Industrie Fast jedes zweite Unternehmen will Jobs streichen

Der weltweite Abschwung hat die deutsche Industrieproduktion kräftig gebremst. Die Umsätze sind zum Ende 2008 um mehr als zwölf Prozent zurückgegangen - einer Studie zufolge will jetzt jedes zweite Unternehmen Stellen abbauen.


Berlin - Es ist ein Ergebnis, das Sorge bereitet: Wegen des anhaltenden Auftragsrückgangs planen rund 43 Prozent der deutschen Industrieunternehmen, Arbeitsplätze abzubauen. Nur neun Prozent rechnen 2009 dagegen mit Neueinstellungen.

Mechaniker in Essen: Produktion kräftig gebremst
DDP

Mechaniker in Essen: Produktion kräftig gebremst

Zu diesem Ergebnis ist die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in ihrem Bericht zu den Geschäftsaussichten gekommen. Rund 3700 Firmen aus elf EU-Ländern wurden für die Erhebung befragt, davon 500 aus Deutschland.

Die Zahl der Erwerbslosen war bereits im Januar wesentlich stärker gestiegen als befürchtet. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren Ende des Monats 3,487 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet - 387.000 mehr als im Dezember.

Der weltweite Abschwung hat die deutsche Industrieproduktion in einer beispiellosen Form gebremst. Hohe Abschreibungen im Finanzsektor haben dazu geführt, dass Banken den Unternehmen nur noch sehr zögerlich Kredite gewähren. Hinzu kommt, dass durch die Rezession ohnehin weniger Aufträge vergeben werden. Allein im Dezember 2008 gingen die Erlöse im Vergleich zum Vorjahresmonat um 12,6 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden berichtete.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hatte bereits im Oktober (minus 3,2 Prozent) und November (minus 6,5 Prozent) für einen deutlichen Rückgang der Umsätze gesorgt. Der jetzige Einbruch ist aber nach Angaben der Statistiker in der deutschen Geschichte ohne Beispiel: Der bisherige Spitzenwert war nach dem Ende des Vereinigungsbooms im Februar 1993 mit einem Minus von 9,8 Prozent registriert worden.

Besonders hart getroffen wurden die Produzenten von Kraftwagen und ihre Zulieferer. Die realen Umsätze der Autoindustrie sanken im Dezember fast um ein Drittel (minus 32,7 Prozent). In der Folge wird in zahlreichen Autowerken teils wochenlang auf Kurzarbeit umgestellt.

Die Produktionsstopps in der Automobilindustrie sorgen laut KPMG auch für Pessimismus in anderen Industriezweigen, etwa bei Herstellern von Kunststoffen und Chemikalien. Insgesamt gehen 41 Prozent der Firmen binnen Jahresfrist von einer sinkenden Produktion aus. Jedes vierte Unternehmen erwarte dagegen unter anderem von der Einführung neuer Produkte sowie niedrigeren Rohmaterialpreisen Produktionssteigerungen.

Mit 48 Prozent rechnet den Angaben zufolge fast die Hälfte der Befragten mit sinkenden Gewinnen. Nur 13 Prozent gehen von Zuwächsen aus. Angesichts dieser Erwartungen habe auch die Investitionsbereitschaft der Industrieunternehmen nachgelassen.

ssu/dpa

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