Immobilienkrise Zwangsvollstreckungen in den USA erreichen Rekordhoch

Auch in den USA mehren sich die Signale für eine Konjunkturwende - Hausbesitzer aber bekommen die Krisenfolgen mit Macht zu spüren. Die Zahl der Eigenheim-Pfändungen schnellte nach oben, vor allem frühere Boomstaaten wie Kalifornien und Florida leiden.


New York - Trotz der staatlichen Hilfen für klamme Hausbesitzer nehmen die Kreditausfälle auf dem US-Immobilienmarkt weiter in Rekordgeschwindigkeit zu. Die Zahl der Zwangsvollstreckungen stieg im Juli gegenüber dem Vormonat um sieben Prozent, wie die Immobilienfirma Realtytrack am Donnerstag mitteilte. Gegenüber dem Vorjahr schnellte sie sogar um 32 Prozent in die Höhe. Für mehr als 360.000 Haushalte wurde im Juli ein Antrag auf Zwangsvollstreckung gestellt, das ist der höchste Wert seit Beginn der Datenerhebung des Unternehmens.

Zwangsversteigerung: Rezession verschärft Not der Hausbesitzer
AFP

Zwangsversteigerung: Rezession verschärft Not der Hausbesitzer

"Im Juli erlebten wir zum dritten Mal innerhalb der vergangenen fünf Monate einen neuen Rekord bei den Zwangsvollstreckungen", erklärte ein Unternehmenssprecher. Ungeachtet der anhaltenden Bemühungen der Regierung und der Bundesstaaten um ein Sicherheitsnetz für in Zahlungsnöte geratene Hausbesitzer hätten sowohl die Mahnungen als auch die Pfändungen durch die Banken deutlich zugenommen. Insgesamt seien in den ersten sieben Monaten des Jahres 2,3 Millionen Mahnungen, Versteigerungen und Bankpfändungen registriert worden. Mit fast 60 Prozent aller Zwangsvollstreckungen blieben im Juli die Bundesstaaten besonders betroffen, die Anfang des Jahrzehnts am meisten von dem US-Immobilienboom profitierten: Kalifornien, Florida, Arizona und Nevada.

Die gespannte Lage auf dem US-Immobilienmarkt hatte sich durch die Rezession weiter verschärft. Angesichts wachsender Arbeitslosigkeit und gesunkener Löhne können immer weniger US-Bürger ihre Kredite fristgerecht bedienen. Die Arbeitslosenquote stieg zuletzt auf 9,4 Prozent, und Präsident Barack Obama erwartet eine weitere Zunahme auf zehn Prozent.

Den ernüchternden Zahlen zum Trotz beurteilt der Offenmarktausschuss (FOMC) der US-Notenbank die Entwicklung der Konjunktur deutlich optimistischer als bisher, nachdem jüngst zahlreiche Wirtschaftsindikatoren positiv überrascht hatten und der Rückgang der US-Wirtschaftsaktivität im zweiten Quartal geringer als erwartet ausgefallen ist. "Die seit der FOMC-Sitzung im Juni eingehenden Informationen deuten darauf hin, dass sich die Wirtschaftsaktivität stabilisiert", hieß es nach der zweitägigen Sitzung des Ausschusses.

Die wirtschaftliche Aktivität wird dem Gremium zufolge noch für einige Zeit schwach bleiben.

Eine Einschätzung, die Mads Koefoed von der dänischen Saxo-Bank teilt. "Es stimmt, dass die wichtigsten Zahlen besser ausfallen als im 1. Quartal. Aber bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass sich die Realwirtschaft weiterhin in Schwierigkeiten befindet. "Die Staatsausgaben sind, begleitet von einem leichten Rückgang des Netto-Exports, weiter gestiegen", schreibt der Analyst. Der Konsum der Privathaushalte sei trotz der enormen Staatshilfen extrem schwach und die Privathaushalte müssten nach wie vor gewaltige Schulden abbauen.

"Das US-Bruttoinlandsprodukt wird in der zweiten Jahreshälfte voraussichtlich steigen", fügt der Experte hinzu. Aber dieser Anstieg werde vor allem von den Staatsausgaben sowie der Aufstockung der Lagerbestände der Unternehmen getrieben werden. Eine tatsächliche Erholung der Privatwirtschaft liegt noch in weiter Ferne."

Nach Überzeugung der FOMC ist aber zu erwarten, dass die Maßnahmen zur Stabilisierung der Finanzmärkte und -institute, ebenso wie die Konjunkturprogramme zu einem nachhaltigen Wachstum in einem Umfeld stabiler Preise beitragen werden, hieß es in dem Statement.

Mit Blick auf die Inflation erklärte das FOMC, die Preise von Energie- und anderen Rohstoffen seien jüngst gestiegen. Allerdings werde die beträchtliche wirtschaftliche Schwäche den Kostendruck dämpfen. Die Inflation werde vor diesem Hintergrund für einige Zeit gedämpft bleiben. Der FOMC sagte zu, alle verfügbaren Instrumente einzusetzen, die zur Unterstützung der Konjunkturerholung und der Sicherung von Preisstabilität notwendig seien.

Nach Einschätzung von ING-Ökonom James Knightley weist der Tonfall des Begleittexts darauf hin, dass keine Straffung der Geldpolitik in naher Zukunft bevorsteht. Die Notenbank werde vorerst ihre abwartende Haltung fortsetzen, um zu sehen, ob es zu einer nachhaltigen Erholung kommt. Knightley geht davon aus, dass die Fed ihren Leitzins im dritten Quartal 2010 erhöhen wird.

Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner rechnet für den Frühsommer kommenden Jahres mit einer Zinsanhebung in den USA um 25 Basispunkte. Zuerst werde die Fed ihre Anleihenkaufprogramme abschließen wollen. Zudem werde die Notenbank eine Bestätigung für einen selbsttragenden Aufschwung in den harten Daten sehen wollen. "Dann, und erst dann, wird sie erste Zinsanhebungen ins Auge fassen", sagte Weidensteiner.

mik/Reuters/Dow Jones



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Galaxia, 06.08.2009
1.
Zitat von sysopNeue Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft: Die Industrie konnte im Juni deutlich zulegen - ihre Auftragseingänge stiegen um 4,5 Prozent, weit stärker als von Volkswirten erwartet. Bei all den Meldungen zur Konjunktur - blicken Sie noch durch?
Im Artikel heisst es ja "Gefragt waren demnach vor allem Maschinen und Fahrzeuge." Und bei Fahrzeugen konkret ist hier sicherlich dies auf die Umwelt-Abwrackprämie zurückzuführen. Daher man muss relativieren und durch diese "Prämie" wurde nur etwas aufgeschoben. Sinn solcher Meldungen ist wohl der Gedanke, das einige meinen man kann etwas schön reden. Die Verpackung macht auch was her, nur ändert das nichts daran wenn der Inhalt faul ist. Deutschland kann nur einen nachhaltigen Aufschwung schaffen, wenn es seine Energietechnologie umstellt.
Bettelmönch, 06.08.2009
2.
Zitat von sysopNeue Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft: Die Industrie konnte im Juni deutlich zulegen - ihre Auftragseingänge stiegen um 4,5 Prozent, weit stärker als von Volkswirten erwartet. Bei all den Meldungen zur Konjunktur - blicken Sie noch durch?
Nein, aber das zeigt, daß die Konjunktur komplexer ist als viele Expertenmeinungen suggerieren.
BTW, 06.08.2009
3.
Zitat von sysopNeue Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft: Die Industrie konnte im Juni deutlich zulegen - ihre Auftragseingänge stiegen um 4,5 Prozent, weit stärker als von Volkswirten erwartet. Bei all den Meldungen zur Konjunktur - blicken Sie noch durch?
Drastisch mehr Auftraege ? Ist ja voll krass. "Im Jahresvergleich ... lag das Minus im Juni bei 25,3 Prozent nach minus 29,4 Prozent im Vormonat"
mbberlin, 06.08.2009
4.
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Blickt ihr beim Spiegel nocht durch?
Wolfghar 06.08.2009
5.
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Ich blicke sicher nicht durch, aber ich misstraue auch allen Volkswirten mit Parteibuch und den INSM Gefühlsermittlungsinstituten bei ihrer politischen Stimmungsmache. Was bedeuten 4,5% mehr Aufträge bei einem Einbruch von bis zu 70% teilweise? Ein Aufschwung? Was für eine demagogische Desinformation! Mit Wahrheit und Ehrlichkeit wollen diese Leute sicher nichts zu tun haben. Aber wenn es jetzt wieder neue Aufträge gibt kann man ja endlich die Löhne weiter senken um die Stellen zu halten.
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