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IfW-Prognose: Aufschwung am Arbeitsmarkt geht zu Ende

Die Konjunktur in Deutschland schwächt sich merklich ab. Bruttoinlandsprodukt, Konsum, Export: Überall lässt das Wachstum nach. Laut Institut für Weltwirtschaft bekommt das auch der Arbeitsmarkt zu spüren - im kommenden Jahr drohen Entlassungen.

Berlin - Der Aufschwung am Arbeitsmarkt geht zu Ende. Nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) reagieren die Unternehmen auf die schwächere Konjunktur im kommenden Jahr mit Entlassungen.

Fahrzeuge für den Export: Deutlich abgekühlte Weltkonjunktur
DPA

Fahrzeuge für den Export: Deutlich abgekühlte Weltkonjunktur

Während die Zahl der Arbeitslosen in diesem Jahr noch um gut 500.000 auf rund 3,25 Millionen sinken werde, nehme sie 2009 nur noch um knapp 50.000 ab. "Ein Grund dafür ist das Ende der jahrelangen Lohnzurückhaltung", sagte IfW-Experte Alfred Boss. Für Unternehmen werde es dadurch unattraktiver, neue Stellen zu schaffen. Gleichzeitig habe es die Politik versäumt, den Arbeitsmarkt mit weiteren Reformen widerstandsfähiger für konjunkturell schwächere Zeiten zu machen.

Immerhin: In diesem Jahr laufen die Geschäfte noch gut. Wegen des starken ersten Quartals hoben die Forscher ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum 2008 sogar von 1,9 auf 2,1 Prozent an. Das Bruttoinlandsprodukt war von Januar bis März so kräftig gestiegen wie seit fast zwölf Jahren nicht mehr.

"Im weiteren Jahresverlauf wird sich die Konjunktur aber merklich abkühlen, da die Impulse aus dem Ausland nachlassen, die Investitionsdynamik geringer wird und die Verbraucher sich nach dem Schub bei den Energiekosten mit Käufen zurückhalten", teilten die Forscher mit. Für 2009 senkte das IfW seine Prognose von 1,2 auf 1,0 Prozent.

Ein Grund für die Konjunkturabkühlung sei die geringere Binnennachfrage. Laut IfW wird der private Konsum nicht zur erhofften Wachstumsstütze, weil die Kaufkraft der Verbraucher unter den stark steigenden Preisen für Benzin und Lebensmittel leide.

Für dieses Jahr sagen die Forscher mit 2,9 Prozent die höchste Inflationsrate seit 15 Jahren voraus. Sie werde 2009 nur leicht auf 2,6 Prozent zurückgehen. Außerdem dürften die Unternehmen weniger investieren. Das Exportwachstum werde sich 2009 sogar mehr als halbieren.

Laut Bundeswirtschaftsministerium hat die deutsche Industrie im April den fünften Monat in Folge weniger Aufträge erhalten. Mit ein Grund ist das Abkühlen der globalen Konjunktur. Laut IfW wird die Weltwirtschaft langsamer wachsen als bisher. Nach einem durchschnittlichen Plus von 4,8 Prozent in den vergangenen Jahren sei für 2008 nur noch mit 3,9 Prozent zu rechnen. Für das kommende Jahr veranschlagen die Forscher ein globales Wachstum von 3,7 Prozent.

Gute Nachrichten gibt es indes für den Finanzminister. Der IfW-Prognose zufolge wird der Staat in diesem und im nächsten Jahr trotz steigender Ausgaben einen Budgetüberschuss schaffen. Wie im Vorjahr werde der Gesamthaushalt 2008 ein Plus von rund 3,5 Milliarden Euro ausweisen.

IfW-Prognose für Deutschland *
2008 2009
Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2,1 1,0
Privater Konsum 0,7 0,4
Anlageinvestitionen 3,7 -0,3
Export 7,8 3,3
Import 7,1 2,8
Erwerbstätige in Millionen 40,320 40,357
Arbeitslose in Millionen 3,253 3,207
Arbeitslosenquote in Prozent 7,8 7,7
Inflation in Prozent 2,9 2,6
Finanzierungssaldo des Staates in Milliarden Euro 3,6 2,8
Finanzierungssaldo des Staates in Prozent des BIP 0,1 0,1
* falls nicht anders angegeben Veränderung zum Vorjahr in Prozent
Quelle: IfW

wal/Reuters/dpa-AFX/ddp

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