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Import-Flaute: US-Konsumenten klammern sich an ihr Geld

Die Binnennachfrage in den USA kühlt sich dramatisch ab: In den wichtigsten Häfen sind die Importe im August zurückgegangen. Ökonomen sind schockiert - sie erwarten für die gesamte amerikanische Wirtschaft eine Schwächephase.

Los Angeles - Container voller Spielsachen, Kleider und Möbel: Der Umschlag in den amerikanischen Häfen ist ein wichtiges Indiz für die Binnennachfrage in den USA. Monat für Monat sind die Importe in den vergangenen Jahren gestiegen - ein Ausdruck der amerikanischen Konsumfreude.

Hafen in Los Angeles: Überragende Bedeutung des Konsums für die amerikanische Wirtschaft
AP

Hafen in Los Angeles: Überragende Bedeutung des Konsums für die amerikanische Wirtschaft

Doch jetzt gab es erstmals einen Einbruch: Im August sind die Einfuhren über die Häfen um 1,4 Prozent gesunken. Das berichtet die "Los Angeles Times" unter Berufung auf Zahlen der größten US-Häfen. "Ein deutliches Zeichen für das Abkühlen der Konjunktur", kommentiert die Zeitung.

In der amerikanischen Wirtschaft hat der Konsum eine überragende Bedeutung. Rund 70 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung entfallen auf die Verbraucher - deutlich mehr als beispielsweise in Deutschland, wo der Staat eine größere Rolle spielt. Entsprechend schockiert reagieren Beobachter auf die Importzahlen.

"Als ich die Zahlen das erste Mal sah, habe ich die Autoren der Studie angerufen und gefragt, ob sie eine Spalte vergessen haben", sagt Craig Shearman, der Vizepräsident des amerikanischen Einzelhandelsverbands, laut "LA Times". Die Antwort war ernüchternd: Die Zahlen stimmen.

Betroffen sind so verschiedene Güter wie Spielsachen oder Dachziegel. Der Importrückgang "spiegelt die von der Verbrauchernachfrage verursachte Schwäche der US-Wirtschaft wider", sagt Paul Bingham, Ökonom am Institut Global Insight, das die Frachtzahlen großer amerikanischer Einzelhändler zusammenträgt.

"Wer im Häusermarkt tätig ist, hat verloren"

Bei den zehn größten Containerhäfen ist es der erste Importrückgang seit dem Jahr 2005, als Global Insight mit seinen monatlichen Hafenberichten begann. Beobachter erwarten nun das Schlimmste für den Im- und Exportbericht des Handelsministeriums, der am Donnerstag vorgestellt werden soll. Im Juli waren die Ein- und Ausfuhren noch gestiegen, nun wird für August mit einem landesweiten Minus gerechnet.

In den Häfen selbst ist die Stimmung mies. "Es sieht nicht so aus, als ob es in diesem Jahr ein reales Wachstum geben wird", sagt Don Snyder, der Handelsdirektor am Hafen von Long Beach. Detaillierte Importzahlen des Hafens liegen nur aus dem zweiten Quartal vor, doch die verheißen nichts Gutes: Baumaterialien minus 20 Prozent, Möbel minus 17 Prozent, Kleider minus zehn Prozent.

Diese Entwicklung zeigt sich auch bei den Firmen im Hinterland. So hat das Bauunternehmen Bedrosian Tile & Stone seine Aufträge laut "LA Times" um 15 Prozent zurückgefahren. Der Grund ist die Krise der Bauwirtschaft nach der Hypothekenkrise. "Wer im Häusermarkt tätig ist, hat verloren", sagt Unternehmenschef Gary Bedrosian.

Immerhin: Den deutschen Exporten macht die sinkende Kauflust der Amerikaner vorerst nichts aus - im August sind die Ausfuhren aus der Bundesrepublik kräftig gestiegen. Die hiesigen Unternehmen verkauften Waren im Wert von 77,7 Milliarden Euro ins Ausland und damit 12,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Dass sich der schwache Konsum in den USA nicht direkt auf die deutschen Unternehmen auswirkt, hat einen einfachen Grund: Die Exporte aus der Bundesrepublik bestehen zu einem großen Teil aus Investitionsgütern wie zum Beispiel Maschinen. Langfristig dürfte eine schwache US-Konjunktur aber auch die deutsche Wirtschaft treffen - nämlich dann, wenn nach dem Konsum auch die Investitionsgüternachfrage zurückgeht.

wal/Reuters

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