Illegaler Handel Callcenter-Mitarbeiter bot 30.000 Datensätze zum Kauf an

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat einen neuen spektakulären Fall von Datenhandel verhindert: Ein Callcenter-Mitarbeiter bot im Internet Tausende Adressen, Telefonnummern und Bankverbindungen an - und verlangte nur einen Spottpreis dafür. Am Ende fiel der Mann auf eine simple Falle herein.


Hagen - Beim Treffen in der Kneipe war Schluss: Die Polizei wartete schon auf den 28-jährigen Callcenter-Mitarbeiter aus Hagen. Eigentlich wollte sich der Mann mit einem Kunden treffen, dem er über das Internet rund 30.000 Adressen, Telefonnummern und Bankverbindungen von Bürgern zum Verkauf angeboten hatte. Der Datensatz sollte 2000 bis 3000 Euro kosten.

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Doch der Interessent war kein Kunde, sondern ein Journalist des Westdeutschen Rundfunks (WDR), der nur zum Schein auf den Datenhandel eingegangen war. Der Kölner war bei einer Internet-Recherche zum Thema Datenhandel auf das Verkaufsangebot des Mannes gestoßen und hatte die Polizei eingeschaltet.

Der Mann hat die Daten aus dem Callcenter offenbar per E-Mail auf seinen privaten Computer überspielt und auf mehrere DVDs gebrannt. Laut Polizei ist noch unklar, ob der Beschuldigte bereits vor dem geplatzten Deal illegal Daten in Umlauf gebracht hat. Der Mann habe dies in einer ersten Vernehmung bestritten, sagte eine Sprecherin.

Computer und CDs, die die Ermittler bei der Wohnungsdurchsuchung des 28-Jährigen sicherstellten, würden derzeit noch untersucht. Ein ebenfalls befragter Verwandter des Callcenter-Mitarbeiters sei in die Geschäfte nicht eingeweiht gewesen. Beide Männer sind der Polizei zufolge wieder auf freiem Fuß.

In den vergangenen Wochen haben immer neue Fälle von Datenhandel Schlagzeilen gemacht. Verbraucherschützer konnten nachweisen, wie leicht es ist, an persönliche Daten zu kommen. Innerhalb von 44 Stunden gelang es ihnen, über einen Mittelsmann sechs Millionen Datensätze für 850 Euro zu kaufen.

Darunter waren laut dem Bundesverband der Verbraucherzentralen auch vier Millionen Kontoverbindungen. Um den Datenschutz in Zukunft zu verbessern, hat Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Donnerstag zu einem Datengipfel in Berlin geladen.

cvk/AP/ddp

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