Außenwirtschaftsreport: Schwache Schwellenländer bremsen deutsches Exportwunder
Brasilien, China und Co. haben die deutschen Exporte getragen, doch die Boomstaaten schwächeln. Der Bundesverband der Deutschen Industrie nimmt auch deswegen seine Prognose für das Ausfuhrwachstum von 3,5 auf höchstens zwei Prozent zurück.
Hamburg - In den ersten sechs Monaten dieses Jahres lief es nicht gut für die deutsche Industrie: Die Unternehmen exportierten 0,6 Prozent weniger als 2012. Der Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) kappt deshalb in seinem neuen Außenwirtschaftsreport, der SPIEGEL ONLINE vorab vorliegt, seine Vorhersage für das Gesamtjahr 2013 auf ein mageres Plus von nur noch 1,5 bis zwei Prozent im laufenden Jahr. Die Juni-Prognose des BDI war noch von einem 3,5-Prozent-Zuwachs ausgegangen.
"Angesichts des schwachen ersten Halbjahrs werden die Exporte in diesem Jahr unter den Erwartungen bleiben", sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber, vor allem das Wachstum der Schwellenländer habe enttäuscht.
Zu den Schwellenländern gehören aufstrebenden Wirtschaftsnationen wie China, Indien oder Brasilien - diese Länder kämpfen derzeit mit unterschiedlichen Problemen. In China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, lahmt das Wachstum, gleichzeitig belasten viele faule Kredite das Finanzsystem. Indien und Brasilien beklagen derzeit einen massiven Wertverlust ihrer Währungen, auch ein Anzeichen dafür, dass Investoren Kapital aus den Ländern abziehen.
Gleichzeitig zieht dem Bericht zufolge die Nachfrage aus den Industrieländern nur langsam wieder an, vor allem in Europa bekommen die Exporteure das weiter schwache Wachstum zu spüren. So gingen die Exporte in die EU-Staaten im ersten Halbjahr 2013 um 1,7 Prozent zurück, die Ausfuhren in die Euro-Zone sanken sogar um 2,9 Prozent. Seit dem dritten Quartal 2011 sind die Exporte deutscher Unternehmen in die Euro-Zone hinter die Ausfuhren in den Rest der Welt zurückgefallen (siehe Grafik).
Die Branchen sind sehr unterschiedlich von der Entwicklung betroffen. Vor allem die Maschinenbauer exportierten deutlich weniger als im Vorjahr: Der Absatz ging um mehr als drei Prozent zurück, vor allem in die EU-Mitgliedstaaten und nach China. Auch die Elektroindustrie verkaufte im Ausland weniger Waren. Weil die Elektro-Exporte nach China deutlich anstiegen, fiel das Minus mit knapp zwei Prozent allerdings weniger stark aus, zudem legten die Ausfuhren im Sommer wieder zu. Die Autohersteller, die mehr als drei Viertel ihrer Fahrzeuge ins Ausland verkaufen, konnten dagegen leicht zulegen. Wirklich gut lief das Geschäft dem BDI zufolge nur in der Chemieindustrie: Hier legten die Exporte im ersten Halbjahr um drei Prozent zu.
BDI-Hauptgeschäftsführer Kerber zeigt sich trotz der schlechten Zahlen grundsätzlich optimistisch, in der zweiten Jahreshälfte mehrten sich die positiven Signale: "Die deutsche Industrie rechnet noch in diesem Jahr mit einer allmählichen Erholung. In den wesentlichen Exportbranchen stehen die Zeichen auf Wachstum", sagte Kerber. Die Ausfuhren der deutschen Automobilindustrie in die Kernmärkte Westeuropa und USA hätten sich in den vergangenen Monaten relativ gut entwickelt. Die Mehrzahl der Elektrounternehmen rechne für die kommenden drei Monate zudem mit guten Exportgeschäften.
Insgesamt aber, so das Fazit des BDI, haben sich "die Erwartungen an ein zunehmendes Wachstum im Verlauf des Jahres" nicht erfüllt. Die unerwartet starke wirtschaftliche Erholung der USA reiche nicht aus, die Schwäche der Schwellenländer auszugleichen. Eine "neue Dynamik" bei den Exporten werde "wohl noch einige Quartale auf sich warten lassen".
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