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Indirekter Staatseinstieg: Post soll Großaktionär bei Deutscher Bank werden

Überraschende Wendung bei der Deutschen Bank: Die Post steigt im Rahmen des Postbank-Deals mit zehn Prozent beim führenden Geldinstitut der Republik ein. Das berichten mehrere Zeitungen - der Staat wäre damit künftig indirekt an Ackermanns Finanzkonzern beteiligt.

Frankfurt am Main - Die Post steht vor einem Einstieg bei der Deutschen Bank Chart zeigen. Darauf laufen die Diskussionen derzeit zwischen beiden Unternehmen wohl hinaus, berichten "Financial Times Deutschland", "Handelsblatt", "Süddeutsche Zeitung" und die Nachrichtenagentur Reuters mit Verweis auf Insider. Der Deal diene zur Absicherung des Postbank-Verkaufs von der Post an die Deutsche Bank.

Postbank Finanzcenter: "Aus strategischer Sicht macht das keinen Sinn"
DDP

Postbank Finanzcenter: "Aus strategischer Sicht macht das keinen Sinn"

Die Deutsche Bank bezahlt demnach die Übernahme der Postbank Chart zeigen zu einem größeren Anteil mit eigenen Aktien als bisher geplant - so dass die Post als bisheriger Postbank-Eigentümer schon im ersten Quartal einen Anteil von knapp zehn Prozent an der Deutschen Bank bekäme. Sie würde dadurch deren größter Aktionär. Zugleich handelt es sich um einen indirekten Staatseinstieg bei der Deutschen Bank, dem führenden Geldinstitut der Bundesrepublik - denn größter Einzelaktionär der Postbank ist immer noch die bundeseigene KfW-Bankengruppe.

Die Aktie der Deutschen Post Chart zeigen lag wegen der Berichte zum Börsenschluss mit sechs Prozent im Minus. Offiziell gab es noch keine Bestätigung.

Wenn die Berichte zutreffen, wird die Deutsche Bank die Übernahme der Postbank zu einem deutlich größeren Anteil mit eigenen Aktien als bisher geplant bezahlen. Am vereinbarten Transaktionsvolumen ändere sich aber nichts. Anlageexperten halten die Vereinbarung, so sie denn kommt, für falsch: "Aus strategischer Sicht macht das für die Post keinen Sinn", sagte ein Händler. "Denn eigentlich wollten sie aus dem Bankgeschäft aussteigen. Nun geben sie eine Bank ab, um sich an einer anderen zu beteiligen - wenn es denn so kommt."

Auf der anderen Seite würde die Deutsche Bank durch die Vereinbarung ihre Kapitalbasis schonen - wobei sie Insidern zufolge im Gegenzug bereit sein soll, die Übernahme der gesamten Postbank vorzuziehen.

Bisher war geplant, dass die Deutsche Bank im ersten Quartal dieses Jahres zunächst 29,75 Prozent der Postbank für 57,25 Euro je Aktie übernimmt. Außerdem hatten die beiden Parteien mehrere Optionen für eine weitere Anteilsaufstockung der Deutschen Bank festgelegt. Dabei hat die Post unter anderem die Möglichkeit, weitere 20,25 Prozent plus eine Aktie ihres Postbank-Anteils für 42,80 Euro je Stück an die Deutsche Bank zu verkaufen. Derzeit notiert die Postbank-Aktie bei rund 14 Euro. Die Deutsche Bank kann diese Aktien der bisherigen Vereinbarung vom September zufolge in bar oder eigenen Aktien bezahlen. Die Post hielt zum Zeitpunkt der Vereinbarung lediglich 50 Prozent plus eine Aktie an der Postbank.

Die Banktochter musste jedoch im November wegen der Finanzkrise eigene Anteile für rund eine Milliarde Euro verkaufen. Da sich kein anderer Käufer fand, musste die Post diese Aktien übernehmen - der Anteil erhöhte sich so auf rund 62 Prozent. Erst Ende vergangener Woche hatte die Postbank eingeräumt, dass sie 2008 tief in die roten Zahlen gerutscht ist. In Finanzkreisen wird dabei ein Verlust zwischen rund 600 Millionen Euro und knapp einer Milliarde Euro für möglich gehalten.

Das Modell eines Kaufs in zwei Schritten sei nach dem derzeitigen Stand der Gespräche nicht mehr in Stein gemeißelt, sagte nun ein Insider. Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge kauft die Deutsche Bank der Post den gesamten 62-prozentigen Anteil an der Postbank bereits im ersten Quartal ab. Die Aktien würden aber erst im Sommer übertragen, damit erst dann ein Pflichtangebot an die restlichen Aktionäre nötig werde.

Beide Seiten streben den Kreisen zufolge eine rasche Einigung an. Der Post-Aufsichtsrat könnte sich bereits am Mittwoch mit den neuen Konditionen befassen, hieß es aus dem Umfeld des Kontrollgremiums. Bei einer solchen Vereinbarung wäre indirekt auch der Bund an dem größten deutschen Geldhaus beteiligt, da er über die Förderbank KfW 31 Prozent an der Post hält. Der Post-Anteil an der Deutschen Bank hätte nach aktuellem Kurs einen Wert von unter 1,4 Milliarden Euro.

Ein Sprecher der Deutschen Bank bestätigte lediglich, dass die Bank im ersten Quartal den Einstieg bei der Postbank abschließen werde. Auch die Post wollte sich zum Stand der Verhandlungen nicht äußern. "Es gilt weiterhin: Ziel der Postbank-Transaktion ist es, aus dem Finanzsektor auszusteigen und uns auf unser Kerngeschäft zu konzentrieren", sagte eine Sprecherin. Damit dürfte klar sein, dass die Post nur vorübergehend bei der Bank einsteigen will.

mik/Reuters/AP/ddp/dpa-AFX

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Forum - Großbanken - Vorteil für den Finanzplatz Deutschland?
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1.
Klo, 11.09.2008
Zitat von sysopDie Commerzbank schluckt die Dresdner, die Deutsche Bank die Postbank - was bringen Großbanken für den Finanzplatz Deutschland?
Dem Kunden nichts, außer weniger Service, den Bankern höhere Gehälter, ihren Angestellten die Arbeitslosigkeit und den Aktionären höhere Dividenden. Etwas anderes ist von einer fortschreitenden Monopolisierung auch nicht zu erwarten.
2. Bankautomaten
einszweidrei, 11.09.2008
Bei einem Zusammenschluss mit der Postbank würden 7.000 zusätzliche Bankautomaten in Deutschland für Kunden der Deutschen Bank zur Verfügung stehen. Das entspricht der Anzahl der Cash Group Geldautomaten, die DB Kunden bislang hauptsächlich aufsuchen mussten. Und wenn man - wie ich einmal vermute - nun auch in den 850 Postfilialen, in denen man Postbank-Schalter findet, sein Deutsche Bank Konto verwalten und dort Geld abheben kann, dann steigert das die Attraktivität der Deutschen Bank für Privatkunden beträchtlich. Auch wenn einige dieser Bankfilialen beim Zusammenschluss über die Klinge springen werden, gewinnen unter dem Strich Deutsche Bank Kunden an Service hinzu.
3.
Andreas Heil, 11.09.2008
Zitat von sysopDie Commerzbank schluckt die Dresdner, die Deutsche Bank die Postbank - was bringen Großbanken für den Finanzplatz Deutschland?
"Volkswirtschaftlichen Nutzen", so die dreiste und nicht näher ausgeführte Behauptung im Anschreiben, das mir meine zweite Hausbank (CB) unaufgefordert zukommen ließ.
4.
Frank und gerne Frei 11.09.2008
Zitat von KloDem Kunden nichts, außer weniger Service, den Bankern höhere Gehälter, ihren Angestellten die Arbeitslosigkeit und den Aktionären höhere Dividenden. Etwas anderes ist von einer fortschreitenden Monopolisierung auch nicht zu erwarten.
Unfung und ideologische Verblendung. 50% der Privatkunden sind bei Sparkassen und 30% bei den Genossen. Wenn in es in den restlichen 20% des Marktes zu einer Konsolidierung kommt, liegt alles vor, aber definiv kein Monopol!
5. Vorteil für...
Wolfram, 11.09.2008
...die Banken, nicht für den Finanzplatz. Wenn die Banken groß genug sind, *m u ß* der Staat eingreifen, wenn eine Pleite droht (siehe US-Hypothekenriesen). Insofern können Herr Ackermann und seine Investmentbanker ungestörter zocken.
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