Innovative Konzerne Weltmeister der Kreativität

Ein neues Innovationsranking verrät, welche Unternehmen die kreativsten der Welt sind - und wie sie Einfallsreichtum und Erfindergeist im Alltag richtig umsetzen. Auch deutsche Konzerne gehören zur Elite. SPIEGEL ONLINE zeigt die Sieger.

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Hamburg - Eigentlich gar nicht so schwer, das mit der Innovation. Kreative Leute anwerben, zuhören was sie wollen, und das dann tun. So einfach beschreibt Arthur D. Levinson sein Rezept für ein innovatives Unternehmen.

Apple Jobs: Ikone fortschrittlicher Unterhaltungselektronik
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Apple Jobs: Ikone fortschrittlicher Unterhaltungselektronik

Levinson ist Chef des Biotech-Konzerns Genentech, der es im Ranking der innovativsten Unternehmen immerhin auf Platz 23 gebracht hat - weltweit. Diese Rangliste wird alljährlich von dem US-Magazin "Business Week" und der Boston Consulting Group (BCG) veröffentlicht.

Das Ranking basiert auf Umfragen im oberen Management von 1500 international operierenden Unternehmen, von denen 77 Prozent in Nordamerika sitzen, 12 Prozent in Europa und 9 Prozent in der Region Asien/Pazifik. Insgesamt haben 2468 Manager an der Umfrage teilgenommen.

Zahl der Patente ist wenig aussagekräftig

Natürlich ist der Erfolgsrezept von Levinson nicht so einfach in die Tat umzusetzen, wie es klingt. Die tägliche Wirklichkeit in den Betrieben ein wenig komplexer. Welcher Bewerber ist wirklich innovativ, wer ein Scharlatan? Welche Innovationen werden wichtig, welche bleiben eine Randnotiz? Und wie lässt sich eine Innovation wirklich gewinnbringend vermarkten?

Die Fragen und Einwände zeigen, dass Innovation eine heikle Sache ist, die sich nicht per Dekret verordnen lässt. Tolle Arbeitsbedingungen, da hat Genentech-Chef Levinson Recht, sind sicher eine gute Voraussetzung, wie etwa das verspielte Innere der Zentrale von Google Chart zeigen - Platz zwei im Ranking - zeigt.

Alarmierend ist für die BCG-Statistiker eine allgemeine Innovationsmüdigkeit, die sie festgestellt haben. Nur 46 Prozent des befragten Führungspersonals seien zufrieden mit den Erträgen ihrer hauseigenen Innovationspolitik und fragen, ob sich all das Geld lohnt, das sie dafür ausgeben. So gaben nur noch 23 Prozent an, dass dieser Bereich zu ihren wichtigsten Aufgaben zählt.

Dabei zeigt gerade das Beispiel des Höchstplatzierten, dass Innovationen eines sehr langen Atems bedürfen, bevor sie sich auszahlen. Apple Chart zeigen gilt vielen heute zwar als Ikone fortschrittlicher Unterhaltungselektronik. Doch dieser Erfolg, der sich inzwischen auch mit immer neuen Rekordergebnissen auszahlt, ist erst wenige Jahre alt.

Vor dem iPod galt die Marke mit dem Apfel zwar als Innovator, aber auch als verschroben und kaum überlebensfähig.

Mit dem iPhone ist das Unternehmen erneut ein großes Risiko eingegangen. Sollte Apple damit erfolgreich sein, wäre dies die Dividende eines Rückschlags. Mit dem Newton hatte der Hersteller bereits 1993 einen Organizer im Programm, der viele Funktionen mit sich brachte, die das iPhone auszeichnen wird. Der Newton, der schon damals eine lernfähige Handschriftenerkennung und ein berührungsempfindliches Display bot, war ein wirtschaftlicher Reinfall.

US-lastige Liste

Viele Techniken von damals haben aber bis heute überlebt. Zum Beispiel findet sich die Handschriftenerkennung im aktuellen Apple-Betriebssystem unter dem Namen "Ink" in weiterentwickelter Form wieder.

Das ist auch nicht zuletzt ein Beleg dafür, dass man nicht immer voraussagen kann, wann sich eine Innovation auszahlt. Schon deshalb spielt die Zahl der Patente eines Unternehmens bei der Erstellung der BCG-Liste nur eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist nicht die bloße Zahl der angemeldeten Patente, sondern wie oft diese in den Patentanträgen anderer Firmen zitiert werden. Und in die Platzierung der Unternehmen floss diese Größe letztlich gar nicht ein: Zu wenig vergleichbar sind die nationalen Patentvergabeverfahren, zu wenig aussagekräftig angesichts der unterschiedlichen Gepflogenheiten in den verschiedenen Branchen.

Das Beispiel von Apple zeigt auch, dass es wenig sinnvoll ist, nur solche Ideen weiterzuverfolgen, deren wirtschaftliche Verwertung offensichtlich ist. Wie könnte man auf diese Weise einen Innovationsvorsprung vor Konkurrenten herausarbeiten? Google etwa wirft fast jede Idee auf den Markt, die den Entwicklern Spaß macht. Das Angebot des Suchmaschinen-Riesen wuchs sich so zu Kraut und Rüben aus; ein wenig Aufräumen täte Not. Für die meisten Trends der nahen Zukunft indes dürfte Google gut gerüstet sein.

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