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Horrende Gehälter: Köhler geißelt Maßlosigkeit der Manager

Dramatischer Appell des Bundespräsidenten an Deutschlands Führungskräfte: Horst Köhler erklärt, die immensen Einkommensunterschiede zwischen Managern und Normalverdienern gefährdeten den sozialen Frieden im Land.

Düsseldorf – Deutliche Worte von Bundespräsident Horst Köhler: Im Interview mit dem "Handelsblatt" erklärt er, er sei besorgt über die auseinanderklaffende Einkommensentwicklung und eine wachsende Entfremdung zwischen Unternehmen und Gesellschaft. "Die Führungspersönlichkeiten in der Wirtschaft müssen begreifen, dass ihr Verhalten Auswirkungen auf den Zusammenhalt der Gesellschaft hat." Die Wirtschaft habe die Pflicht, der Entfremdung entgegenzuwirken.

Bundespräsident Köhler: "Sozialer Friede ist ein wichtiger Standortvorteil"
DPA

Bundespräsident Köhler: "Sozialer Friede ist ein wichtiger Standortvorteil"

Aufsichtsräte und Aktionäre forderte der Bundespräsident auf, dafür zu sorgen, dass Manager in ihren Einkommensvorstellungen nicht die Bodenhaftung verlören. Es gebe in der Bevölkerung das nachvollziehbare Gefühl, dass etwas nicht stimme, wenn die Einkommen der einen stark stiegen, die der anderen dagegen eher stagnierten. Nötig sei eine Kultur der Mäßigung und des Vorbilds in den Führungsebenen der Unternehmen. Renditeziele allein machten noch keine gute Unternehmensführung. "Sozialer Friede ist allemal ein wichtiger Standortvorteil Deutschlands", sagte Köhler.

Um gegen die Einkommensunterschiede vorzugehen, sprach sich Köhler dafür aus, Arbeitnehmer an Ertrag und Kapital von Unternehmen zu beteiligen. Die internationale Finanzkrise und das verlorene Vertrauen machten es aber schwieriger, breite Bevölkerungsschichten an den Kapitalmarkt heranzuführen.

Köhler forderte von der Politik außerdem weitere Reformen und warnte vor einer Verteilungsdebatte. "Es macht mich fast schon zornig, wie beim Thema soziale Gerechtigkeit vor allem übers Geldverteilen geredet wird." Zentrale Aufgabe in Deutschland bleibe es, Arbeit zu schaffen. "Glück lässt sich nicht als Sozialleistung organisieren."

Einzelne Unternehmen stellt Köhler in dem Gespräch freilich nicht an den Pranger. Das Interview kommt aber nur kurz nachdem der Porsche-Vorstand seine Bezüge offengelegt hat. Insgesamt 112,7 Millionen Euro verdienten die sechs Spitzenmanager des Autobauers im abgelaufenen Geschäftsjahr. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking dürfte Insidern zufolge den größeren Anteil der Rekordbezüge erhalten, gefolgt von Finanzchef Holger Härter. Porsche weigert sich nach einem entsprechenden Beschluss der Hauptversammlung, die eigentlich vorgeschriebene individuelle Angabe der Vorstandsbezüge auszuweisen. Porsche hatte im vergangenen Jahr einen Rekord-Vorsteuergewinn von 5,9 Milliarden Euro eingefahren – nach 2,1 Milliarden Euro im Vorjahr.

ase/Ap/Afp

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