Illegale Müllbeseitigung Unruhe bei Entsorgern

Die Ermittlungen in Sachsen-Anhalt wegen illegaler Müllbeseitigung in Tongruben sorgen für Unruhe in der deutschen Entsorgungsbranche.


Die Staatsanwaltschaft Stendal geht seit wenigen Wochen dem Verdacht nach, ob ein Tochterunternehmen von Veolia, einem der größten europäischen Entsorgungskonzerne, in einer Tongrube im Jerichower Land tonnenweise Müll rechtswidrig abgekippt hat. Den Ermittlern liegt umfangreiches Material vor, das Transporte zwischen der Veolia- Tochter HRH Recycling und der Tongrube Vehlitz belegen sollen – darunter auch Fotos, die das Abkippen von geschreddertem Haus- und Gewerbemüll dokumentieren.

Das Bild- und Aktenmaterial stammt offenbar von einer Wirtschaftsdetektei, das im Auftrag eines Entsorgers recherchiert hat. Die Detektive beobachteten, dass bis zu 80 Lastwagen am Tag die Tongrube Vehlitz anfuhren, darunter auch Transporteure des Potsdamer Entsorgers Meab.

Sowohl Veolia als auch die Meab weisen den Vorwurf, in illegale Müllgeschäfte verwickelt zu sein, entschieden zurück. Ein Meab- Sprecher bestätigt lediglich Geschäftsbeziehungen zu HRH, an die Tongrube Vehlitz hätte die Meab aber nie geliefert. HRH-Konzernmutter Veolia kündigte eigene Untersuchungen an, geht aber von ordnungsgemäßer Entsorgung aus. Die Tongrube Vehlitz gehört einem Baustoff-Unternehmen, das neben Veolia an dem Recycling-Unternehmen HRH beteiligt ist.

In der vorigen Woche untersuchte das zuständige Landesbergamt die Grube und wurde fündig. Die entnommenen Proben enthielten geschredderten Hausmüll, darunter Reste von Feuerzeugen und Verpackungen von Einweg-Kontaktlinisen. Außerdem empfanden die Prüfer einen fauligen Geruch, wie er sonst nur auf Mülldeponien auftritt.



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