Ifo-Index Stimmung in der deutschen Wirtschaft schlechter als erwartet

Trübe Aussichten für deutsche Unternehmer: Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im September stärker gefallen als angenommen. Der wichtige Konjunkturindikator sinkt schon zum vierten Mal in Folge. Das Erlahmen der Konjunktur wirkt sich auch schon auf den Jobmarkt aus.


München - Der Geschäftsklimaindex sank von 94,8 Punkten im August auf 92,9 Punkte, wie das Ifo-Institut am Mittwoch in München mitteilte. Experten waren durchschnittlich von 94,0 Punkten ausgegangen. "Die Unternehmen sind mit ihrer derzeitigen Geschäftslage sehr viel unzufriedener als im Vormonat", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Der Geschäftsklimaindex setze seinen Abwärtstrend "mit Riesenschritten fort".

Deutsches Einkaufszentrum: Anhaltende Konjunkturflaute belastet den Einzelhandel
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Deutsches Einkaufszentrum: Anhaltende Konjunkturflaute belastet den Einzelhandel

Der monatlich unter rund 7000 Unternehmen erhobene Ifo-Geschäftsklimaindex gilt als wichtigstes Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft.

Experten erklären den erneuten Rückgang mit dem Börsenbeben, das die Finanzwelt in der vergangenen Woche erschütterte. "Sinkende Ölpreise, ein festerer Dollar und die Hoffnung auf moderatere Leitzinssätze bilden ein Umfeld, in dem eigentlich allmählich mit einer Umkehr in den Geschäftserwartungen zu rechnen wäre", heißt es bei der Landesbank Berlin (LBB). Auf mehr als eine gedrosselte Abwärtsbewegung werde man folglich nicht hoffen dürfen.

Vor allem im Einzelhandel bleibe die Situation schwierig. Auch die auf den Export fokussierten Unternehmen hätten mittlerweile deutlich geringere Chancen, ihre Produkte abzusetzen, sagte ein Ifo-Sprecher.

Die Aussichten für die kommenden sechs Monate schätzten die befragten Manager noch etwas pessimistischer ein als im Vormonat. Der entsprechende Teilindex sank von 87,0 Zählern auf 86,5 Punkte. Der Index für die Lage fiel auf 99,8 Punkte von 103,2 Zählern.

Erste Auswirkungen auf die Arbeitslosigkeit?

Auch auf die Arbeitslosigkeit scheint die erlahmende Konjunktur bereits Auswirkungen zu zeigen: Nach Berechnungen von Experten fiel der monatsbezogene Rückgang deutlich schwächer aus als im Schnitt der vergangenen drei Jahre.

Demnach waren im zu Ende gehenden Monat rund 3,08 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit. Das wären rund 115.000 weniger als im August und rund 463.000 weniger als vor einem Jahr, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Die Banken-Volkswirte sehen in dem gebremsten Herbstaufschwung erste Auswirkungen der sich abschwächenden Konjunktur auf den Arbeitsmarkt. "Es machen sich erste Bremsspuren der Konjunktur bemerkbar. Das wird im Laufe des nächsten Quartals noch deutlicher werden", prognostizierte Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld. "Es beginnt jetzt ein Auslaufen des Aufschwungs." Den Optimismus der Bundesagentur für Arbeit (BA), die auch für das kommende Jahr mit einem anhaltenden Abbau der Arbeitslosigkeit rechnet, teile er nicht, betonte Tuchtfeld.

Ähnlich sieht das auch sein Kollege von der Münchner HypoVereinsbank, Alexander Koch: "Der September bringt zwar saisonal bedingt noch mal positive Werte. Ich denke aber nicht, dass der Aufschwung am Arbeitsmarkt noch lange anhält", meint er. Er verweist dabei wie auch seine Kollegen auf die seit Monaten sinkenden Auftragseingänge der Industrie und andere Indikatoren. "Bis zum Jahresende dürfte der Aufschwung ausgelaufen sein. Für 2009 rechnen wir mit einem Rückgang der Erwerbstätigenzahlen um durchschnittlich 150.000." Das sei allerdings im Vergleich zu anderen Abschwungphasen ein moderater Rückgang.

Die jüngste Zuspitzung der Finanzkrise hat dagegen nach Einschätzung der Banken-Vertreter auf die Arbeitsmarktlage noch nicht durchgeschlagen. "Das muss sich erst in den kommenden Wochen und Monaten zeigen, wie sich das auswirkt", meint etwa Philipp Jäger von der genossenschaftlichen DZ-Bank. "Aber auf die Stimmung in der Wirtschaft schlägt das sicher durch", schätzt Jäger.

Im August war die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland um 14.000 auf 3.196.000 gesunken. Das waren 510.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote ging um 0,1 Punkte auf 7,6 Prozent zurück. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 8,8 Prozent gelegen. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) gibt ihre aktuellen Zahlen am 30. September bekannt.

Aufgrund der düsteren Aussichten appellierte der Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger an die Europäische Zentralbank, den Leitzins zu senken. Niedrigere Zinsen stimulieren in der Regel das wirtschaftliche Wachstum.

Auf den Dax Chart zeigen hatte der Rückgang des Ifo-Index zunächst keine Auswirkungen. "Hier wartet alles auf die US-Eröffnung", sagte ein Händler. An den Märkten stehe das Tauziehen um das staatliche US-Rettungspaket für die Banken im Fokus. Der Dax notierte nach der Veröffentlichung des Index um 6070 Punkte und lag damit - wie schon kurz zuvor - leicht über dem Vortagesschluss. Auch der Euro und der Bund-Future reagierten kaum auf die Daten. Die Gemeinschaftswährung pendelte um 1,4675 Dollar.

ssu/dpa/ddp/Reuters



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