Immobilienmarkt: Hausverkauf als Quiz und Lottospiel

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Die Preise für Häuser sind so niedrig wie lange nicht mehr. Wer verkaufen will, muss kreativ sein. Ein Münchner hat ein Quiz entwickelt, um seine Liegenschaft loszuwerden, in Österreich veranstalten Verkäufer Lotterien. Allerdings muss manche rechtliche Hürde dafür übersprungen werden.

Berlin - Volker Stiny wollte nur das Haus seiner Eltern verkaufen. Sein Vater starb 2006, seine 86-jährige Mutter war daraufhin in ein Altersheim gezogen. Stiny konnte es sich nicht leisten, das Haus im Dorf Baldham, am Rande von München, zu behalten.

Villa in Klagenfurt: 9999 Lose zu je 99 Euro
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Villa in Klagenfurt: 9999 Lose zu je 99 Euro

Doch der Mann fand schnell heraus, dass es leichter gesagt ist als getan, in diesen Tagen Wohneigentum zu verkaufen. Trotz regen Interesses an dem 156-Quadratmeter-Haus wurde letztlich kein einziges Gebot abgegeben. Die Finanzkrise hat auch deutsche Banken hart getroffen, deshalb ist es derzeit schwierig, an einen Immobilienkredit zu kommen. Stiny hatte also ein Problem.

Er fand eine Lösung, zu der immer mehr Menschen greifen, die ein Haus verkaufen wollen - sowohl in Europa als auch in den USA: Warum das Gebäude nicht in einer Lotterie an den neuen Eigentümer bringen, wenn sowieso keine Hoffnung besteht, bei einem herkömmlichen Verkauf einen auch nur annähernd akzeptablen Preis zu erzielen? Viele Hausbesitzer in den USA haben die Methode, so einen neuen Eigentümer zu finden, seit Ausbruch der Krise am Immobilienmarkt getestet. In den vergangenen zwei Monaten ist die Hauslotterie auch in Österreich zu einer Art Trend geworden. Stiny ist nun der erste, der diese Verkaufsstrategie in Deutschland anwendet.

"Auf das Interesse, das diese Lotterie hervorrufen würde, war ich wirklich nicht vorbereitet", sagt er SPIEGEL ONLINE. Durch die große Zahl an Interessenten, die sich für die Lotterie registrieren ließen, indem sie eine Summe auf Stinys Konto überwiesen, brach sogar sein Online-Konto zusammen.

Kaufpreiserstattung nach dem Tod der Verkäufer

Es ist derzeit nicht einfach, Immobilien loszuwerden, denn der Marktwert von Häusern fällt und fällt. In einigen Regionen der USA ist der Wert der Immobilien um 35 Prozent gesunken, in Spanien sogar um 36 Prozent innerhalb von nur zwölf Monaten. In Irland warnte kürzlich ein Ökonom der Universität von Dublin davor, die Preise könnten um rund 80 Prozent einbrechen.

Alternative Wege, seine Immobilie zu verkaufen, finden daher großen Zuspruch, Hausverkäufer reagieren mit Kreativität. Vergangenen Herbst offerierte ein Mann dem Käufer seines Hauses seinen Lamborghini als Dreingabe. Marni Yang, Immobilienmakler in Chicago, erzählte der Zeitung "USA Today", ein Paar habe sogar angeboten, der Käufer ihres Hauses würde sogar den vollen Kaufpreis zurückerhalten, nachdem die Verkäufer gestorben seien. Andere Hausverkäufer bieten große Flachbildfernseher oder Geschenkgutscheine als Kaufanreiz an - oder auch, ein paar Tage kostenfrei zur Probe in dem Verkaufsobjekt zu wohnen, um zu erfahren, wie es sich anfühlt.

Haus-Lotterien gelten als besonders erfolgreich. So wurde Walter Egger am Dienstag stolzer Eigentümer einer Villa im Süden Österreichs. Er hatte für 99 Euro ein Los gekauft - die Teilnahmescheine waren bei der Lotterie im Dezember innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Die Verkäuferin Traude Daniel erklärte, ihr Haus in Klagenfurt habe etwa ein halbes Jahr zum Verkauf gestanden, bevor sie sich entschieden habe, es zu verlosen.

Traude Daniel rechnete vor, dass das Haus einen Marktwert von schätzungsweise 830.000 Euro habe - sie entschied sich also, insgesamt 9999 Lose für je 99 Euro zu verkaufen. Was sie über den Marktwert hinaus einnahm, ging für die Verwaltungskosten der Lotterie drauf. Am Ende überwiesen ihr mehr als 18.000 Interessenten jeweils 99 Euro - fast doppelt so viele, wie es Lose gab. Wer zu spät kam, erhielt den Kaufpreis für das Los zurück.

Juristische Hürden bei der Verlosung von Häusern

"Niemand hat vorausgesehen, dass das Interesse so groß sein würde, wir natürlich auch nicht", sagte Traude Daniel dem österreichischen Fernsehen, während live das Gewinnerlos gezogen wurde. "Wir waren alle überwältigt und überrollt von dem Echo, das da herausgekommen ist."

Traude Daniel hat Nachahmer gefunden. Derzeit stehen in Österreich 15 Häuser zum Verkauf - allesamt per Lotterie. Manche Anbieter haben gleich ihr Auto dazugestellt. Findige Österreicher haben eine Internetseite aufgezogen, auf der Leute, die ihre Häuser verlosen wollen, ihre Angebote zeigen können. Wer bei den Betreibern der Seite anruft, bekommt nur den Anrufbeantworter an die Strippe, der darüber informiert, dass wegen Hunderter Anrufer täglich niemand mehr ans Telefon geht.

Noch ist ungewiss, ob das Verlosen von Häusern zu einem üblichen Weg des Immobilienverkaufs wird - zumal rechtliche Fragen unklar sind. Traude Daniel hat sich beim österreichischen Finanzministerium in Wien informiert - ihre Verlosung wurde von der Regierung abgesegnet.

Andere Verkäufer hatten dagegen weniger Glück: Conner Devine aus Nordirland zum Beispiel startete im November die Verlosung seines Hauses nahe Belfast, um rund 700.000 Euro einzunehmen. Obwohl die Lose für nur 100 Pfund das Stück angeboten wurden, hielt sich das Interesse sehr in Grenzen. Vergangene Woche schließlich stieg die Firma aus, die die Lotterie organisierte und die Zahlungen für die Lose entgegennahm. Sie fürchtete juristische Konsequenzen wegen des Vorwurfs, an dunklen finanziellen Machenschaften beteiligt gewesen zu sein.

Quiz statt Lotterie

Auch in Deutschland erschweren Gesetze Verlosungen dieser Art. Aber der Münchner Volker Stiny hat Wege gefunden, die Hürden zu umgehen. Leute, die sich für sein Haus interessieren, müssen für die Teilnahme an einem Quiz 19 Euro bezahlen. Die hundert erfolgreichsten Quizteilnehmer qualifizieren sich für eine Verlosung - mit dem Haus als Hauptpreis, aber auch vielen anderen Preisen. Auf diese Weise, erläutert Stiny, hänge der Erfolg nicht nur alleine vom Glück ab, sondern auch vom Wissen der Teilnehmer.

Dass auch die Fähigkeiten und das Können der Hausinteressenten eine Rolle spiele, mache die ganze Sache legal. "Es hat lange gedauert, einen Anwalt zu finden, der in der Lage war, einen Weg durch die Gesetze und Regeln zu finden", sagt Stiny. "Das könnte auch für andere potentielle Verkäufer in anderen Ländern ein Weg sein, um ihre Immobilien an den Mann zu bringen."

Stiny hofft auf 48.000 Teilnehmer, erst dann würden die Kosten gedeckt: der Wert seines Hauses, die Kosten für die anderen Preise, darunter ein Auto, Verwaltungskosten sowie eine Spende. Lange warten muss Stiny wohl kaum: Bislang haben sich schon 25.000 Teilnehmer für das Quiz angemeldet. Der Münchner ist zuversichtlich und will für den Erfolg arbeiten: In den kommenden Tagen will er drei Fernsehinterviews absolvieren. Zeit zu essen oder zu schlafen, sagt er, habe er derzeit nicht.

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