Hohe Managergehälter Wirtschaft schlägt schärfere Töne an

"Populistisch", "Schaukampf", "Unsinn": Die Geduld der Wirtschaft in der Debatte um eine Begrenzung der Managergehälter ist zu Ende. Mit deutlichen Worten erinnert sie die Politik daran, wer für den Wohlstand der Gesellschaft verantwortlich ist.


Berlin - "Vergesst nicht, welcher Gaul den Karren zieht", mahnte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, im "Handelsblatt". Politiker sollten aufhören, Sündenböcke in der Wirtschaft zu suchen, die pauschale Kritik sei "populistisch" und löse kein einziges Problem. Er weise diese Kritik für den BDI auf das Schärfste zurück, "damit muss jetzt Schluss sein". Thumann wies darauf hin, dass die Unternehmen derzeit viele Stellen schafften.

BDI-Chef Thumann: "Kritik löst kein einziges Problem"
DDP

BDI-Chef Thumann: "Kritik löst kein einziges Problem"

Auch Bosch-Chef Franz Fehrenbach warf der Politik Populismus vor: "Hier wird wegen weniger Ausreißer ein politischer Schaukampf geführt", sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung des weltgrößten Autozulieferers aus Stuttgart dem "Handelsblatt". "Politiker wissen, dass sie an dieser Stelle leicht Zustimmung erhalten." Doch Debatten nach gesetzlichen Obergrenzen für Manager-Gehälter seien "schlichtweg Unsinn". Über diese Frage hätten Aufsichtsräte und Gesellschafter zu entscheiden. "Nahezu alle Manager tragen mit ihrer Leistung maßgeblich zum Wohlstand der Gesellschaft bei und werden dafür angemessen bezahlt", sagte der Bosch-Chef. "Doch darüber spricht niemand."

Die Diskussion über die Vergütung von Managern war unter anderem von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angeheizt worden. Sie hatte Anfang Dezember beim CDU-Bundesparteitag in Hannover kritisiert: "Warum wird mit Geld überschüttet, wer auf ganzer Linie versagt hat?", sagte sie. "Das untergräbt das Vertrauen in das soziale Gleichgewicht unseres Landes." Eine Begrenzung der Manager-Gehälter per Gesetz lehnt die Bundesregierung allerdings ab.

Der Präsident der amerikanischen Handelskammer in Deutschland, Fred B. Irwin, warnte in der "Financial Times Deutschland": "Die Verlegung von Firmenzentralen ins Ausland kann eine logische Konsequenz sein, wenn die Politik bei der Regulierung der Manager-Gehälter zu weit geht." Eine Regierung sollte für mehr Wirtschaftswachstum und Wohlstand sorgen. "Ich kann nicht erkennen, was die Regulierung von Manager-Gehältern mit diesen Aufgaben zu tun hat."

Im Kölner "Express" kritisierte der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler dagegen "die ungenierte Bereicherung von bestimmten Managern, die als Angestellte ihres Unternehmens dieses an die Wand gefahren und Tausende Arbeitsplätze und Aktienvermögen in Milliardenhöhe vernichtet haben". Auch in Deutschland gehe die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. "Maßlose Einkommensunterschiede kann eine Gesellschaft auf Dauer nicht ertragen", warnte Geißler. "Die Wirtschaft sollte sich selber Grenzen setzen. Sonst muss es der Gesetzgeber tun." Im Vordergrund der Debatte müssten die sogenannten Aktienoptionen, nicht aber die Fixgehälter von Managern stehen.

Am Wochenende hatten die Betriebsräte von Daimler und Porsche allerdings die hohen Gehälter ihrer Topmanager verteidigt: "Daimler-Vorstände müssen im internationalen Vergleich angemessen verdienen", sagte Betriebsratschef Erich Klemm der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Er sehe deshalb keinen Anlass, die Gehälter der Daimler-Vorstände zu kritisieren.

Auch Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück verteidigte die Gehälter des Vorstandes seines Unternehmens, insbesondere das von Vorstandschef Wendelin Wiedeking: "Wir hatten schon einmal sehr günstige Vorstände. Die waren so günstig, dass wir fast pleitegegangen wären", sagte Hück der Zeitung.

sam/dpa-AFX



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.