Wirtschaft


Hyperinflation: Simbabwe schafft eigene Währung ab

Die Inflation in Simbabwe liegt bei astronomischen 230 Millionen Prozent - jetzt beschließt die Regierung eine Notaktion: Laut einem Pressebericht wird der Simbabwe-Dollar für mindestens ein Jahr aus dem Verkehr gezogen, als Ersatz sind ausländische Währungen zugelassen.

Harare - Bittere Armut, eine Arbeitslosigkeit von mehr als 90 Prozent - und die höchste Inflation der Welt: Simbabwe liegt wirtschaftlich am Boden. Jetzt hat sich die Regierung offenbar entschlossen, zumindest das Problem der Teuerung anzugehen.

Eine-Million-Dollar-Note (im November 2008): Nichts stützt die Währung
DPA

Eine-Million-Dollar-Note (im November 2008): Nichts stützt die Währung

Aktuell liegt die Hyperinflation bei mehr als 230 Millionen Prozent. Laut einem Medienbericht schafft das Land nun seine eigene Währung ab. Der Simbabwe-Dollar werde mindestens für ein Jahr aus dem Verkehr gezogen, meldet die staatlich kontrollierte "Sunday Mail". Erst wenn die Industrieproduktion wieder anspringe, könne über eine Wiedereinführung nachgedacht werden. Derzeit gebe es nichts, was die Währung stütze, zitierte die Zeitung Wirtschafts- und Entwicklungsminister Elton Mangoma.

Die Regierung hatte bereits im Januar mehrere ausländische Währungen als Zahlungsmittel zugelassen in der Hoffung, so die galoppierende Inflation zumindest zu bremsen. Darunter sind der Euro, der US-Dollar und der südafrikanische Rand.

Kritiker werfen Präsident Robert Mugabe vor, durch politische Fehlentscheidungen wie die Enteignung weißer Farmer für den wirtschaftlichen Niedergang Simbabwes verantwortlich zu sein. Dagegen beschuldigt der 85-jährige Mugabe, der seit bald drei Jahrzehnten an der Macht ist, Gegner seiner nationalistisch ausgerichteten Politik, die Wirtschaft gezielt sabotiert zu haben.

Die Lage in dem verarmten Land, das einst als Kornkammer Afrikas galt, ist prekär: Es fehlt an ausländischen Devisen. Hinzu kommt eine Cholera-Epidemie. Der Staat ist auf internationale Hilfe angewiesen, doch potentielle westliche Geberstaaten halten sich zurück. Sie fordern von der erst kürzlich nach langem Tauziehen zustande gekommenen Einheitsregierung von Mugabe und dem bisherigen Oppositionsführer Morgan Tsvangirai Fortschritte bei politischen und wirtschaftlichen Reformen.

wal/Reuters

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insgesamt 75 Beiträge
stevowitsch 11.02.2009
Zunächst nicht viel. Mugabe wird weiter taktieren, aber alles unter Kontrolle halten. Der Freiheitsheld der leider zum gewöhnlichen Potentaten mutierte muß weg. Das Land geht weiter den Bach runter - obwohl - viel weiter runter [...]
Zunächst nicht viel. Mugabe wird weiter taktieren, aber alles unter Kontrolle halten. Der Freiheitsheld der leider zum gewöhnlichen Potentaten mutierte muß weg. Das Land geht weiter den Bach runter - obwohl - viel weiter runter geht es wohl nicht mehr. Vielleicht gelingt es Tsvangirai im ein oder anderen Bereich (Polizei/Militär) etwas an Einfluß zu gewinnen, im Hinblick auf die Zeit nach Mugabe. Dann gibt es vielleicht eine Chance auf einen friedlichen Übergang, ohne, daß Mugabes Günstlinge denen die Pfründe verloren zu gehen drohen einen Bürgerkrieg entfesseln.
Spinnosa 11.02.2009
Es scheint mir wichtig zu sein, daß die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit sich jetzt nicht von Simbabwe abwendet. Einmal, um zu verhindern, daß Mugabe durch die Hintertür die wenigen vom ihm gemachten Zugeständnisse wieder [...]
Zitat von stevowitschZunächst nicht viel. Mugabe wird weiter taktieren, aber alles unter Kontrolle halten. Der Freiheitsheld der leider zum gewöhnlichen Potentaten mutierte muß weg. Das Land geht weiter den Bach runter - obwohl - viel weiter runter geht es wohl nicht mehr. Vielleicht gelingt es Tsvangirai im ein oder anderen Bereich (Polizei/Militär) etwas an Einfluß zu gewinnen, im Hinblick auf die Zeit nach Mugabe. Dann gibt es vielleicht eine Chance auf einen friedlichen Übergang, ohne, daß Mugabes Günstlinge denen die Pfründe verloren zu gehen drohen einen Bürgerkrieg entfesseln.
Es scheint mir wichtig zu sein, daß die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit sich jetzt nicht von Simbabwe abwendet. Einmal, um zu verhindern, daß Mugabe durch die Hintertür die wenigen vom ihm gemachten Zugeständnisse wieder revidiert, aber auch, um im Auge zu behalten, wie sich Tsvangirai so entwickelt. Ich will nicht schwarzmalen, aber auch Mugabe galt mal als Hoffnungsträger. Leider besteht in Europa die fatale Neigung, sich in Fällen wie Simbabwe einen Helden zu küren und nicht sofort gegenzusteuern, wenn die Dinge in die falsche Richtung gleiten. Ich nehme an, das geschieht, um sich nicht dem Vorwurf der Einmischung auszusetzen. Aber das ist Augenwischerei. Selbst nach der Unabhängigkeit hat sich die sogenannte westliche Welt ständig in afrikanische Angelegenheiten eingemischt, und zwar in der Hauptsache aus egoistischen Gründen, sei es die Ausbeutung von Bodenschätzen oder die Wahrung irgendwelcher Geostrategischen Interessen. Eine Einmischung aus humanitären Gründen wäre da mal eine schöne Abwechselung. Man sollte Tsvangirai unterstützen, aber auch Gruppen wie z. B. WOZA (Women and Men of Zimbabwe Arise) um eine vielfältige Basis zu schaffen. Und ein Nachteil für Europa muß das im übrigen auch nicht sein. Afrika liegt leider überhaupt nicht im Focus der Medien. Vielleicht kann man die Menschen für Afrika interessieren, wenn man ihnen klar macht, daß ein funktionierendes Afrika auf Dauer Vorteile bringt, das scheint mir erfolgreicher zu sein, als immer nur ans Mitleid zu apellieren. Mitleid erschöpft sich schnell.
stevowitsch 11.02.2009
Ich teile Ihren Standpunkt. So argumentierte ich schon im Kongo-Strang. Das sollten all jene mal bedenken, die immer davon reden, die Afrikaner sollten ihre Probleme gefälligst selber lösen.
Zitat von Spinnosa... Selbst nach der Unabhängigkeit hat sich die sogenannte westliche Welt ständig in afrikanische Angelegenheiten eingemischt, und zwar in der Hauptsache aus egoistischen Gründen, sei es die Ausbeutung von Bodenschätzen oder die Wahrung irgendwelcher Geostrategischen Interessen. Eine Einmischung aus humanitären Gründen wäre da mal eine schöne Abwechselung. ...
Ich teile Ihren Standpunkt. So argumentierte ich schon im Kongo-Strang. Das sollten all jene mal bedenken, die immer davon reden, die Afrikaner sollten ihre Probleme gefälligst selber lösen.
kogno 12.02.2009
Jetzt wurde Tsvangirai von der SADC doch in die ungleiche Machtteilung mit Mugabe gedrängt, die er nicht wollte und der er sich früher verweigert hat. Offenbar ist die neue Regierung Südafrikas im Hinblick auf Zimbabwe nicht [...]
Zitat von sysopFast ein jahr nach den Wahlen und monatelangen Turbulenzen wurde der bisherige Oppositionsführer Tsvangirai als neuer Premierminister vereidigt. Doch Diktator Mugabe behält die Kontrolle über Militär und Geheimdienst. Was denken Sie - was kann Premier Tsvangirai ausrichten?
Jetzt wurde Tsvangirai von der SADC doch in die ungleiche Machtteilung mit Mugabe gedrängt, die er nicht wollte und der er sich früher verweigert hat. Offenbar ist die neue Regierung Südafrikas im Hinblick auf Zimbabwe nicht besser als die alte. Die Vorzeichen sind ominös. Das einzige Druckmittel das Tsvangirai hat, ist internationale Wirtschaftshilfe, die nur kommt, wenn er eine führende Rolle spielen kann.
Heimwerker-Ass 13.02.2009
Mit der Einmischung ist das aber nicht so einfach.Denn schliesslich gibt es da eine "Afrikanische Union",deren derzeitiger Vorsitzender Gaddafi vor kurzem Folgendes ueber die ausserafrikanische "Einmischung" [...]
Zitat von SpinnosaSelbst nach der Unabhängigkeit hat sich die sogenannte westliche Welt ständig in afrikanische Angelegenheiten eingemischt, und zwar in der Hauptsache aus egoistischen Gründen, sei es die Ausbeutung von Bodenschätzen oder die Wahrung irgendwelcher Geostrategischen Interessen. Eine Einmischung aus humanitären Gründen wäre da mal eine schöne Abwechselung.
Mit der Einmischung ist das aber nicht so einfach.Denn schliesslich gibt es da eine "Afrikanische Union",deren derzeitiger Vorsitzender Gaddafi vor kurzem Folgendes ueber die ausserafrikanische "Einmischung" am Horn von Afrika verlauten liess: "Die Piraterie sei eine Art der Verteidigung gegen gierige Nationen des Westens , sagte er dem Bericht zufolge. Es ist keine Piraterie, sondern Selbstverteidigung. Es ist eine Verteidigung des Essens der somalischen Kinder , erklärte Gaddafi zu dem Millionengeschäft mit der Erpressung von Lösegeld für gekaperte Schiffe" http://www.focus.de/politik/ausland/schifffahrt-gaddafi-verteidigt-piraten-vor-somalia_aid_368851.html
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