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Industrie schlägt Alarm: Wirtschaft fehlen fast 100.000 Ingenieure

Im Wettlauf um die größten Talente hat Deutschland das Nachsehen: Einer neuen Umfrage zufolge suchen Deutschlands Unternehmen fast hunderttausend Ingenieure. Der Mangel an Fachpersonal kostet die Volkswirtschaft Milliarden.

Hannover - Die Bundesagentur für Arbeit kennt nur die Spitze des Eisbergs: Zwar weiß man dort, dass vor allem der Maschinenbau Nachwuchssorgen hat, doch wie groß der Mangel tatsächlich ist, lässt sich aus den offiziellen Zahlen nicht ablesen.

Arbeiter an einer Großpressen-Anlage in Erfurt: Schon heute gibt es nicht genug junge Ingenieure, um die Älteren zu ersetzen
DPA

Arbeiter an einer Großpressen-Anlage in Erfurt: Schon heute gibt es nicht genug junge Ingenieure, um die Älteren zu ersetzen

Viel eher schon aus der neuesten Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, das 2700 Unternehmen befragte. Das Ergebnis ist erschreckend: Es gibt siebenmal so viele offene Ingenieursstellen wie in der offiziellen Statistik ausgewiesen, sagt IW-Geschäftsführer Hans-Peter Klös. derzeit fehlten also 95.000 Ingenieure in Deutschland. 2007 seien 70.000 Ingenieursstellen nicht besetzt worden, knapp die Hälfte mehr als 2006. Schon heute gibt es nicht genug junge Ingenieure, um die älteren zu ersetzen, warnt das Institut. Der demographische Wandel werde das Problem weiter verschärfen.

Die Experten rechnen damit, dass nach dem Jahr 2015 etwa 43.000 Ingenieure in den Ruhestand gehen. Jährlich verlassen den Angaben zufolge nur etwa 40.000 Absolventen mit einem Ingenieursdiplom die Uni oder Fachhochschule - das decke gerade einmal den Ersatzbedarf der Firmen.

Das IW appelliert daher an Schulen, jungen Leuten eine technisch-naturwissenschaftliche Ausbildung mit auf den Weg zu geben, um sie für ein entsprechendes Studium fit zu machen.

Für einen verbesserten naturwissenschaftlichen Unterricht und zusätzliche Stipendien für Ingenieurswissenschaften sprach sich auch der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) aus. Positiv sei, dass viele Unternehmen mittlerweile wieder in Fort- und Weiterbildung investieren, ihre Arbeitsplätze familienfreundlicher zu gestalten versuchen und wieder ältere Mitarbeiter rekrutieren.

Dennoch koste "der Fachkräftemangel unsere Volkswirtschaft jährlich über sieben Milliarden Euro", sagte VDI-Direktor Willi Fuchs am heutigen Montag auf der Hannover Messe. Weil Fachkräfte fehlten, seien die Betriebe gezwungen, teure Überstunden zu bezahlen oder Aufträge abzusagen.

Die Rechnung des IW-Köln fällt noch dramatischer aus. Danach verliert die deutsche Volkswirtschaft jährlich gut 18 Milliarden Euro und damit etwa 0,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, mahnt das IW.

mik/Reuters/dpa

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