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Hypotheken: Kreditkrise erreicht Geldmarkt

Die Schockwellen der US-Kreditkrise erreichen mittlerweile auch den Geldmarkt. Sowohl in den USA als auch in der Euro-Zone stiegen die Tagesgeldsätze kräftig: Banken horten ihre Geldbestände, um im Falle einer Ausweitung der Krise flüssig zu sein. Die EZB reagiert.

Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) ergriff angesichts des drastischen Anstiegs der Tagesgeldsätze bereits die ersten Maßnahmen. Über einen sogenannten Schnelltender wurden am Nachmittag zusätzlich 94,841 Milliarden Euro in den Geldkreislauf gepumpt.

Börse in Frankfurt am Main: Hypothekenkrise sorgt für Turbulenzen auf dem Geldmarkt
AP

Börse in Frankfurt am Main: Hypothekenkrise sorgt für Turbulenzen auf dem Geldmarkt

Die Notenbank hatte den Kreditinstituten erst am Dienstag bei einem regulären Tendergeschäft 292,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Das Gesamtvolumen des in der Euro-Zone umlaufenden Geldes in der aktuellen Mindestreserveperiode bezifferten Tagesgeldhändler heute auf rund 440 Milliarden Euro. In der Nacht hatte bereits die Schweizer Nationalbank ihren heimischen Geldhäusern frische Liquidität angeboten.

"Das Vertrauen ist gestört und es bleibt zu hoffen, dass die Zentralbanken das ihnen mögliche tun, um es wieder herzustellen", sagte ein Geldmarkthändler einer deutschen Großbank. "Was wir sehen ist eine Verteilungskrise, noch keine Liquiditätskrise. Einige sitzen auf Geld, das andere wollen, und das führt zu sehr deutlichen Ungleichgewichten."

Zinssatz kurzfristig auf 4,7 Prozent gestiegen

Die Furcht der Banken vor Turbulenzen wegen der US-Hypothekenkrise hatte zum Abzug von Geld aus dem Kreislauf geführt und den Zinssatz für Tagesgeld kurzfristig bis auf 4,70 Prozent nach oben getrieben. Nach der Geldspritze der EZB nannten Händler am Nachmittag dann Tagesgeldsätze zwischen 4,20 und 4,35 Prozent.

Der Auslöser für die jüngsten Turbulenzen kam aus Frankreich: Am Morgen hatte die französische Großbank BNP Paribas in Folge der US-Hypothekenkrise die Berechnung des Werts von drei Fonds über 1,6 Milliarden Euro ausgesetzt und diese damit faktisch eingefroren. Auch die deutsche Privatbank Sal. Oppenheim sah sich gezwungen, einen Fonds mit einem Volumen von 750 Millionen Euro vorerst zu schließen.

In ganz Europa gaben die Finanzwerte an den Aktienbörsen nach. Die Indizes in Frankfurt, Paris, Zürich, London und vielen kleineren Börsen drückte dies tief ins Minus, der Dax Chart zeigen gab bis zum Mittag zwei Prozent nach.

Heftige Reaktionen auch in den USA

Am Rentenmarkt stiegen die Kurse dagegen recht kräftig. Staatspapiere gelten in turbulenten Zeiten als sicherer Hafen, weil sie zwar niedrigere, dafür aber sichere Renditen abwerfen. Der für den europäischen Rentenmarkt richtungweisende Bund-Future zog in der Spitze um knapp 40 Zähler an.

In den USA reagierte der Geldmarkt ebenfalls heftig auf die angespannte Liquiditätssituation. Der Tagesgeldsatz für Dollar-Geschäfte sprang auf bis zu 5,80 Prozent. "Es wird jeder vorsichtig, was die Liquiditätslage betrifft, falls es zu Unzulänglichkeiten in den einzelnen Märkten kommt", sagte ein Händler der Deutschen Bank Chart zeigen.

Die EZB reagierte mit ihrem Statement nach Einschätzung Dresdner-Kleinwort-Analyst Rainer Guntermann vor allem, um die Märkte zu beruhigen. "Es geht sicher nicht in erster Linie um eine Zinssenkung, sondern um eine großzügigere Ausstattung der Geldzuteilung bei den Tendern." Es sei allerdings unklar, ob dies die Situation beruhigen könnte.

Deutsche Finanzwerte unter Druck

Anleger in Deutschland machten einen großen Bogen um Bankaktien. Die Titel der Hypo Real Estate Chart zeigen und der Deutschen Bank Chart zeigen verloren 3,3 und 2,3 Prozent. Die Papiere der IKB Chart zeigen rutschten im MDax um knapp vier Prozent.

Zu den größten Verlierern im Dax zählten die Aktien der Commerzbank Chart zeigen mit einem Abschlag von vier Prozent - trotz eines Gewinnsprungs, den das Geldhaus für das zweite Quartal meldete.

Mehrere Börsianer hatten Marktgerüchte zitiert, auch die WestLB sei von der Krise am US-Markt für schwach besicherte Darlehen betroffen. Die Düsseldorfer Bank erklärte, sie sei zwar im US-Hypothekenmarkt engagiert: "Die Situation der WestLB lässt sich in keiner Weise mit der der IKB vergleichen", betonte ein Sprecher der Bank. Das Engagement der WestLB und ihrer US-Töchter im US-Immobilienmarkt halte sich in engen Grenzen.

mik/Reuters

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