Ifo-Institut Schluss mit dem Ladenschluss

Die Gutachten waren mit Spannung erwartet worden. Das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung kommt in seiner Studie zu dem Ergebnis, die Ladenschlusszeiten von Montag bis Samstag völlig aufzuheben. Die Sozialforschungsstelle Dortmund wiederum stellte fest, dass die seit 1996 verlängerten Öffnungszeiten den Job-Abbau nicht verhindern konnten. Jetzt ist die Bundesregierung am Zug.


Das Ifo-Institut plädiert für die Abschaffung exakter Ladenschluss-Regelungen
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Das Ifo-Institut plädiert für die Abschaffung exakter Ladenschluss-Regelungen

Berlin - Die Entscheidung über die Sonn- und Feiertagsöffnung sollte auf die kommunalen Gebietskörperschaften im Rahmen der Vorgaben des Grundgesetzes übertragen werden, heißt es in der am Dienstag in Berlin vorgelegten Studie. "Die Studie hat gezeigt, dass es keine ökonomisch stichhaltige Begründung für die Beschränkung der Öffnungszeiten gibt und die Liberalisierung mit positiven Wohlfahrtseffekten verbunden ist." Nur eine weit reichende Aufhebung der gesetzlichen Ladenöffnungszeiten könne sicherstellen, dass sich über den Wettbewerb Öffnungszeiten nach den Wünschen der Verbraucher und nach betriebswirtschaftlichen Kriterien der Einzelhandelsunternehmen herausbildeten. Eine Einschränkung der Öffnungszeiten könne nur mit gesellschaftlichen Wertvorstellungen begründet werden, insbesondere bei der Sonn- und Feiertagsruhe.

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Die Erweiterung der Ladenöffnung bis 20 Uhr von Montag bis Freitag und bis 16 Uhr am Samstag ist laut Ifo von den Verbrauchern gut angenommen worden. "Öffnungsaktive" Geschäfte hätten nennenswerte Umsatzsteigerungen verzeichnen können. Insbesondere jüngere und berufstätige Verbraucher hätten die verlängerten Öffnungszeiten genutzt. 45 Prozent der Verbraucher plädierten für die Abschaffung der gesetzlichen Ladenschlusszeiten von Montag bis Samstag. Für den Sonntag plädierten 46 Prozent für eine zum Teil auf wenige Stunden befristete Öffnung. 44 Prozent seien grundsätzlich gegen eine Sonntagsöffnung. Unter den Einzelhandelsgeschäften befürworteten zumeist größere Unternehmen eine vollständige Liberalisierung. Kleine und mittlere Läden seien dagegen.

Ein ebenfalls vorgelegtes Gutachten der Sozialforschungsstelle (sfs) aus Dortmund kam zu dem Schluss, dass die seit drei Jahren geltenden längeren Ladenöffnungszeiten nicht die erhofften beschäftigungswirksamen Impulse gebracht haben. Der Personalabbau im Einzelhandel sei dadurch nicht aufgehalten worden. Die Zahl der Arbeitsplätze sei seit 1996 um etwa sechs Prozent zurückgegangen. Etwa ein Drittel der Betriebe habe von den neuen Möglichkeiten Gebrauch gemacht, die meisten jedoch keine neuen Stellen geschaffen. Von der Arbeit zu Spätöffnungszeiten seien insgesamt etwa 940.000 Beschäftigte während der Woche und etwa 800.000 an Samstagen betroffen, heißt es in dem Gutachten für das Arbeitsministerium.

Das Bundeswirtschafts- und das Arbeitsministerium erklärten, die vorgelegten Gutachten würden nun sorgfältig ausgewertet und den Ländern, Gewerkschaften und Verbänden unmittelbar zur Verfügung gestellt. Die Frage, ob und wie weit das bestehende Gesetz geändert wird, stehe daher noch nicht zur Debatte. Für die Bundesregierung stehe allerdings fest, dass die Sonn- und Feiertagsruhe nicht angetastet werden dürfe.

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