Illegaler Handel: Die Rückkehr der Blutdiamanten
Der illegale Diamantenhandel erlebt eine Renaissance: Das Kimberly-Abkommen, das die Finanzierung von Krieg und Terror durch Rohdiamanten stoppen soll, hat nach Ansicht seines Erfinders Ian Smillie versagt. Beobachter berichten bereits von einer Zunahme beim Schmuggel der Steine.
Hamburg - Ian Smillie hat in Afrika viele Leben gerettet. Er gilt als Architekt des Kimberley-Abkommens, einer Vereinbarung, die 2003 zwischen mehreren Staaten geschlossen wurde, um den Verkauf sogenannter Blutdiamanten zu stoppen. Damit gemeint sind Rohdiamanten, die in reiche Länder geschmuggelt wurden und die Krieg und Terror unter anderem in Liberia, Angola oder Sierra Leone mitfinanziert haben.
Kimberly-Gründer Smillie: Diamanten "wieder in Blut getränkt"
Smillie wurde für sein System als Held gefeiert - zu früh offenbar. Laut einem Bericht des "Independent" hält er sein eigenes Projekt nur noch für ein leeres Label, für eine Absolution des Luxuskonsums.
Das Sicherheitsnetz gegen Schattenglobalisierung und Kriegstreiberei sei zerfetzt, grollt Smillie. Es gebe grobe Regelverstöße. Regierungen und die Juwelenproduzenten gingen dagegen nicht vor. Das System stehe praktisch vor dem Kollaps. Die Diamanten seien "wieder in Blut getränkt".
Smillies Abkehr von seinem eigenen Projekt ist ein schwerer Rückschlag für die globale Diamantenindustrie. Vor dem Kimberley-Abkommen litt die Branche unter ihrem schlechten Ruf.
"Juwelen der Juntas", "funkelnde Treibsätze": Für die Diamanten, die Kriege finanzieren, gab es viele Namen. Peter Hain, Londons ehemaliger Staatsminister für afrikanische Angelegenheiten, sagte einmal, man könne sich nicht sicher sein, dass der Diamant, mit dem man etwa seine Frau beglücke, nicht dazu beigetragen habe, dass "einem Kind die Hand abgeschlagen wurde".
Vor Smillies Kimberley-Prozess gelangten Diamanten, die in Paris, New York oder Rom in den Auslagen funkelten, oft auf einer Blutspur zum Juwelier. In Sierra Leone etwa verkaufte die Rebellenbewegung Revolutionary United Front die Steine über das Nachbarland Liberia, dieses besorgte im Gegenzug Waffen aus Europa.
Blutdiamanten finanzierten auch die Kriege in Angola und im Kongo. Truppen aus Ruanda und Uganda, die auf Seiten der dortigen Rebellen kämpften, plünderten die Vorkommen im Ostteil des Landes. Und die Regierung in Kinshasa erteilte den Präsidenten von Simbabwe und Namibia zwischenzeitlich Schürfrechte für kongolesische Diamantenminen - als Vergütung für deren massive Militärhilfe.
Glaubt man Smillie, droht nun bald ein neuer, diamantenfinanzierter Gewaltschub. Auch nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen nimmt der illegale Diamantenhandel schon wieder alarmierend zu.
100 Prozent der venezolanischen Diamanten stammen etwa laut der Organisation Global Witness aus dem Schmuggel. Guinea meldet ganz offiziell, die Diamantenproduktion habe im Vergleich zum Vorjahr um 500 Prozent zugenommen. Und der Libanon exportiert mehr Rohdiamanten, als er importiert, obwohl das Land offiziell keine eigenen Vorkommen besitzt.
Smillie schimpft, im Kimberley-Prozess würden solche Unregelmäßigkeiten stets als Letztes bemerkt. Tatsächlich wurde eine Zusammenkunft von Mitgliedern des Abkommens Mitte der Woche von besorgniserregenden Ereignissen überschattet: Berichten zufolge haben simbabwische Soldaten in Diamantenminen Hunderte Arbeiter massakriert. Die Erlöse aus dem Verkauf der Steine sollen seitdem der Militarisierung des Landes dienen und damit den Diktator Robert Mugabe stützen.
Das Massaker im Marange-Areal fand Berichten zufolge bereits Ende 2008 statt. Bei dem Kimberley-Treffen in Namibia wurde am Donnerstag darüber diskutiert. Ein Sprecher Mugabes bestritt, dass die Armee in den Minen Menschen getötet habe. Die Diamantenindustrie stritt vor allem um Definitionen. Sie argumentiert, man könne die simbabwischen Steine nicht als Blutdiamanten bezeichnen. Schließlich finanzierten sie eine Regierung und keine Rebellenarmee.
In der nächsten Woche wollen die Kimberley-Teilnehmer Inspekteure in die Region schicken, aber kaum jemand rechnet damit, dass sie tatsächlich Zugang zum benannten Tatort bekommen. Simbabwe indes darf vorerst weiter Mitglied im Kimberley-Prozess bleiben.
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- Ian Smillie: Armed Conflict and the Trade in Rough Diamonds
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