Immense Einkommen Indianerhäuptlinge kassieren ab

In vielen Reservaten herrscht Armut, doch die Häuptlinge kassieren ab: In Kanada verdienen Dutzende indianische Politiker mehr als der Premierminister. Selbst der Stammesrat einer 300-Seelen-Gemeinde verdient Hunderttausende Dollar. Die Bevölkerung ist empört.

Kanadische Cree-Indianer (Archiv): Extreme Verdienste der Häuptlinge
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Kanadische Cree-Indianer (Archiv): Extreme Verdienste der Häuptlinge


Hamburg - Das Indianerreservat Glooscap in der kanadischen Provinz Nova Scotia ist winzig: 304 Menschen sind dort gemeldet, nur 87 leben tatsächlich in dem kleinen Ort. Dennoch hat das Reservat nun internationale Aufmerksamkeit bekommen. Denn in Glooscap residieren nach Berichten der "Süddeutschen Zeitung" und der kanadischen "The Globe and the Mail" einige der bestbezahlten indianischen Politiker Kanadas.

Häuptling Shirley Clarke kassierte für ihre Dienste jährlich 243.000 kanadische Dollar (etwa 184.000 Euro). Ihr Vetter Mike Halliday bezog als Mitglied des Stammesrates ebenfalls über 210.000 Dollar - und verdiente zusätzlich mehr als 700.000 Dollar mit Bauaufträgen, die ihm vom Stammesrat zugeschanzt wurden.

Aufgedeckt wurden die enormen Verdienste durch den kanadischen Bund der Steuerzahler, der eine Liste mit geschwärzten Namen veröffentlichte. Es dauerte allerdings nicht lang, bis sich die Riesensummen dem winzigen Reservat zuordnen ließen. "Für die Leitung eines Reservats mit rund 300 Menschen ist das extrem großzügig", sagt Kevin Gaudet, Sprecher des Steuerzahlerbundes.

Bereits Anfang Dezember bestätigte Häuptling Clarke, dass sie und ihre Ratsmitglieder zu den indianischen Politikern gehören, deren Einkünfte auf der Liste anonym veröffentlicht wurden. Sie kündigte zwar mehr Transparenz an, verteidigte ihr Gehalt aber als angemessen.

Die Einwohner von Glooscap empören sich über diese Verhältnisse. "Was hätte man mit dem Geld nicht alles für unsere Gemeinde tun können", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" Brian Smith vom Stamm der Mi'kmaq. Es gebe in Glooscap Menschen, die nicht einmal eine richtige Unterkunft hätten. Die Mitglieder des Stammesrates hätten sich dagegen einen Swimmingpool geleistet und für ihre Familien Häuser bauen lassen. "Es gibt keine Transparenz oder Rechenschaftspflicht in unserer Gemeinde", klagt Smith.

Anscheinend ist Glooscap kein Einzelfall: Laut dem Bund der Steuerzahler kassierten über 80 Häuptlinge und Stammesräte mehr als der kanadische Premierminister Stephen Harper. Der kommt nach Steuern auf einen Verdienst von 184.000 kanadischen Dollar.

Die kanadische Regierung unterstützt die Reservate dem SZ-Bericht zufolge jährlich mit 5,2 Milliarden Euro, um die dort grassierende Armut zu bekämpfen. Kanadische Indianer, die in Reservaten leben, müssen zudem keine Einkommensteuer bezahlen.

hut



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