kolumne-von-wolfgang-muenchau-a-958205.html
Dem kann ich zustimmen. Alle, die mehr als ich verdienen, haben ein extrem hohes Einkommen und müssen daher extrem hoch besteuert werden.
5. Also...
servius 12.03.2014
... sauer verdientes Geld wegzunhemen und damit Zockerei zu verhindern, it ja wohl Blödsnn. Als ob unsr Staat it nserem geld seriöser umginge als Herr Höness. Steuerhinteruioeher müssen bestraft werden. Für noch mehr Steuern zu plädieren ist krank!
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Wolfgang Münchau

Wolfgang Münchau ist Associate Editor und Kolumnist der "Financial Times" und Mitbegründer von www.eurointelligence.com, einem Informationsdienst über den Euro-Raum. Er gründete die "Financial Times Deutschland" mit und war deren Co-Chefredakteur. Zuvor arbeitete Münchau als Korrespondent englischer Zeitungen in Washington, Brüssel und Frankfurt am Main. Er lebt und wohnt in Großbritannien und hat mehrere Bücher zur internationalen Finanzkrise veröffentlicht.
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