Hoher Strompreis RWE verliert 200.000 Kunden

Deutschlands zweitgrößtem Energiekonzern RWE laufen die Kunden davon: Allein im ersten Quartal hat das Unternehmen 200.000 Abnehmer an die Konkurrenz verloren. Der Gewinn bricht um fast zehn Prozent ein.


Essen - Für Deutschlands Energiekonzerne scheint die Zeit der sprudelnden Gewinne vorbei zu sein. Die Nummer zwei der Branche, RWE Chart zeigen, kam im ersten Quartal auf ein Betriebsergebnis von 2,5 Milliarden Euro. Eine beachtliche Summe - aber 9,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

RWE-Kraftwerk Neurath: Steigende Kosten durch den Emissionshandel
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RWE-Kraftwerk Neurath: Steigende Kosten durch den Emissionshandel

Mit ein Grund für das vergleichsweise schwache Abschneiden: der dramatische Kundenschwund. Wegen der extrem hohen Strompreise kehren immer mehr Verbraucher den großen Stromversorgern den Rücken und wechseln zu alternativen Anbietern. Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres verlor RWE in Deutschland 200.000 Kunden. Das sind fast so viele wie im ganzen Jahr 2007.

Gleichzeitig bekommt das Unternehmen die staatlichen Regulierungsauflagen immer deutlicher zu spüren. Dies gilt zum einen für die Kürzung der Leitungsgebühren durch die Bundesnetzagentur, zum anderen steigen laut RWE die Kosten im Emissionshandel. Im ersten Quartal musste das Unternehmen, das seinen Strom vor allem in Kohlekraftwerken erzeugt, rund 300 Millionen Euro für den Erwerb von CO2-Zertifikaten ausgeben - etwa zehnmal so viel wie im Vorjahr.

Noch stärker als das betriebliche Ergebnis brach das Nettoergebnis ein. Mit 809 Millionen Euro lag es um 48,5 Prozent unter dem Vorjahreswert. Ausschlaggebend dafür waren nach Konzernangaben Abschreibungen im ersten Quartal von rund 600 Millionen Euro auf die US-Tochter American Water. RWE rechnet aber damit, den Rückgang in den kommenden Quartalen kompensieren zu können. Die Prognose für das Gesamtjahr wurde im Wesentlichen bestätigt.

Optimistisch gibt sich der Konzern auch im Kampf gegen den Kundenschwund. Im April habe es deutlich weniger Kündigungen gegeben als im Januar. Dies liege unter anderem an neuen Angeboten, etwa einem Stromtarif mit dreijähriger Preisgarantie. Auf alle anderen Verbraucher könnten dagegen weitere Preiserhöhungen zukommen, warnte Finanzvorstand Rolf Pohlig.

Schon zu Beginn des Jahres hatte RWE - ebenso wie die Nummer eins der Branche E.on - die Tarife für Haushaltskunden um bis zu zehn Prozent erhöht und damit Proteste bei Politikern und Verbraucherschützern ausgelöst. Zahlreiche Versorger folgten den Branchengrößen, zum Teil mit noch höheren Preisaufschlägen.

Von einem Fehler wollte Finanzvorstand Pohlig dennoch nicht sprechen. "Die einzelnen Vertriebsgesellschaften mussten die gestiegenen Beschaffungskosten weitergeben. Die hatten gar keine Wahl." Wenn die Großhandelspreise steigen, werde dies auch künftig an die Kunden weitergegeben. Derzeit lägen die Preise im Großhandel für die Jahre 2009 und 2010 deutlich über denen, die RWE im vergangenen Jahr selbst erzielt habe.

Der Düsseldorfer Rivale E.on Chart zeigen hatte im vergangenen Jahr ebenfalls 400.000 Kunden verloren. Allerdings gewann seine Online-Tochter "E wie einfach" zugleich 700.000 Kunden. Über massiven Kundenschwund klagte auch der Energiekonzern Vattenfall - unter anderem wegen der Pannenserie in seinen Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel.

wal/AP/Reuters



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