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HRE-Rettung: Kaltblütiger Schacher im Angesicht des Abgrunds

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Dramatische Stunden im Herbst: Drei Tage lang standen die deutschen Banken vor dem Kollaps. Ein BaFin-Protokoll macht nun erstmals klar, wie verbissen Banken und Bund um die Rettung der Hypo Real Estate schacherten - und um die Frage, wer sie bezahlen soll.

Berlin - Drei Buchstaben: HRE. Das Kürzel steht längst nicht mehr allein für den Bankenkonzern Hypo Real Estate. Es steht für die größte Rettungsaktion eines privaten Unternehmens durch den Staat und die Finanzbranche in der deutschen Geschichte: Am letzten September-Wochenende 2008 verhandelten Banker, Politiker und Bankenaufseher in Frankfurt drei Tage lang über das Schicksal der HRE. Am Ende gewährten sie eine Geldspritze von 35 Milliarden Euro für eine Bank, die nicht sterben durfte.

Notausgangschild an der Frankfurter Börse: Verhandlungsmarathon als Drama in drei Akten Zur Großansicht
dpa

Notausgangschild an der Frankfurter Börse: Verhandlungsmarathon als Drama in drei Akten

Denn die HRE ist nicht eine beliebige Bank. Mit einer Bilanzsumme von 400 Milliarden Euro gehört sie zu den größten Kreditinstituten der Republik, damals als Dax-Konzern noch zu den Schwergewichten der deutschen Börse. Vor allem beherrscht sie 20 Prozent des deutschen Pfandbriefmarktes von insgesamt 900 Milliarden Euro. Jenen Papieren, die Jahrzehnte lang als besonders sicher galten; mit dem sich Banken und Unternehmen refinanzieren, in die Sparer und Versicherungen investieren.

Die Pleite der HRE hätte eine Kettenreaktion ausgelöst, an deren Ende in kürzester Zeit der Zusammenbruch des deutschen Finanzsystems gestanden hätte.

Nun zeigt ein Protokoll der Verhandlungen, die vom 26. September bis in die Nacht des 29. Septembers dauerten, dass Deutschland nur Minuten von der Kernschmelze des Bankensektors trennten. Niedergeschrieben haben es Mitarbeiter der Bankenaufsicht BaFin am 9. Oktober 2008. Es ist der Stoff, aus dem Drehbücher für einen Thriller geschrieben werden.

Der Verhandlungsmarathon ist ein Drama in drei Akten. Er beginnt am Freitagmorgen mit einer Expertenrunde, die die Lage sondiert. Von Anbeginn sitzen BaFin-Chef Jochen Sanio und der Bundesbankpräsident Axel Weber mit am Tisch. Am Samstag stoßen die Spitzen der deutschen Finanzbranche dazu. Am Sonntag wird schließlich Jörg Asmussen, Staatssekretär im Finanzministerium, als Vertreter der Regierung eingeflogen.

Es ist ein gnadenloser Poker am Rande des Abgrunds. Es geht um die Frage, wie viel Milliarden der Staat zur Rettung der HRE beitragen muss - und wie viel die Banken. Am Ende ist es ein Telefonat der mächtigsten Frau Deutschlands, Angela Merkel, mit dem einflussreichsten Banker des Landes, Josef Ackermann, das die Katastrophe in letzter Sekunde verhindert.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 111 Beiträge
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1. Ein bißchen kurz
newright 08.07.2009
Der Spiegel vergisst, dass es genau um die gleiche Zeit zu massiven Abhebungen von Konten kam. Privatpersonen entnahmen innerhalb große Bargeldbestände sodaß den Banken die 500 Euro Scheine ausgingen. Mit den Medien vereinbarte die Politik darüber Stillschweigen. Der Spiegel schweigt scheinbar immernoch. In Norddeutschland waren Abhebungen von Geldautomaten nicht mehr möglich, bewiesen das es etwas mit der kritischen Situation zu tun hatte ist es jedoch nicht. Wie es in Wahrheit heute um das Finanzsystem bestellt ist lässt sich nicht erahnen. Man kann jedoch davon ausgehen das der Wähler nur bis zur Wahl ruhig gehalten werden soll und es später zu massiven Einschnitten kommt.
2. Eben noch am Rande des Abgrunds
imagine, 08.07.2009
und schon bald werden wir einen Schritt weiter sein.
3. wie immer
rhs, 08.07.2009
Zitat von sysopDramatische Stunden im Herbst: Drei Tage lang standen die deutschen Banken vor dem Kollaps. Ein BaFin-Protokoll zeigt jetzt, wie verbissen Banken und Bund um die Rettung der Hypo Real Estate schacherten - und um die Frage, wer sie zahlen soll. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,634872,00.html
[Zitat]Am Ende ist es ein Telefonat zwischen der mächtigsten Frau Deutschlands, Angela Merkel, und dem einflussreichsten Banker des Landes, Josef Ackermann, das die Katastrophe in letzter Sekunde verhindert[Zitat Ende].... ... indem man die Kosten einseitig dem Steuerzahler aufbürdet und die Alteigentümer ungeschoren davon kommen lässt. Ist eine beliebte Methode derer, die sonst immer das hohe Lied des freien Marktes singen bis zu dem Zeitpunkt an dem statt Gewinne Verluste auftreten.
4. .
descartes101, 08.07.2009
Zitat von sysopDramatische Stunden im Herbst: Drei Tage lang standen die deutschen Banken vor dem Kollaps. Ein BaFin-Protokoll zeigt jetzt, wie verbissen Banken und Bund um die Rettung der Hypo Real Estate schacherten - und um die Frage, wer sie zahlen soll. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,634872,00.html
Man hätte diese 'Kernschmelze' einfach zulassen sollen, nicht nur in Deutschland, sondern überall. Dann hätte aus der Asche vielleicht etwas Neues, und vor allem Besseres werden können. Wenn diese Konstrukte, die von Anfang an als Geldpumpe des Extremkapitalismus geplant sind, nicht funktionieren, dann liegt das daran, dass der Extremkapitalismus ebenso eine widernatürliche Chimäre ist, die nur durch ständiges Wachstum und ständige Infusion am Leben gehalten werden kann. Das Bisschen Wegwerfwohlstand, das dabei für das Fussvolk abfällt, ist mehr ein Kollateralschaden, der dadurch minimiert wird, dass die Menschen in einen hirnlosen Massenkonsum manipuliert werden. Für die Welt und die Menschheit wäre es besser gewesen, wenn dieses System seinen sowieso unvermeidbaren und schon lange protrahierten Tod auch hätte sterben müssen.
5. Und?
newbi 08.07.2009
Zitat von sysopDramatische Stunden im Herbst: Drei Tage lang standen die deutschen Banken vor dem Kollaps. Ein BaFin-Protokoll zeigt jetzt, wie verbissen Banken und Bund um die Rettung der Hypo Real Estate schacherten - und um die Frage, wer sie zahlen soll. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,634872,00.html
Und? Was ist jetzt die Frage? Sollen wir das jetzt besonders schlimm finden oder betroffen sein oder freudig erregt? Glückwunsch an Frau Merkel und Herrn Ackermann. Am besten dreht man gleich noch einen Kinofilm aus der Story nit freundlicher Unterstützung durch die deutsche Filmförderung. Und wer am Schluss gezahlt hat oder zahlen wird, das weiß doch mittlerweile jedes Kind...
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