Industrie-Boss Evonik-Chef Müller tritt zurück

Fünf Jahre lang dirigierte er den Konzernumbau - nun tritt er zurück: Werner Müller, Chef von Evonik, will das Unternehmen aus persönlichen Gründen verlassen. Sein Nachfolger an der Firmenspitze steht schon fest.


Essen - Der Vorstandschef des Essener Industriekonzerns Evonik Industries, Werner Müller, tritt überraschend zum Jahresende zurück. Das Unternehmen teilte mit, das Präsidium des Aufsichtsrates habe einer Bitte Müllers um Vertragsauflösung zugestimmt, und bestätigte damit entsprechende Pressemeldungen. Nachfolger soll der jetzige Chef der Chemiesparte, Klaus Engel, 52, werden.

Noch-Evonik-Chef Müller: Rücktritt aus persönlichen Gründen
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Noch-Evonik-Chef Müller: Rücktritt aus persönlichen Gründen

Evonik ist aus dem RAG-Kohlekonzern hervorgegangen und gilt nach dem für die nächsten Jahre angestrebten Börsengang als Kandidat für den Dax.

Der Vertrag des 62-jährigen Ex-Bundeswirtschaftsministers Müller, der von 1998 bis 2002 als Parteiloser dem Kabinett von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) angehörte, läuft eigentlich noch bis 2011. Er wolle die Vorbereitung des Börsengangs aber bereits dem Nachfolger überlassen, damit dieser beim Amtsantritt keine von anderen gestaltete Lösung vorfinde, hieß es. Hinzu kämen persönliche Gründe nach 40 Jahren in Führungspositionen mit hohem Arbeitsaufwand.

Müller hatte mit der Trennung des Industriekonzerns aus Chemie, Energie und Immobilien von den Zechen der alten RAG die Grundlage für ein sozialverträgliches Ende des hochdefizitären deutschen Steinkohlebergbaus gelegt. Wenn voraussichtlich 2018 die letzte Zeche schließt, werden die milliardenschweren Dauerlasten des Bergbaus aus dem Erlös des Evonik-Börsengangs finanziert. Müller bezeichnete seine Zeit bei RAG und später Evonik als "die größte Herausforderung meines Berufslebens".

Aus Unternehmenskreisen war zu hören, dass Müller unabhängig von seinem Rückzug als Evonik-Chef weiter Aufsichtsrat bei der Deutschen Bahn bleiben wolle.

Der Chemiker Engel gilt als durchsetzungsstarker und pragmatischer Mann des Ruhrgebiets. Der gebürtige Duisburger hatte sich mit der geräuschlosen und erfolgreichen Integration des Spezialchemieunternehmens Degussa in den RAG-Konzern für den Spitzenjob qualifiziert.

kaz/dpa/dpa-AFX



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