Immobilienaffäre Wirtschaftsstaatsanwalt ermittelt gegen Middelhoff

Der Druck auf Ex-Arcandor-Chef Middelhoff wird stärker: Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen hat die Generalstaatsanwaltschaft Hamm den Fall an die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bochum übertragen. Der Vorwurf lautet auf Untreue.

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Hamburg - Sollte der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff gehofft haben, dass das laufende Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen des Verdachts der Untreue zügig eingestellt wird, so hat sich diese Hoffnung nunmehr zerschlagen.

Ex-Arcandor-Chef Middelhoff: Verdacht auf Untreue
dpa

Ex-Arcandor-Chef Middelhoff: Verdacht auf Untreue

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hat der zuständige Generalstaatsanwalt in Hamm, Manfred Proyer, an diesem Mittwoch verfügt, dass der Fall Middelhoff an die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bochum übertragen wird. Die Staatsanwaltschaft Bochum bestätigte den Vorgang. Bisher lag das Verfahren gegen den Ex-Vorstandsvorsitzenden der Karstadt-Mutter Arcandor Chart zeigen bei der Staatsanwaltschaft Essen. Den Schritt begründete die Generalstaatsanwaltschaft mit dem absehbar großen Umfang des Verfahrens.

Middelhoffs Anwalt Sven Thomas kritisierte den Schritt der Strafverfolger und beklagte eine offensichtliche politische Einflussnahme. "Seit Beginn dieser Angelegenheit ist dieser Druck deutlich geworden." Es gebe weder sachliche Gründe noch neue Erkenntnisse.

Middelhoff, bis Ende Februar Vorstandschef bei Arcandor, steht unter Verdacht, seinen privaten Vermögensverwalter, den Troisdorfer Projektentwickler Josef Esch, auf Kosten des Unternehmens begünstigt zu haben. Dabei steht der Vorwurf im Raum, dass Middelhoff einen möglichen Millionen-Anspruch nicht eingeklagt hat, den der Konzern aus Immobiliengeschäften gegen Esch hätte geltend machen können.

Middelhoff hat die Vorwürfe stets bestritten. Er habe sich nichts vorzuwerfen, sagte er im Juni der "Bild am Sonntag".

Gleichzeitig bestätigte der Manager damals, dass er und seine Frau Anteile an einem Immobilienfonds erworben hätten, der Mieten von Karstadt-Filialen bekommt. Von den etwa 200 Karstadt-Häusern seien 2000/2001 fünf Filialen an den Immobilienentwickler Esch verkauft worden. "Der hat die Häuser in geschlossene Immobilienfonds gepackt und Anteile daran seinen Investoren angeboten, unter anderem meiner Frau und mir. Wir haben einen niedrigen einstelligen Prozentsatz an diesen Fonds gezeichnet."

"Vertrauen in die Gerichte dieses Landes"

Mit seiner Tätigkeit für Karstadt habe dies aber nichts zu tun, betonte Middelhoff. Alle in Rede stehenden Verträge seien schon Jahre vor seinem Eintritt in das Unternehmen abgeschlossen worden. Dem Aufsichtsrat habe er vor seiner Wahl 2004 sofort die Beteiligung an den Fonds mitgeteilt und dies 2005 auch auf der Hauptversammlung den Aktionären erläutert.

Die Essener Staatsanwaltschaft sah das anders. Sie eröffnete nach einem Schreiben von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) an ihre Düsseldorfer Kollegin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue-Verdachts. Dabei ging es um Hinweise, Middelhoff und seine Frau profitierten von den außergewöhnlich hohen Mieten, welche die Arcandor-Tochter Karstadt an den Esch-Fonds zahlen muss.

Zugleich wurde der Vorwurf laut, Middelhoff habe es als Arcandor-Chef versäumt, 75 Millionen Euro von seinem privaten Vermögensverwalter Esch einzutreiben, die dieser dem Konzern angeblich als Ausgleich für überhöhte Mieten geschuldet habe. Dazu Middelhoff: "Ich habe nach Dienstantritt 2004 sofort eine Prüfung der Verträge mit Esch veranlasst. Das Ergebnis der Gutachten war ernüchternd: Die Verträge mit Esch waren nicht rechtswirksam zustande gekommen. Ja, sie waren noch nicht einmal unterschrieben worden."

Middelhoff fügte im Juni in der "Bild am Sonntag" hinzu, er habe "Vertrauen in die Gerichte dieses Landes". Er könne aber nicht ausschließen, dass eines Tages Polizei und Staatsanwaltschaft vor seiner Haustür stünden.



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