Indischer Milliardär: Airbus für die Frau, Wolkenkratzer für die Familie

Von

2. Teil: Ein 60 Millionen Dollar teurer Airbus als Geburtstagsgeschenk für die Frau

Von dem Wirtschaftswachstum in Südasien profitieren zwar auch andere indische Unternehmer: Einer vergangene Woche veröffentlichten Liste des US-Magazins "Forbes" zufolge ist die Zahl der indischen Milliardäre innerhalb eines Jahres um 18 auf 54 gestiegen. Doch Ambani ist für viele Inder die schillerndste Figur, auch wenn er auf der "Forbes"-Liste auf Platz zwei hinter dem Stahlproduzenten Lakshmi Mittal landet. Den jedoch sehen viele wegen seines Wohnsitzes in Großbritannien nicht als die echte Nummer eins. Für sie ist das Ambani.

Dazu tragen auch Berichte über Ambanis Privatleben bei: So schenkte er seiner Frau Nita kürzlich zum 44. Geburtstag einen 60 Millionen Dollar teuren Airbus. Manche indische Zeitungen beschreiben detailliert die luxuriöse Ausstattung mit Spielekonsole, Whirlpool und Fladenbrotautomat, ohne allerdings die Maschine je gesehen zu haben.

Reliance ist zwar der größte Steuerzahler Indiens, erwirtschaftet knapp vier Prozent des indischen Bruttosozialprodukts und trägt mit seinen Produkten mehr als acht Prozent aller Exporte des Landes bei. Doch mit wachsendem Erfolg nimmt auch die Zahl der Kritiker zu. Sie werfen Ambani Verflechtungen mit der Politik vor - vieles habe er nur erreicht, weil er die Regierenden gekauft habe, heißt es. Er übernehme mit dem Bau der Sonderwirtschaftszone bei Bombay staatliche Investitionsaufgaben - sicher bekomme er dafür etwas im Gegenzug, munkeln manche. Die indischen Landesregierungen hätten beispielsweise die Öffnung des Marktes für ausländische Handelskonzerne verhindert, damit Reliance in Ruhe den Start seiner Supermärkte organisieren konnte.

750 Millionen teure Hochhaus-Residenz in Bombay

Für Aufregung sorgt derzeit vor allem das vom US-Architektenbüro Perkins + Will entworfene Privathaus Ambanis, das gerade in Bombay gebaut wird: Das rund 750 Millionen Dollar teure Gebäude entsteht auf einem Grundstück einer Stiftung für Waisenkinder, das eigentlich nicht verkäuflich ist. Reliance habe Politiker bestochen und nur deshalb den Zuschlag bekommen, mutmaßen indische Zeitungen. Die Regierung des Unionsstaates Maharashtra will den Grundstücksdeal nun überprüfen.

Das Hochhaus soll 173 Meter in die Höhe ragen. Auf 27 großzügigen Etagen der Residenz "Antilia" in der Altamount Road werden ab 2008 Ambani, Frau Nita, die drei Kinder sowie Ambanis Mutter leben - plus 600 Angestellte. Die sollen kochen, das Haus sauber halten, Kino, Swimmingpool und Fitnesscenter betreiben sowie dafür sorgen, dass sich Gäste der Familie in den Suiten wohl fühlen. Die Familie selbst residiert in den oberen Etagen mit Blick auf die Stadt und auf das Arabische Meer. Darüber gibt es nur noch drei Hubschrauber-Landeplätze. Die unteren Stockwerke bieten Platz für 170 Luxuslimousinen. Auf offenen Etagen mit tropischen Gartenanlagen können sich die Ambanis künftig erholen. Kritiker betonen, das Haus entstehe in einer Stadt, in der Millionen von Menschen kein Dach über dem Kopf haben und nicht wissen, wovon sie sich ernähren sollen.

Reichtum hat aber auch eine dunkle Seite, und die hat Mukesh Ambani kennen gelernt. Als Dhirubhai Ambani 2002 starb, hinterließ er ein Erbe, an dessen Aufteilung die Familie zerbrach. Monatelang berichteten indische Medien über die Schlammschlacht zwischen Mukesh und seinem jüngeren Bruder Anil. Monatelang verbrachte die Mutter der streitenden Söhne Berichten zufolge in Tempeln, weinte und betete für eine friedliche Einigung - vergeblich.

Am Ende wurde der väterliche Konzern aufgeteilt: Anil bekam die Sparten Telekom, Finanzdienstleistungen und Stromversorgung. Er ist "Forbes" zufolge mit einem Vermögen von etwa 45 Milliarden Dollar nur unwesentlich ärmer als sein Bruder. Dem Vernehmen nach soll er aber nicht in der Residenz "Antilia" wohnen. "Mukesh Ambani ist bald vielleicht der reichste Mann der Welt", sagt ein ranghoher Reliance-Mitarbeiter. "Der glücklichste Mann der Welt ist er aber sicher nicht."

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles zum Thema Wirtschaft in Indien
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
Fotostrecke
Reiche Inder: Männer mit Milliarden
Fotostrecke
Reiche Inder: Männer mit Milliarden