Tote Millionärin Huguette Clark: Juwelenauktion bringt 21 Millionen Dollar

Von , New York

Es war eine Überraschung: Ein Jahr nach dem einsamen Tod der US-Millionenerbin Huguette Clark haben ihre Juwelen für eine letzte Sensation gesorgt. Auf einer Auktion in New York erzielten die 17 Schmuckstücke Rekordpreise - nur Liz Taylors Klunkerkollektion brachte mehr ein.

Auktion bei Christie's: Rekorderlös für die Clark-Juwelen Fotos
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Im Leben wie im Tod war sie geheimnisumwittert - die US-Millionenerbin Huguette Clark, deren Juwelenkollektion bei einer Auktion in New York Rekordpreise erzielt. Christie's versteigerte die 17 Stücke am Dienstag für insgesamt 20,8 Millionen Dollar. Teuerstes Objekt: Ein neunkarätiger Diamant - mit 15,7 Millionen Dollar der wertvollste, der je in Amerika unter den Hammer kam.

Die Erlös der spektakulären Edelsteinsammlung, die jahrzehntelang in einem Banktresor geruht hatte, übertraf selbst die Erwartung der Christie's-Experten, die sie zuvor auf rund neun Millionen Dollar geschätzt hatten. "Dies ist die zweitwertvollste Privatkollektion, die im letzten Jahrzehnt in den USA versteigert wurde", sagte Christie's-Juwelenchef Rahul Kadakia, der auch als Auktionator fungierte.

Die wertvollste Juwelenkollektion war die der Hollywood-Legende Elizabeth Taylor, die im Dezember 2011 ebenfalls bei Christie's versteigert wurde - für 115 Millionen Dollar.

Ein Leben in Reichtum und Einsamkeit

Huguette Clark war im Mai vorigen Jahres im Alter von 104 Jahren gestorben. Sie war seit 1988 nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden und hatte die letzten zwei Jahrzehnte in einer privaten Krankenhaussuite verlebt.

Anfang des 20. Jahrhunderts war Clark ein Star der New Yorker Society. Ihr Vater William Clark - Kupferbaron, Selfmade-Millionär, Spekulant, Ex-Senator - war einst der zweitreichste Mann Amerikas. Die Familie residierte in einem Palast an der Fifth Avenue.

Nach William Clarks Tod 1925 bezogen Huguette und ihre Mutter eine 42-Zimmer-Wohnung am Central Park. Nach einer gescheiterten Ehe verschwand sie 1931 aus der Öffentlichkeit. Sie hatte keine Kinder und zog später in ein Krankenhaus.

Hunderte Schaulustige hatten die Juwelen, die von Clarks Nachlassverwalter zur Auktion angeboten wurden, schon am Wochenende bei Christie's am Rockefeller Center bestaunt. Die Rekordpreise deuteten sich bereits mit den ersten Losen an. Zwei Onyx-Bilderrahmen, geschätzt auf 6000 Dollar, brachten es auf jeweils 74.500 Dollar. Ein Art-déco-Armband erreichte 578.000 Dollar, ein weiteres 90.000 Dollar. Eine Cartier-Uhr kam auf 164.500 Dollar, ein Paar Ohrringe auf 104.500 Dollar. (Alle Preise enthalten eine Kaufprämie für Christie's.)

Mit 99 Jahren änderte Clark ihr Testament

Der Neun-Karat-Diamant ging an den New Yorker Juwelenhändler Brett Stettner. Andere Interessenten boten im Saal, via Internet oder über Telefon - sie kamen unter anderem aus Texas, Bahrain und Japan. Hinter Mittelsmännern verbargen sich möglicherweise auch entfernte Verwandte von Clark, die ihr Testament angefochten haben.

Mit 99 Jahren hatte Clark ihr Testament noch geändert und ihre Familie enterbt. Stattdessen hinterließ sie rund 300 Millionen Dollar für wohltätige Zwecke. Ihre philippinische Pflegerin Hadassah Peri bekam knapp 30 Millionen Dollar, ihre Patentochter Wanda Styka zwölf Millionen, ihr Anwalt Bock und ihr Buchhalter Irving Kamsler je 500.000 Dollar.

Als Gegenstand des Erbstreits wurden die Juwelen zur Auktion gestellt. Wer den Erlös bekommt, muss noch das Gericht bestimmen. Gleiches gilt für das Apartment am Central Park, für 55 Millionen Dollar auf dem Markt, sowie ein Hundert-Millionen-Dollar-Anwesen in Kalifornien und eine 24-Millionen-Dollar-Villa in Connecticut.

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insgesamt 6 Beiträge
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1. Und was nun ?
MiniDragon 18.04.2012
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEEs war eine Überraschung: Ein Jahr nach dem einsamen Tod der US-Millionenerbin Huguette Clark haben ihre Juwelen für eine letzte Sensation gesorgt. Auf einer Auktion in New York erzielten die 17 Schmuckstücke Rekordpreise - nur Liz Taylors Klunkerkollektion brachte mehr ein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,828222,00.html
Mich würde interessieren, wer nun darüber entscheidet, worin der Erlös der Auktion möglichst wertbeständig angelegt wird und natürlich auch in was investiert wird, denn solche Juwelen waren doch bereits eine ziemlich wertbeständige Anlageform
2.
petruschka5 18.04.2012
Ich finde diese Art der Berichterstattung (Liz Taylors Hinterlassenschaft als "Klunkerkollektion" zu bezeichnen) unsachlich und entwürdigend, der Schreiberling hat anscheinend überhaupt kein Verständnis für die Dinge, die er selbst niemals haben wird, das war daneben.
3. Klunkerkollektion.
micbin 18.04.2012
Zitat von petruschka5Ich finde diese Art der Berichterstattung (Liz Taylors Hinterlassenschaft als "Klunkerkollektion" zu bezeichnen) unsachlich und entwürdigend, der Schreiberling hat anscheinend überhaupt kein Verständnis für die Dinge, die er selbst niemals haben wird, das war daneben.
Ach was. Haben Sie den Schmuck von Liz Taylor mal gesehen? Geschmackvoll sieht anders aus. "Klunkerkollektion" ist durchaus passend, denn die Stücke beeindruckten allenfalls durch exorbitante Ausmaße.
4. Wühltisch post mortem
favela lynch 18.04.2012
Zitat von petruschka5Ich finde diese Art der Berichterstattung (Liz Taylors Hinterlassenschaft als "Klunkerkollektion" zu bezeichnen) unsachlich und entwürdigend, der Schreiberling hat anscheinend überhaupt kein Verständnis für die Dinge, die er selbst niemals haben wird, das war daneben.
Absolut. Huguette Clark, Inbegriff von Diskretion und Exklusivität, wusste schon, warum sie die Türen geschlossen hielt. Der Wühltisch post mortem ist in ihrem Fall schlichtweg widerlich.
5. nee, wirklich?
petruschka5 18.04.2012
Zitat von micbinAch was. Haben Sie den Schmuck von Liz Taylor mal gesehen? Geschmackvoll sieht anders aus. "Klunkerkollektion" ist durchaus passend, denn die Stücke beeindruckten allenfalls durch exorbitante Ausmaße.
... das ist interessant, sie stehen dann eher auf kleine Schmuckstücke, die keine "exorbitanten Ausmaße" haben - Glückwunsch!? Sie wissen auch sicher sonst, was sich gehört?
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