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Immobilienkrise: Notenbank holt Milliarden-Nothilfe aus dem Markt

Die große Krise ist vorerst ausgeblieben: Die Börsen beruhigen sich weltweit wieder. Die japanische Notenbank hat dem Markt sogar wieder Geld entzogen, das sie kürzlich noch als Hilfe zur Verfügung gestellt hatte. Einer Umfrage zufolge verschärfen die US-Banken die Regeln für Immobilienkredite.

Washington - Die Banken in den USA haben in den vergangenen drei Monaten damit begonnen, ihre Bestimmungen für die Vergabe von Immobilienkrediten zu verschärfen. Dies betrifft vor allem die Regeln für Kreditnehmer, deren Zahlungskraft als unsicher eingestuft wird, wie aus einem gestern veröffentlichten Bericht der US-Zentralbank (Fed) hervorgeht. Die Erhebung wirft ein deutliches Schlaglicht auf die Probleme am Immobilienmarkt der USA, der die Finanzmärkte weltweit in Unruhe versetzt hat.

Wachmann vor der Börse in Tokio: Aktienmärkte erholen sich von den Verlusten der vergangenen Tage
DPA

Wachmann vor der Börse in Tokio: Aktienmärkte erholen sich von den Verlusten der vergangenen Tage

Die Studie der Fed ergab, dass von 49 großen Banken lediglich 16 im sogenannten Subprime-Markt tätig sind, wie das Hypothekengeschäft mit potentiellen Risiken genannt wird. Von diesen haben neun in den vergangenen drei Monaten ihre Bestimmungen verschärft. Selbst bei den Kreditnehmern ohne erkennbare Risiken haben zehn Prozent der Banken ihre Bestimmungen für die Vergabe von Hypotheken restriktiver gefasst.

Die Vereinigung der Hypothekenbanken in den USA berichtete kürzlich, dass 15,75 Prozent der Subprime-Kreditnehmer mit ihren Zahlungen seit mindestens 30 Tagen in Verzug seien. Dies bedeutet einen Höchststand. Die Krise bei den Subprime-Hypotheken hat Schockwellen an den internationalen Aktienmärkten ausgelöst. Aus Sorge um mögliche Liquiditätsengpässe der Geschäftsbanken drückten die Notenbanken in den USA, Europa und Japan Milliardenwerte in den Geldmarkt, auf dem sich die Institute kurzfristig mit Bargeld versorgen.

Subprime

Als Subprime werden Schuldner mit niedriger Bonität bezeichnet, arme Menschen, die sich den Kredit, den sie aufnehmen, eigentlich nicht leisten können. Dieser Sektor des Kreditmarktes entwickelte sich seit Anfang Juni 2003 in den USA, nachdem der damalige US-Notenbank-Chef Alan Greenspan den Leitzins auf ein Prozent abgesenkt hatte. Dadurch nahmen plötzlich viele Menschen Kredite für Hypotheken auf - ohne zu bedenken, dass sie diese später, bei höheren Zinsen, wieder zurückzahlen müssten. Derzeit sind weltweit noch Ramschhypotheken im Wert von 1,8 Billionen Dollar im Umlauf.

Nach tagelangen Stützungsaktionen entzog die japanische Notenbank den Märkten allerdings wieder Geld. Wie die Bank of Japan heute in Tokio mitteilte, nimmt sie insgesamt 1,6 Billionen Yen 9,9 Milliarden Euro) aus dem Markt für kurzfristiges Geld, um Überschüsse an Liquidität wieder zu beseitigen. Damit holt die Notenbank genau das Geld wieder zurück, das sie den Geschäftsbanken gestern und am Freitag vorübergehend zu günstigen Bedingungen zur Verfügung gestellt hatte.

Die Sorge, die Krise könnte auf weitere Wirtschaftsbereiche übergreifen, bewahrheitete sich jedoch nicht. Gestern beruhigten sich die meisten Aktienmärkte wieder. Die meisten Weltbörsen erholten sich von den teils schweren Kursverlusten der vergangenen Woche. Während die New Yorker Wall Street gestern noch mit einem minimalen Minus schloss, hatten vor allem europäische Handelsplätze oft klare Kursgewinne erzielen können.

Der New Yorker Leitindex Dow Jones Chart zeigen fiel um 0,02 Prozent auf 13.237 Punkte. In Frankfurt am Main legte der Dax Chart zeigen dagegen 1,78 Prozent zu und schloss bei 7474 Punkten. Der Nikkei Chart zeigen in Japan schloss am Montag bei 0,21 Prozent im Plus mit 16.800 Punkten. Heute gehören an der japanischen Börse Finanztitel zu den Verlierern, Industriekonzerne konnten dagegen die Verluste der vergangenen Tage wieder wettmachen.

kaz/AP/AFP

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