Inflation bei 2,8 Prozent Preise steigen noch stärker als befürchtet

Teures Benzin, teure Milch, teures Brot: Die Verbraucherpreise sind im Januar stärker gestiegen als erwartet, das Statistische Bundesamt korrigierte seine ursprüngliche Schätzung nach oben. Der private Konsum legt trotzdem zu - erstmals seit Monaten verzeichnet der Einzelhandel höhere Umsätze.


Wiesbaden - Das Leben in Deutschland wird teurer. Die Verbraucherpreise sind im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,8 Prozent gestiegen. Dies teilte das Statistische Bundesamt mit. Damit erhöhte die Behörde ihre ursprüngliche Schätzung vom 31. Januar. Damals hatten die Statistiker mit einer Januar-Inflation von 2,7 Prozent gerechnet. In einer Umfrage hatten Volkswirte eigentlich eine Bestätigung der Erstschätzung erwartet. Im Vergleich zum Vormonat verringerten sich die Lebenshaltungskosten um 0,4 Prozent.

Steckdose: Strom verteuerte sich um 7,4 Prozent
AP

Steckdose: Strom verteuerte sich um 7,4 Prozent

Nach Angaben des Bundesamts sind vor allem die gestiegenen Preise für Energie und Nahrungsmittel für die hohe Teuerungsrate verantwortlich. Diese beiden Bereiche seien für mehr als die Hälfte der gesamten Preissteigerung verantwortlich. Die Preise für leichtes Heizöl sind im Jahresvergleich zum Beispiel um 33,5 Prozent gestiegen. Strom verteuerte sich um 7,4 Prozent. Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat im Schnitt um 7,7 Prozent.

Auch die Inflationsrate für das Jahr 2007 korrigierte das Statistische Bundesamt nach oben. Demnach sind die Verbraucherpreise insgesamt um 2,3 Prozent gestiegen. Das sind 0,1 Prozentpunkte mehr als bisher errechnet. Hintergrund ist eine Umstellung in der Statistik. Vergangenes Jahr wurde damit der stärkste Preisauftrieb seit 13 Jahren gemessen. Im Dezember lag die Rate nach der Neuberechnung sogar bei 3,2 Prozent, hier war das Amt zunächst von 2,8 Prozent ausgegangen.

Teures Deutschland - Inflation im Januar 2008

Veränderung geg. Vorjahresmonat
in Prozent
Veränderung geg. Vormonat
in Prozent
Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke 7,2 1,4
Alkoholische Getränke, Tabakwaren 1,0 0,3
Bekleidung und Schuhe 0,5 -2,6
Wohnung, Wasser, Strom, Gas, usw. 2,7 0,8
Einrichtungsgegenstände, Haushaltsgeräte u.ä. 1,5 0,0
Gesundheitspflege 1,8 0,8
Verkehr 4,9 0,6
Nachrichtenübermittlung -2,9 -0,4
Freizeit, Unterhaltung u.ä. -0,3 -4,7
Bildungswesen 34,2 0,5
Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen 2,2 -4,3
andere Waren und Dienstleistungen 2,2 0,8
Inflation gesamt 2,8 -0,4

Quelle: Statistisches Bundesamt

Die hohe Inflation setzt die Europäische Zentralbank massiv unter Druck. Die EZB hält die Preisstabilität für gewahrt, wenn die Jahresrate in der Eurozone knapp unter 2,0 Prozent liegt. Theoretisch müsste die Zentralbank nun die Zinsen erhöhen, um die Inflation zu dämpfen. Allerdings steckt die EZB in einem Dilemma: Hohe Zinsen sind Gift für die Konjunktur - und die schwächt sich wegen der weltweiten Kreditkrise ohnehin schon ab.

Die hohe Inflation zu Beginn des Jahres ist auch deshalb bemerkenswert, weil der Januar der erste Monat ohne Mehrwertsteuereffekt war. Die Steuer war im Januar 2007 von 16 auf 19 Prozent gestiegen. Im gesamten vergangenen Jahr galt dies als Mitgrund für die hohe Inflation. Für den Preisanstieg im Januar 2008 ist die Mehrwertsteuer nun jedoch nicht mehr verantwortlich - sie war im Vergleichsmonat genauso hoch wie heute. Die Teuerung lässt sich also ausschließlich mit echten Preiseffekten erklären.

Trotz der hohen Preise hat sich der private Konsum im Januar offenbar erholt: Erstmals seit Monaten sind die Einzelhandelsumsätze in Deutschland wieder gestiegen. Im Monatsvergleich kletterten die Umsätze um 1,9 Prozent nach oben, teilte das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Daten mit. Saison-, kalender- und preisbereinigt betrug das Plus immerhin noch 1,6 Prozent. Von Oktober bis Dezember 2007 waren die Umsätze jeden Monat gesunken.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat erhöhten sich die Umsätze im Januar ebenfalls. Nominal betrachtet ergab sich ein Plus von 2,7 Prozent. Real kletterten die Umsätze um 0,6 Prozent.

wal/ddp/Reuters/dpa-AFX



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