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Hohe Abschlüsse: Tariflöhne steigen wie seit 2000 nicht mehr

Gute Nachrichten für Deutschlands Arbeitnehmer: Die Löhne und Gehälter werden einer neuen Prognose zufolge 2008 kräftig steigen. Zwar ist auch die Inflation so hoch wie lange nicht mehr - und doch soll unterm Strich erstmals seit drei Jahren auch real mehr im Geldbeutel bleiben.

Hamburg - Die Tarifabschlüsse im ersten Halbjahr 2008 waren ungewöhnlich hoch: Rund 4,6 Prozent Lohnsteigerung wurden dem Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in Düsseldorf zufolge erkämpft. Wenn man die Abschlüsse aus den ersten sechs Monaten mit ihren verschiedenen Laufzeiten und die länger laufenden Verträge von 2007 berückksichtige, ergebe sich eine Lohnsteigerung von 3,3 Prozent für das Gesamtjahr. "Das ist der höchste Anstieg in diesem Jahrzehnt", sagt Tarifarchiv-Leiter Reinhard Bispinck. Im vergangenen Jahr waren die Löhne und Gehälter um durchschnittlich 2,2 Prozent gestiegen.

Angesichts einer Preissteigerungsrate von rund drei Prozent werde gesamtwirtschaftlich immerhin eine kleine tarifliche Reallohnsteigerung erreicht, sagte Bispinck. In manchen Branchen hätten die Beschäftigten auch gute Chancen auf ein kräftiges Plus. Dies sei nicht zuletzt das Ergebnis von Warnstreiks und Arbeitsniederlegungen, mit denen viele Beschäftigte Druck gemacht hatten. Besonders hohe Abschlüsse gab es demnach in den Branchen Stahl und Chemie sowie im öffentlichen Dienst. In anderen Branchen, etwa im Steinkohlebergbau und im Hotel- und Gaststättengewerbe, seien die Abschlüsse dagegen deutlich niedriger ausgefallen.

Die unter dem Dach des DGB vereinten Gewerkschaften schlossen in den ersten sechs Monaten für rund 4,4 Millionen Beschäftigte neue Lohn- und Gehaltstarifverträge ab. Das sei ein knappes Viertel der von Tarifverträgen erfassten Arbeitnehmer, sagte Bispinck. Für weitere 4,6 Millionen wurden die Lohnsteigerungen für 2008 bereits im Vorjahr vereinbart.

Dieses Jahr fielen die Lohnzuwächse fielen in der boomenden Chemie- und Stahlbranche mit jeweils rund fünf Prozent besonders hoch aus. Auch die Beschäftigten von Bund und Kommunen erhalten rund fünf Prozent mehr. Im Steinkohlebergbau oder bei Hotels und Gaststätten gab es dagegen nur ein leichtes Plus. Im Einzelhandel wurde nach über einjährigen Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften noch kein Abschluss erreicht.

Auch arbeitgebernahe Forscher einverstanden

Sogar das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hält die hohen Abschlüsse für vertretbar. "Die Abschlüsse sind vor allem in den boomenden Exportbranchen hoch", sagte IW-Tarifexperte Hagen Lesch der Nachrichtenagentur Reuters. Dort könne man sich das durchaus leisten. Allerdings könne von Lohnzurückhaltung nun nicht mehr die Rede sein, die seit Mitte der neunziger Jahre 880.000 Arbeitsplätze gesichert habe. In wirtschaftlich schwächeren Zeiten könnten sich hohe Lohnkosten als Beschäftigungsbremse erweisen. "Die Lohnerhöhungen von heute beeinflussen die Einstellungen von morgen", sagte Lesch.

Die WSI-Berechnungen dürften trotzdem für viele Arbeitnehmer ein Trost sein, nachdem das erste Vierteljahr 2008 rein finanziell ziemlich ernüchternd war. Vor wenigen Tagen hatte die Europäische Zentralbank (EZB) Zahlen veröffentlicht, wonach die Löhne und Gehälter für Vollzeitkräfte von Januar bis einschließlich März im Vergleich zum Vorjahresquartal um 2,8 Prozent gestiegen waren - die Teuerungsrate allerdings um 2,9 Prozent.

Vor allem die hohen Lebensmittel- und Energiepreise treiben die Inflation. Die Teuerungsrate ist derart alarmierend, dass jetzt auch EZB-Chef Jean-Claude Trichet vor dem EU-Parlament ein hartes Durchgreifen gefordert hat. Die Märkte müssten transparent sein, sagte Trichet - notfalls müsse man sie eben entsprechend reglementieren.

ase/AFP/Reuters

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Forum - Sollten Rohstoff-Spekulationsgeschäfte verboten werden?
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1.
H.Ehrenthal, 07.06.2008
Zitat von sysopRohstoffe werden knapp und teuer, die Abhängigkeit der Wirtschaft davon steigt. Sollten daher Spekulationsgeschäfte mit diesen Gütern generell per Gesetz verboten werden
Wo, Herr/In sysop? Deutschland? Andorra? Weltweit? Bei weltweit wäre eine wundersame Intelligenzerhöhung wahrscheinlicher.
2.
tom_hwi, 07.06.2008
Zitat von sysopRohstoffe werden knapp und teuer, die Abhängigkeit der Wirtschaft davon steigt. Sollten daher Spekulationsgeschäfte mit diesen Gütern generell per Gesetz verboten werden
Der jüngste Anstieg des Rohölpreises von 122 auf 139 Dollar innerhalb von 2 Tagen zeigt, dass die Spekulationsgeschäfte verboten gehören oder zumindest stark eingeschränkt werden müssten. Die dann frei werdenen Gelder sollten lieber in die Erforschung und Etablierung von alternativen Energien gesteckt werden, die uns weg vom Öl bringen. Die CTFC, die Aufsicht der US Terminbörsen, will die Spekulanten ins Visier nehmen. http://www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,556842,00.html Die letzten 2 Tagen zeigen eindrucksvoll, dass hier extremer Handlungsbedarf besteht. Aber auch bei den Nahrungsmitteln wird auf immer höhere Preise spekuliert. Die Folge sind weiter steigende Preise, die viele Menschen in den ärmeren Ländern nicht mehr bezahlen können. Ich habe vor kurzem einen Bericht über Haiti gesehen, wo die Kinder Lehmkekse essen, um nicht zu verhungern. Die Spekulanten sind hier sicherlich nicht die Ursache, sie verschärfen aber in nicht dagewesener Weise die Preisexplosion und forcieren damit das Problem. Auch hier wäre es sinnvoller, das Spekulationsgeld in Projekte zu investieren, die den Hunger bekämpfen. Dummerweise erlaubt diese Art der Investitionen nicht das schnelle Geld, wie es die Spekulation verspricht.
3.
Benjamin1965 07.06.2008
Zitat von tom_hwiDer jüngste Anstieg des Rohölpreises von 122 auf 139 Dollar innerhalb von 2 Tagen zeigt, dass die Spekulationsgeschäfte verboten gehören oder zumindest stark eingeschränkt werden müssten. Die dann frei werdenen Gelder sollten lieber in die Erforschung und Etablierung von alternativen Energien gesteckt werden, die uns weg vom Öl bringen. Die CTFC, die Aufsicht der US Terminbörsen, will die Spekulanten ins Visier nehmen. http://www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,556842,00.html Die letzten 2 Tagen zeigen eindrucksvoll, dass hier extremer Handlungsbedarf besteht. Aber auch bei den Nahrungsmitteln wird auf immer höhere Preise spekuliert. Die Folge sind weiter steigende Preise, die viele Menschen in den ärmeren Ländern nicht mehr bezahlen können. Ich habe vor kurzem einen Bericht über Haiti gesehen, wo die Kinder Lehmkekse essen, um nicht zu verhungern. Die Spekulanten sind hier sicherlich nicht die Ursache, sie verschärfen aber in nicht dagewesener Weise die Preisexplosion und forcieren damit das Problem. Auch hier wäre es sinnvoller, das Spekulationsgeld in Projekte zu investieren, die den Hunger bekämpfen. Dummerweise erlaubt diese Art der Investitionen nicht das schnelle Geld, wie es die Spekulation verspricht.
Und tom_hiwi, warum verbietest Du diese Geschaefte nicht einfach. Oder sysop" Warum verbietet nicht einfach Deutschland den Amerikanern diese Geschaefte?
4.
susanne_tatter 07.06.2008
Zitat von Benjamin1965Und tom_hiwi, warum verbietest Du diese Geschaefte nicht einfach. Oder sysop" Warum verbietet nicht einfach Deutschland den Amerikanern diese Geschaefte?
Genau! Revolutioooon! Aber wohin????
5.
tom_hwi, 07.06.2008
Zitat von Benjamin1965Und tom_hiwi, warum verbietest Du diese Geschaefte nicht einfach. Oder sysop" Warum verbietet nicht einfach Deutschland den Amerikanern diese Geschaefte?
Bitte überschätzen Sie meine Fähigkeiten nicht. Auf mich werden die sicherlich nicht hören. Das ist allein die Aufgabe der CTFC in enger Zusammenarbeit mit den Politikern, die dann diese Geschäfte verbieten oder zumindest stark einschränken. Schon erstaunlich warum ausgerechnet die Amis nicht gegensteuern, die ja besonders unter dem hohen Ölpreis leiden, da zeitgleich der Dollar massiv in die Knie geht. Außerdem kommt noch der überraschend starke Anstieg des Arbeitslosenquote in den USA von 5 auf 5,5% hinzu, die die Wirtschaft weiter schwächt. Einen weiter steigenden Ölpreis ist das letzte, was die stagnierende amerikanische Wirtschaft jetzt braucht, da die USA die weltweit größten Verbaucher von Öl sind und damit wie kaum ein anderes Land auf Rohöl angewiesen sind.
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