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Hypo Real Estate: Ex-Managern drohen hohe Schadensersatzforderungen

Untreue, Marktmanipulation, Verstöße gegen das Aktiengesetz - die Vorwürfe gegen die Ex-Manager der angeschlagenen Hypo Real Estate wiegen schwer. Auf die ehemalige Konzernspitze könnten nach ihrem Rauswurf hohe Schadensersatzforderungen der Immobilienbank zukommen.

München/Frankfurt am Main - Die ehemaligen Manager des angeschlagenen Münchner Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) geraten immer mehr in Bedrängnis. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, wirft die Münchner Staatsanwaltschaft Ex-Konzernchef Georg Funke und dem bisherigen Finanzvorstand Markus Fell vor, eine zu riskante Geldpolitik betrieben zu haben und diese auch nicht geändert zu haben, als sich die Finanzkrise weltweit ausweitete.

Hypo-Real-Logo in München: Manager sollen für Schaden haften
DPA

Hypo-Real-Logo in München: Manager sollen für Schaden haften

Die Folge: Funke, Fell und weitere HRE-Manager hätten die Bank so beinahe in die Pleite geführt und auf diese Weise Unternehmensvermögen veruntreut. Dies könnte zu hohen Schadensersatzforderungen der HRE gegen die Manager führen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Die Zeitung beruft sich auf einen Beteiligten am Ermittlungsverfahren.

Der Immobilienfinanzierer hatte am Samstag bekanntgegeben, dass er sich mit sofortiger Wirkung vom ehemaligen Vorstandschef Funke und dem noch amtierenden Vorstand Fell trennt. Auch das frühere Vorstandsmitglied Bo-Heide Ottosen und Vorstand Frank Lamby müssen gehen.

Das Münchner Kreditinstitut lässt bereits seit einigen Wochen prüfen, ob Funke und ein weiterer kurz zuvor ausgeschiedener Vorstand gegen ihre Dienstpflichten verstoßen haben. Dem "SZ"-Bericht zufolge wirft die Staatsanwaltschaft Funke, Fell und anderen Managern vor, gegen insgesamt sieben Vorschriften des Aktiengesetzes, des Strafgesetzbuches und des Wertpapierhandelsgesetzes verstoßen zu haben.

Unter anderem sollen sie Paragraf 93 des Aktiengesetzes verletzt haben, der Vorstände zur "Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters" verpflichtet. Im Durchsuchungsbeschluss, der zur Großrazzia bei der HRE führte, wird dieser Vorwurf laut "SZ" mit einer zu riskanten Geldpolitik der Finanzgruppe begründet. Als die Bankenkrise sich ausweitete, hätten Funke, Fell und der übrige damalige Vorstand seit Mai die Strategie ändern und so die Liquidität der HRE sichern müssen.

Die Ermittler hatten die Bank sowie Büros und Privaträume von Ex-HRE-Managern am Mittwoch durchsucht. Neben Untreue werfen sie den Ex-Managern auch Marktmanipulationen und falsche Darstellungen nach dem Aktiengesetz vor. Laut "SZ" drohen den Verdächtigen neben den hohen Schadensersatzforderungen im für sie schlimmsten Fall auch Geldstrafen und bis zu fünf Jahre Gefängnis.

Radikaler Stellenabbau

Vorstand und Aufsichtsrat der HRE verkündeten am Samstag eine strategische Neuausrichtung und Restrukturierung der Bankengruppe. Die Zahl der Mitarbeiter solle im Verlauf der kommenden drei Jahre von derzeit 1800 auf zunächst 1000 sinken. Die betroffenen Arbeitsplätze befänden sich zu zwei Dritteln außerhalb Deutschlands. Bis 2013 sollen weitere rund 200 Stellen wegfallen. Ein Teil des Personalabbaus solle über Auslagerungen von Betriebsteilen und Verkäufe erfolgen. Es würden sozialverträgliche Lösungen angestrebt, um betriebsbedingte Kündigungen nach Möglichkeit zu verhindern, erklärte das Unternehmen.

Die Bank ist wegen der Finanzkrise in Schieflage geraten und auf Hilfe aus dem Banken-Rettungsfonds der Bundesregierung angewiesen. Das neue Geschäftsmodell soll die jährlichen laufenden Kosten bis 2011 um rund 200 Millionen Euro und bis 2013 um rund 250 Millionen Euro verringern.

Neuausrichtung belastet Ergebnis

Die Neuausrichtung werde das Ergebnis aber zunächst weiter belasten, teilte das Institut mit. Für das vierte Quartal würden weitere erhebliche Ergebnisbelastungen erwartet. Für 2008 sei mit einem negativen Jahresergebnis zu rechnen. Die Gespräche über weitreichende Unterstützungsmaßnahmen mit dem Fonds zur Verwaltung des Bankenrettungspaketes (SoFFin) dauerten an.

Angestrebtes Ergebnis der Neuausrichtung sei, die Hypo Real Estate Group zu einem führenden spezialisierten Immobilien- und Staatsfinanzierer in Deutschland und Europa mit pfandbrieforientierter Refinanzierung zu machen. Dazu sollen in den kommenden drei Jahren die Kosten gesenkt, das Risikoprofil verbessert und die Konzernstruktur vereinfacht werden. Unter anderem ist eine Verschmelzung mit der Pfandbrieftochter Depfa vorgesehen.

"Mit den jetzt getroffenen Entscheidungen schaffen wir seitens des Unternehmens notwendige Grundlagen für die mittelfristige Rückkehr der Gruppe als aktiver Marktteilnehmer", sagte Vorstandschef Axel Wieandt. Zu den "weitreichenden Anpassungen im Geschäftsmodell" gebe es keine Alternativen.

phw/AP

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