IAB-Studie 1,3 Millionen Arbeitnehmer beziehen zusätzlich Hartz IV

Wenn der Lohn zum Leben nicht reicht: 1,33 Millionen Menschen in Deutschland müssen ihr Gehalt mit Hartz-IV-Mitteln aufstocken - das sind über eine halbe Million mehr als noch vor zwei Jahren. Das zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarktforschung.


Hamburg – Besonders betroffen sind Beschäftigte in Zeitarbeitsfirmen – sie müssen überdurchschnittlich oft Hartz IV beantragen, weil ihr Lohn zum Leben nicht ausreicht. Das ergab eine neue Studie des zur Bundesagentur für Arbeit gehörenden Instituts für Arbeitsmarktforschung, über die die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) berichtet. Insgesamt müssen in Deutschland inzwischen 1,33 Millionen Menschen ihr Gehalt aufstocken lassen, darunter waren im Januar 2007 453.000 Menschen, die einen sozialversicherungspflichtigen Vollzeitjob haben.

Suppenküche der Magdeburger Tafel:
DPA

Suppenküche der Magdeburger Tafel:

Vor zwei Jahren betrug die Zahl der "Aufstocker" lediglich 800.000. Trotzdem bedeutet der starke Zuwachs nicht notwendigerweise, dass die Armut in Deutschland wächst, wie IAB-Arbeitsmarktexperte Helmut Rudolph der "SZ" sagte.

Früher bezogen viele von ihnen Wohngeld – seit den Hartz-Reformen kommt das Geld aus dem Hartz-IV-Topf. Inwieweit tatsächlich niedriger werdende Löhne für die in der Studie festgestellte Entwicklung verantwortlich sind, will das IAB noch untersuchen.

Klar ist auf jeden Fall, dass das regionale Gefälle bei den "Aufstockern" größer geworden ist. Auch das allerdings ist nicht unbedingt ein Zeichen für ein regional stärkeres Auseinandergehen der Löhne. "Es kann gut sein, dass jemand auf dem flachen Land mit 7,50 Euro Stundenlohn leben kann, während jemand in München damit nicht auskommt und auf zusätzliche Leistungen angewiesen ist", sagt Rudolph.

ase



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