Immobilienbank Strafverfahren gegen HRE-Chefs eingestellt

Wegen Bilanzfälschung standen Georg Funke und Markus Fell vor Gericht. Nun ist der Prozess gegen die Ex-HRE-Chefs gegen Zahlung einer Geldsumme eingestellt worden.

Georg Funke (März 2017)
AFP

Georg Funke (März 2017)


Eines der spektakulärsten Wirtschaftsstrafverfahren der jüngeren Geschichte, der Prozess um die Beinahe-Pleite der Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE), wird vorzeitig eingestellt. Das erfuhr der SPIEGEL aus dem Umfeld der Angeklagten, dem ehemaligen HRE-Chef Georg Funke und seinem einstigen Finanzchef Markus Fell. Das Landgericht München hat die Einstellung mittlerweile bestätigt.

Die beiden Männer waren wegen Bilanzfälschung angeklagt. Ihnen wurde vorgeworfen, die Lage der Skandalbank in zwei Abschlussberichten zu positiv dargestellt zu haben, was sie stets bestritten. Nun wird das Verfahren wie bereits bei knapp einem halben Dutzend weiterer früherer Vorstandsmitglieder der HRE nach Paragraf 153a der Strafprozessordnung gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt.

Funke muss 18.000 Euro zahlen, Fell 25.000 Euro, die jeweils zwei gemeinnützigen Vereinen zugutekommen. Hauptgrund für die Einstellung war, dass nach wie vor ein wichtiges Gutachten fehlte und die Verteidigung die Anhörung zahlreicher weiterer Zeugen, teilweise aus dem Ausland, beantragt hatte. Wären sie alle gehört worden, wäre ein Teil der Vorwürfe bis zur Verkündung eines Urteils wohl verjährt gewesen.

Die Münchner Immobilienbank war im Jahr 2008 in der Finanzkrise zusammengebrochen und vom Staat mit Milliardenhilfen gerettet worden. Der damalige Finanzminister Peer Steinbrück sprach seinerzeit von einer "geordneten Abwicklung".

Die wichtigsten Stationen im Drama um die HRE und deren Rettung können Sie in der Zeitleiste nachvollziehen.

dd

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insgesamt 46 Beiträge
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Seite 1
stefan.martens.75 29.09.2017
1. Was ist das denn?
Ich dachte immer eine Anklage reicht für die Beendigung der Verjährung aus!?
OberstSL 29.09.2017
2. So läuft das hier in Deutschland
Trotzdem zeigen wir mit dem Finger auf die anderen Länder um uns herum. Ein Gutachten konnte noch nicht erstellt werden, darum werden die "Rädelsführer" mit einer geringen Geldstrafe nach Hause geschickt. Ende gut, alles gut.
peligro 29.09.2017
3. Es stinkt zum Himmel!
Man müsste den Staatsanwalt wegen Strafvereitelung und/oder Prozessverschleppung anzeigen. Je größer der Schaden, desto wahrscheinlicher entweder eine symbolische Strafe oder Freispruch oder Verjährung.
ahloui 29.09.2017
4. Wie verjährt?
Das im laufenden Prozess eine Verjährung überhaupt greifen kann, ist schon ein Schwachpunkt dieses Gesetzes. Das die Einstellung eines Verfahrens gegen Zahlung einer so lächerlichen Summe möglich ist, ist der zweite. Somit bleiben diese Versager auch noch "nicht vorbestraft" Eigentlich wäre das eine Posse aus einer Bananenrepublik.
sozialismusfürreiche 29.09.2017
5. ein Skandal der Seinesgleichen sucht
18T und 25T und das war es dann? Verjährung? Fehlendes Gutachten? Verzögerungstaktiken? Kein Wunder, dass die Menschen die "Gerechtigkeit" hinter dem ganzen nicht mehr sehen. Ganz dringend ist eine Reform der Gerichtsbarkeit über Wirtschaftskriminalität nötig. Es kann nicht sein, dass solche Prozesse nicht in 1 Jahr abschliessbar sind und abschliessend zu Verurteilungen führen. Kein Wunder dass inzwischen radikal gewählt wird, wenn man sowas sieht ... Mensch mensch mensch.
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