Insider-Affäre Auch Airbus-Chef Enders soll vorgeladen werden

Die französischen Behörden gehen in der EADS-Affäre rigoros vor. Erst setzten die Ermittler Ex-Konzernchef Forgeard fest, jetzt soll laut einem Pressebericht auch der amtierende Airbus-Chef Enders vorgeladen werden - ebenso wie weitere Top-Manager.


Hamburg - Nach außen gibt sich EADS Chart zeigen gelassen, doch im Inneren des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns dürfte es gewaltig brodeln. Erst am gestrigen Mittwoch hatten französische Ermittler den früheren Co-Chef Noël Forgeard für ein Verhör in Gewahrsam genommen. Doch jetzt müssen auch amtierende Spitzenmanager mit ähnlich harten Maßnahmen rechnen.

Laut "Süddeutsche Zeitung" soll der Chef der EADS-Tochter Airbus, Thomas Enders, schon "in Kürze" vorgeladen werden. Nach französischem Recht können Verdächtige für ein Verhör 48 Stunden festgehalten werden - erst danach müssen sie einem Untersuchungsrichter vorgeführt werden.

Die Ermittler verdächtigen Forgeard, Enders und 15 weitere amtierende oder frühere EADS-Manager des Insiderhandels. Sie sollen frühzeitig von Problemen beim Prestigeprojekt A380 gewusst und dieses Wissen für Insidergeschäfte genutzt haben. Alle Verdächtigen haben Aktienoptionen eingelöst, bevor die A380-Schwierigkeiten bekannt gegeben wurden. Als die Nachricht endlich die Märkte erreichte, stürzte der EADS-Aktienkurs um 26 Prozent ab.

Die "SZ" berichtet, dass neben Enders auch der ehemalige Airbus-Chef Gustav Humbert vorgeladen werden soll. Seine Vernehmung stehe "im Juni" an. Außerdem müsse Stefan Zoller, der Leiter der EADS-Verteidigungssparte, mit einer Vorladung rechnen. Insgesamt beschuldigt die französische Börsenaufsicht AMF 17 natürliche und zwei juristische Personen, in die Insider-Affäre verstrickt zu sein. Die Internetzeitung "Mediapart" hat die Namen der Verdächtigen im April genannt.

  • Aus dem früheren Airbus-Exekutivkomitee sind das: Gustav Humbert (ehemaliger Co-Chef), John Leahy (noch amtierend), Olivier Andriès, Charles Champion, Henri Courpron, Alain Flourens, Erik Pillet, Andreas Sperl und Thomas Williams (noch amtierend).
  • Folgende Verdächtige waren Mitglieder des EADS-Exekutivkomitees: Fabrice Brégier (heute Airbus-Vizechef), François Auque (Leiter der Division Astrium), Ralph Crosby (Leiter EADS Nordamerika), Jussi Itavuori (Personalchef) und Stefan Zoller (Leiter der Verteidigungssparte).
  • Ermittelt wird außerdem gegen Personen, die ebenfalls Mitglieder des EADS-Exekutivkomitees waren und gleichzeitig im Airbus-Aufsichtsrat saßen: Noël Forgeard (damals EADS-Co-Chef), Thomas Enders (heute Airbus-Chef) und Jean-Paul Gut (ehemaliger Markenvorstand).
  • Hinzu kommen die beiden Hauptaktionäre Lagardère und Daimler. Beide Unternehmen sollen frühzeitig von den A380-Problemen erfahren und daraufhin ebenfalls Aktien verkauft haben.

Theoretisch droht allen Verdächtigen das gleiche Schicksal wie Forgeard. Das heißt, sie könnten von den Behörden vorgeladen und nach französischem Recht 48 Stunden festgehalten werden.

Neben den genannten 17 Personen könnte dies auch Vertreter der Großaktionäre Lagardère und Daimler treffen. Laut "Süddeutsche Zeitung" muss mit einer Vorladung zum Beispiel Rüdiger Grube rechnen, der als Repräsentant von Daimler dem EADS-Verwaltungsrat vorsitzt.

Die Unternehmen EADS und Airbus halten sich zu der Affäre äußerst bedeckt. Die Ermittlungen der französischen Behörden seien eine "Privatangelegenheit der Betroffenen", sagte ein EADS-Sprecher SPIEGEL ONLINE. Dies gelte selbst dann, wenn es sich um amtierende Spitzenmanager handele. "Wir können nicht jeden einzelnen Ermittlungsschritt kommentieren."

Bei Airbus heißt es, man äußere sich nicht "zu Spekulationen". Dass Verdächtige über Nacht in Gewahrsam genommen werden, sei "in Frankreich ein übliches Verfahren, um Verhöre zu erleichtern".

Ganz so leicht dürften es die betroffenen Spitzenmanager allerdings auch nicht nehmen. So bleibt der am gestrigen Mittwoch festgenommene Forgeard vorerst in Polizeigewahrsam. Die Pariser Finanzpolizei verlängerte die Maßnahme am heutigen Donnerstag um weitere 24 Stunden bis zum morgigen Freitag.

Sollte der Franzose Forgeard auspacken, könnte es für den Deutschen Enders eng werden, schätzen Experten. Beide lieferten sich seinerzeit an der EADS-Spitze einen erbitterten Machtkampf.

wal



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Seite 1
5mark, 28.02.2007
1.
---Zitat von sysop--- Nach Monaten sind die Details des Airbus-Sanierungsprogrammes Power 8 bekannt - 10.000 Stellen fallen weg, in Deutschland stehen die Werke Laupheim und Varel zur Disposition. Gleichzeitig bekommt das Werk Hamburg neue Kompetenzen. Kommt Airbus so aus der Krise? Und was bedeutet die Sanierung für den Standort Deutschland? ---Zitatende--- Offensichtlich finden die Mitarbeiter der in Frage kommenden Werke diese Lösung nicht so prickelnd. Sonst wären sie wohl nicht nach Haus gegangen,wie ich grad in der Eilmeldung gelesen hab. Naja wenn man das Gefühl hat, man wird nur noch verschaukelt kommt man ganz leicht an den Punkt wo man sich sagt "Dann spielt doch alleine weiter, ich habs satt." Persönlich glaub ich ja die Krise geht jetzt erst los. Mal sehen wie europäisch wir alle wirklich sind.
jocurt, 28.02.2007
2. Es wohl ein ziemlicher Gipfel an Unverfrohrenheit...
---Zitat von 5mark--- Offensichtlich finden die Mitarbeiter der in Frage kommenden Werke diese Lösung nicht so prickelnd. Sonst wären sie wohl nicht nach Haus gegangen,wie ich grad in der Eilmeldung gelesen hab. Naja wenn man das Gefühl hat, man wird nur noch verschaukelt kommt man ganz leicht an den Punkt wo man sich sagt "Dann spielt doch alleine weiter, ich habs satt." Persönlich glaub ich ja die Krise geht jetzt erst los. Mal sehen wie europäisch wir alle wirklich sind. ---Zitatende--- das ich dem Spiegel Post entnehmen darf, dass auch eine èbergabe an das Management anstehen kann: " Dazu zählt neben einem Verkauf an Hauptzulieferer auch eine Abgabe an das Management oder die Zusammenlegung mit anderen Werken. Für den Standort Nordenham (ebenfalls Niedersachsen) sowie für Filton in Großbritannien und Méaulte in Frankreich erwägt Airbus "industrielle Partnerschaften". Für diese Standorte gebe es bereits "unaufgefordert Angebote möglicher Investoren". " Das heisst ja, erst abzocken, Karre in den Dreck fahren und die Reste gewinnbringend als MBO übernehmen. Nimmt ein Mitarbeiter eine Schraube mit, wird er wegen Diebstahl entlassen. wie nennt man das aber jetzt?
Mathesar 28.02.2007
3.
---Zitat von sysop--- Nach Monaten sind die Details des Airbus-Sanierungsprogrammes Power 8 bekannt - 10.000 Stellen fallen weg, in Deutschland stehen die Werke Laupheim und Varel zur Disposition. Gleichzeitig bekommt das Werk Hamburg neue Kompetenzen. Kommt Airbus so aus der Krise? Und was bedeutet die Sanierung für den Standort Deutschland? ---Zitatende--- Wie so häufig zeigt sich auch bei Airbus mal wieder: Wenn man etwas wirklich gegen die Wand fahren will, muß man nur die Politik mitspielen lassen. Airbus ist dafür ein profundes Beispiel.
medienquadrat, 28.02.2007
4. wie soll das denn funktionieren?
Vielleicht kann mir das endlich jemand erklären, wieso 10.000 entlassen werden sollen? Haben die ansonsten immer herumgesessen und blöd in die Gegend gestiert? Wer soll denn deren Arbeit machen? Oder haben die nichts mehr zu tun, keine Aufträge mehr, oder werden die Flugzeuge von selbst fertig, setzen sich selbsttätig zusammen? Ist das denn etwa demnächst so, dass die Flieger notdürftig zusammengekloppt ausgeliefert werden? Muss man sich Sorgen machen, um die Flugsicherheit?
AttilaR, 28.02.2007
5. Faire Verteilung
Das Management hat versagt; Verkabelungsprobleme. So hieß es. Die Auslieferungen klappten nicht . Krise. Die Folgen. Krise. Es werden ca. 10.000 oder doch nur "8.5oo" Arbeiter entlassen? Das Management wird aufgrund des beherzten Durchgreifens be- fördert und/oder bekommt Prämien. Vielleicht als Krönung eine MBO. Und die Politik? Die Politik labert von "gerechter Lastenverteilung!! Attila Keiner ist so schwer zu überzeugen, als einer, der dafür bezahhlt wird, die Sache nicht zu verstehen. (Nach einen amerikanischen Schriftsteller.)
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