Honorarstreit in Bayern: Fachärzte drohen AOK-Patienten mit Behandlungsstopp

Ein Honorarstreit in Bayern zeigt die Tücken der Gesundheitsreform: Fachärzte fühlen sich durch das neue Hausarztmodell der Ortskrankenkasse benachteiligt - und kündigen an, deren Versicherte nur noch gegen Vorkasse oder im Notfall zu behandeln. Die AOK spricht von einer leeren Drohung.

München - Zwei Wochen bleiben den Kontrahenten noch, um eine Einigung zu finden. In zwei Wochen startet bundesweit der neue Gesundheitsfonds, und kurz zuvor eskaliert der Verteilungskampf zwischen Ärzten und Kassen in Bayern. Die Patienten könnten die Leidtragenden dabei sein.

Acht bayerische Fachärzte-Verbände drohten am Montag, man werde ab dem 1. Januar "AOK-Versicherte nur noch gegen Vorkasse behandeln". Die AOK tat das als Drohgebärde ab. Es gebe "vertragsärztliche Pflichten", an die sich die Ärzte halten müssten.

Worum geht es? Die AOK Bayern hat einen exklusiven Vertrag mit dem Bayerischen Hausärzteverband (BÄHV) ausgehandelt. Solche Verträge sind in der eigentlich Gesundheitsreform ausdrücklich gewünscht, um die Kosten des Systems zu drücken und die Rolle der Hausärzte zu stärken.

Nun aber drohen die Fachärzte Gegenwehr an - denn sie sehen im schlimmsten Fall ihre Existenz bedroht. Heinz Reiniger, der Landesvorsitzende der Kinder- und Jugendärzte sagte, AOK-Patienten würden nur im dringenden Fall oder nach Vorab-Bezahlung vorgelassen. Auch Frauenärzte, Internisten die anderen Facharztgruppen würden so verfahren. Durch "politisch erzwungene Umverteilung der Versichertengelder" zugunsten des Hausärzteverbandes sei die gute Versorgung der Bürger mit wohnortnaher Fachmedizin gefährdet. Die Fachärzte kündigten bundeslandweite Protestaktionen an.

Der bayerische AOK-Chef Helmut Platzer erklärte, er sehe die Schuld bei der Politik und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). Diese enthalte den Fachärzten die Hälfte und den Hausärzten ein Viertel des ihnen zustehenden Geldes in der aktuellen Honorarkalkulation vor. Der Rest des Geldes werde in einer Rücklage geparkt. Erst im Herbst 2010 würden die Kassen informiert, wie viel Geld sie aus dem Gesundheitsfonds tatsächlich bekämen.

Dies mache eine Kalkulation der Ausgaben fast unmöglich, kritisierte er. "Die Kassen zahlen 2009 rund sechs Prozent mehr, aber bei vielen kommt das Geld nicht an", sagte der AOK-Landeschef.

AOK-Sprecher Michael Leonhard sagte: "Wir gehen davon aus, dass alle AOK-Versicherten weiterhin ganz normal behandelt werden." Die Drohung mit einem Boykott von AOK-Versicherten seien "Nebelkerzen". Die Sorge der Fachärzte sei berechtigt, aber die richtige Adresse für den Protest seien die KVB und die Politik.

itz/AP

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