Im Sog der Wall Street Tokios Börse stürzt ab, Australien senkt Leitzinsen

Die dramatische Talfahrt an den Börsen geht weiter: Nach den spektakulären Kursstürzen an der Wall Street rutscht auch der Aktienmarkt in Tokio tief ins Minus. Der Nikkei-Index stürzte zeitweise unter die wichtige 10.000-Punkte-Marke - erstmals seit fünf Jahren.


Tokio/New York - Die Turbulenzen an den Aktienmärkten setzen sich auch am Dienstag fort. In Asien und Australien knickten die Kurse weiter ein. Der 225 führende Werte umfassende Nikkei Chart zeigen fiel gleich zum Handelsauftakt in Tokio erstmals seit rund fünf Jahren unter die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten. Der Index sank um mehr als fünf Prozent auf 9916 Zähler, den niedrigsten Stand seit Dezember 2003.

Minus, minus, minus: Ein Geschäftsmann schaut auf die Kurse in Tokio
REUTERS

Minus, minus, minus: Ein Geschäftsmann schaut auf die Kurse in Tokio

Wenig später grenzten Schnäppchenjäger die Verluste jedoch wieder etwas ein. Am Ende des Vormittagshandels um elf Uhr Ortszeit notierte der Nikkei bei 10.148 Punkten. Das war immer noch ein Minus von 3,10 Prozent. Auch die Aktienindizes in Südkorea, Australien und Neuseeland waren im roten Bereich. In Hongkong wurde wegen eines Feiertags nicht gehandelt.

Der breiter gefasste Topix-Index verlor in Tokio 2,7 Prozent und sank auf 972 Zähler. Besonders deutlich gaben angesichts eines nach wie vor starken Yen Exportwerte nach. Canon-Aktien Chart zeigenverloren 4,6 Prozent. Der Markt sei nicht unbedingt durch Vernunft gekennzeichnet, sagte Koichi Ogawa, Händler bei Daiwa Asset Management. "Es gibt viele Leute, die haben aber vielleicht keine andere Wahl als zu verkaufen."

Sorgen über einen Abschwung der Weltwirtschaft hatten am Montag die Börsen weltweit auf Talfahrt gehen lassen. An der Wall Street herrschte bisweilen panikartige Stimmung. Zeitweise brach der Leitindex Dow Jones Chart zeigen um 800 Punkte ein und schloss mit minus 3,58 Prozent auf 9955,50 Zähler auf dem tiefsten Stand seit vier Jahren. Damit erholte er sich in der vergangenen Handelsstunde von seiner spektakulären Talfahrt. In Asien und Europa waren die Börsen bereits am Montag in den Keller gegangen. Auch in Lateinamerika machte sich an den Aktienmärkten Panikstimmung breit.

Die japanische Zentralbank griff angesichts der Finanzkrise erneut ein, um für Stabilität zu sorgen. Am 15. Handelstag in Folge pumpte die Bank of Japan (BoJ) erneut eine Billion Yen (7,1 Milliarden Euro) in den Geldmarkt. Die Notenbank ließ ihren Leitzins wie erwartet bei 0,5 Prozent. Auch der Lombard-Satz bleibe unverändert bei 0,75 Prozent, teilte die Bank von Japan am Dienstag mit.

Die Konjunkturaussichten in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt beurteilte die BOJ weiter skeptisch. Die Wirtschaftsentwicklung sei weiter flau und der Ausblick sehr unsicher, erklärten die Notenbanker. Schrittweise sei aber mit einer Rückkehr zu moderatem Wachstum zu rechnen. Mit der Entscheidung der japanischen Notenbank, die Leitzinsen konstant zu halten, hatten Experten trotz der Zuspitzung der globalen Finanzkrise gerechnet.

Die australische Zentralbank senkte dagegen als Reaktion auf die Finanzkrise den Leitzins am Dienstag um einen Prozentpunkt auf sechs Prozent. Die überraschend deutliche Herabsetzung ist die höchste in Australien seit Mai 1992. Sie folgt auf eine Senkung um einen Viertel-Prozentpunkt im September, die die erste Reduzierung des Leitzinses in fast sieben Jahren war. Analysten hatten diesmal eine Senkung um einen halben Prozentpunkt erwartet. Die Kurse an der australischen Börse legten nach der Entscheidung deutlich zu. Auch die Aktienmärkte in Südkorea und Singapur bekamen Auftrieb.

phw/dpa/Reuters/AP



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