Hohe Lebensmittelpreise Weltbank startet Milliardenprogramm gegen Hunger

Es ist ein ambitioniertes Programm: Die Weltbank will jene Entwicklungsländer unterstützen, die am stärksten unter den gestiegenen Lebensmittelpreisen leiden. Geplantes Volumen der Soforthilfe: 1,2 Milliarden Dollar.


Washington - Rom, Washington, Caracas, Yokohama - rund um den Globus suchen Politiker und Finanzexperten nach Lösungen für die weltweite Nahrungskrise: Die Weltbank hat am Donnerstag ein ambitioniertes Programm zur Bekämpfung von Hunger aufgelegt. Die extrem schlechte Lage in vielen Entwicklungsländern erfordere einen "klaren Aktionsplan", sagte Weltbank-Präsident Robert Zollick. Dieser Aktionsplan sieht als ersten Schritt finanzielle Sofortmaßnahmen in Höhe von 25 Millionen Dollar für Haiti, Dschibuti und Liberia vor. Hier sei die Hungerkrise akut.

Hungerkrise
Horand Knaup
SPIEGEL ONLINE hat in neun Ländern Mütter getroffen, die von ihrem Alltag erzählen. Vom Schlangestehen beim Bäcker, vom immer karger werdenden Speiseplan, von der täglichen Angst vor leeren Tellern.
Danach sollen Togo, der Jemen und Tadschikistan in den nächsten Monaten Gelder erhalten. Insgesamt werden die Hilfen der Weltbank 1,2 Milliarden Dollar betragen. 200 Millionen Dollar davon müssten nicht zurückgezahlt werden. Damit soll die Not in den ärmsten Länder der Welt gelindert werden, hieß es. Neben den direkten Hilfszahlungen wird ab nächstem Jahr auch die Unterstützung der Weltbank für die weltweite Landwirtschaft um 50 Prozent auf sechs Milliarden Dollar jährlich erhöht.

Teurer Reis und explodierende Preise für Getreide und Mais haben in zahlreichen ärmeren Ländern zu krisenartigen Zuständen geführt, in manchen Ländern kam es sogar zu gewaltsamen Protesten. Grund für die Preissteigerungen bei Lebensmitteln sind höhere Energiekosten, eine stärkere Nachfrage nach Nahrungsmitteln in Asien und der Biosprit-Boom.

Oxfam und andere Hilfsorganisationen begrüßen das Programm. Die Weltbank nehme damit eine "beeindruckende Führungsrolle" im Kampf gegen den Hunger in der Welt ein.

Am nächsten Dienstag beginnt in Rom ein dreitägiger Gipfel der Welternährungsorganisation (FAO). Hier sollen vor allem längerfristige Lösungen gefunden werden. Die internationale Gemeinschaft müsse sich in diesen Tagen auf konkrete Aktionen einigen, so Zollick.

Die Teilnehmer der Konferenz in Yokohama vereinbarten bereits eine Ankurbelung ihrer Lebensmittelproduktion. Japan beispielsweise wolle seine Reisproduktion in den kommenden Jahren verdoppeln, um so der Lebensmittelknappheit entgegenzuwirken.

In der gemeinsamen Abschlusserklärung vom Freitag einigten sich die Teilnehmerländer darauf, afrikanische Bauern mit Mikrokrediten unterstützen und die bewässerten Landflächen des Kontinents binnen fünf Jahren um 20 Prozent vergrößern.

kjo/dpa/AFP

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