Infineon-Führungskrise War Schumacher korrupt?

Mit Provokationen und umstrittenen Äußerungen hatte Infineon-Chef Ulrich Schumacher von Beginn seiner Karriere an für öffentliche Aufruhr gesorgt. Wirklich dünn wurde die Luft, als ihm der Vorstand des Großaktionärs Siemens den Rückhalt entzog. Jetzt könnte sogar noch ein juristisches Nachspiel folgen.


Schumacher: Für Aufruhr gesorgt
DDP

Schumacher: Für Aufruhr gesorgt

Frankfurt am Main - Der Konzern prüfe rechtliche Schritte gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. Die hohen Ausgaben für die Imagepflege würden ihm vorgeworfen, auch von einer milden Form der Korruption sei die Rede, schreibt das Blatt.

Die "Welt am Sonntag" zitiert Siemens-Manager, nach denen der Sturz Schumachers auf direkte Intervention von Heinrich von Pierer erfolgt sei. Schumacher sei dem Siemens-Vorstandschef, schon lange ein Dorn im Auge gewesen. "Von Pierer hält Schumacher für einen Egomanen und hat schon seit langem auf eine Gelegenheit gewartet, ihn loszuwerden".

Schumacher hatte den Vorstandsvorsitz des Halbleiterherstellers, an dem Siemens noch zu 19 Prozent beteiligt ist, am Donnerstag nach einer kurzfristig einberufenen außerordentlichen Aufsichtsratssitzung überraschend niedergelegt. Zum Hintergrund der Demission heißt es, Schumacher habe sich nicht nur mit den Arbeitnehmern und Gewerkschaften angelegt, sondern mit seinen Plänen für eine weitere Auslagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland und seinem als selbstherrlich umschriebenen Führungsstil auch die Kollegen im eigenen Vorstand gegen sich aufgebracht. "Die Palastrevolution nahm ihren Lauf, als die Manager sich an den Aufsichtsrat wandten."

Wer Schumacher ersetzen wird, steht noch nicht fest. Als sicher gilt jedoch, dass der Nachfolger nicht aus dem eigenen Hause kommen wird. Eine Lösung aus den Reihen des Siemens-Managements ist der "FAS" zufolge aber durchaus möglich.



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