Inflation und Zinsen Shoppen, shoppen, Schulden machen

Nein, sparen lohnt sich derzeit nicht. Kredite aufnehmen schon: Das zeigt die Infografik der Woche.


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Deutschland ist ein Land der Sparer. Kaum groß genug, um über den Bankschalter zu blicken, lernen Kinder am Weltspartag bereits die Tugend des Sparens. Der Inhalt des Sparschweins wird auf das Sparbuch eingezahlt und vermehrt sich in der Folge auf wundersame Weise.

Lange Zeit verhielt es sich auch genauso: Die Zinsen sorgten in der Regel zuverlässig für die Geldvermehrung - selbst unter Berücksichtigung der Inflation, also der allgemeinen Teuerungsrate. Denn, so zeigt die aktuelle Infografik der Woche von Statista und SPIEGEL ONLINE, die Leitzinsen (und auch die Zinsen bei den Banken) lagen historisch über sehr lange Phasen stets deutlich über der Inflationsrate.

Im Jahr 2010 dann kam die Wende. Als Folge der Finanzkrise senkten die Zentralbanken die Zinsen drastisch, um in der Wirtschaftsflaute die Investitionen anzukurbeln. Das Zinsniveau fiel unter die Inflationsrate. Eine Entwicklung mit weitreichenden Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft und damit auch auf die Lukrativität des Sparens.

Vereinfacht gesagt, haben sich die Verhältnisse seitdem umgekehrt: Früher war das Sparen einfach und sicher, aber das Geldleihen risikobehaftet und teuer. Relativ neu sind Phänomene, wie negativ verzinste Staatsanleihen, zugleich sind Kredite so günstig zu haben wie nie. Anders gesagt: Vorbei sind die Zeiten des Sparens. Wer sich dagegen verschuldet, hat bessere Konditionen denn je.


Mehr Infografiken der Woche finden Sie auf der Themenseite.

Andreas Grieß (Statista) / Patrick Stotz

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insgesamt 64 Beiträge
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Seite 1
dexter_douglas 12.02.2016
1. Ihr ruft hier doch hoffentlich nicht zu
einem Leben auf Pump auf. Ein Darlehen fuer ein Haus hat Millionen von Buergern in den USA in Teufels Kueche gebracht. Das kann man nicht mit einem Kredit vergleichen. Nein, die Baenker geben gezielt Risiko an ihre Kunden weiter, weil ihnen der Markt aktuell zu unueberichtlich ist. Was kommt als Naechstes, Portfolioerwerb mit geleastem Fremdkapital - seit wann ist denn der Spiegel zu Protegeren der Finanzlobby aufgestiegen?
hansaeuropa 12.02.2016
2. Ersparnisse und Schulden sind untrennbar
Dieser Artikel samt Grafik zeigt wieder sehr schön, dass auch im Wirtschaftsteil die fundamentalsten Zusammenhänge nicht verstanden werden. Es ist immer Zeit zum Verschulden (und Sparen), am besten durch die Unternehmen! Da diese aber schon gestopft sind und selber als Sektor Nettosparer geworden sind, muss sich der Staat verschulden. Tut er das nicht, bleibt nur das Ausland oder es gibt keine Ersparnis. Der Leitzins nahe Null zeigt uns auf dramatische Weise, dass wir selbst bei Minizinsen keine Schuldner finden. Es wird Zeit das (unternehmerische)Verschulden zur Tugend zu machen!
Tiberias 12.02.2016
3. Super! Schulden machen!
Wurde dieser Artikel zufällig von der Bankenlobby gesponsert? Diese Idee kann einem schon kommen. Dass man Schulden, egal zu welchem Zinssatz, irgendwann zurückzahlen muss, hat auch die vielen US-Hausbesitzer vor der Finanzkrise nicht interessiert - zumindest zu Beginn. Bis dann der Job weg war, die Raten nicht mehr bedient werden konnten und die Polizei die Leute mit Waffengewalt aus ihren Häusern vertrieben hat. Und das allem im Auftrag der freundlichen Hausbank des Vertrauens.
Champagnerschorle 12.02.2016
4. zum Verständnis
Zitat von dexter_douglaseinem Leben auf Pump auf. Ein Darlehen fuer ein Haus hat Millionen von Buergern in den USA in Teufels Kueche gebracht. Das kann man nicht mit einem Kredit vergleichen. Nein, die Baenker geben gezielt Risiko an ihre Kunden weiter, weil ihnen der Markt aktuell zu unueberichtlich ist. Was kommt als Naechstes, Portfolioerwerb mit geleastem Fremdkapital - seit wann ist denn der Spiegel zu Protegeren der Finanzlobby aufgestiegen?
Ich möchte für meine Familie ein Haus kaufen und hole mir bei der Bank für einen Teil des Kaufpreises eine Baufinanzierung. Jetzt ist mein Banker schuld und verschiebt ein Risiko auf mich, nur weil er mir hilft? Übrigens, nichts das Darlehen für das Haus in den USA waren das Problem, sondern die Finanzierung von Verbrauchsgütern über zu hoch bewertete Hypotheken in Verbindung mit in den USA üblichen variablen Baufinanzierungszinsen.
holy-666 12.02.2016
5. Zusammenhänge nicht verstanden...
Auf niedrige Zinsen folgen hohe Preise. Und ich zahle lieber 7% auf 100.000€ für mein Haus, anstatt 3% auf 250.000.
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