Insiderverdacht Daimler-Aufsichtsratschef Kopper unter Verdacht

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Aufsichtsratschef von DaimlerChrysler, Hilmar Kopper, wegen eines möglichen Verstoßes gegen Insiderrichtlinien. Laut "Stuttgarter Zeitung" soll er Deutsche-Bank-Chef Ackermann vorzeitig über den Rücktritt von DaimlerChrysler-Boss Schrempp informiert haben.


Stuttgart - Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart bestätigte am Abend einen Bericht der "Stuttgarter Zeitung", wonach gegen Kopper ermittelt wird. Das Verfahren sei in Stuttgart eingeleitet und dann an die Frankfurter Staatsanwaltschaft weitergegeben worden, sagte Sprecherin Tomke Beddies. Die Frankfurter Ermittler prüfen demnach die Übernahme. Nähere Angaben wurden nicht gemacht.

DaimlerChrysler-Aufsichtsrat Kopper, Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Aktienverkäufe nach Schrempp-Rücktritt
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DaimlerChrysler-Aufsichtsrat Kopper, Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Aktienverkäufe nach Schrempp-Rücktritt

Die "Stuttgarter Zeitung" will erfahren haben, dass Kopper als Aufsichtsratsvorsitzender von DaimlerChrysler vor der offiziellen Bekanntgabe des Rücktritts von Konzern-Chef Jürgen Schrempp den Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, über die Personalie informiert haben soll. Die Deutsche Bank war zum damaligen Zeitpunkt einer der größten Aktionäre von DaimlerChrysler.

Eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sagte, zu laufenden Untersuchungen gebe man keine Auskunft. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE wollten sich weder Deutsche Bank noch DaimlerChrysler äußern. Auch von Kopper und Ackermann war am Abend keine Stellungnahme zu erhalten.

Saftige Gewinne nach Schrempp-Rücktritt

Nach der offiziellen Ankündigung Schrempps Ende Juli 2005, seinen Posten zum Januar 2006 räumen zu wollen, verkaufte die Deutsche Bank noch am gleichen Tag rund 35 Millionen DaimlerChrysler-Aktien für insgesamt 1,4 Milliarden Euro. Damit reduzierte die Bank ihre Beteiligung an dem Autobauer von rund zehn auf knapp sieben Prozent. An der Börse freute man sich über den Wechsel bei DaimlerChrysler, der Aktienkurs schnellte zeitweise um über zehn Prozent nach oben. So konnte die Deutsche Bank mit ihrem Deal einen Vorsteuergewinn von 300 Millionen Euro verbuchen. Durch einen möglichen Hinweis von Kopper hätte die Bank mehr Zeit zur Vorbereitung des Verkaufes gehabt.

Dabei hatte Deutsche-Bank-Finanzchef Clemens Börsig noch am Morgen vor der Schrempp-Ankündigung in einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen erklärt, die Bank wolle sich zwar weiter von ihren DaimlerChrysler-Anteilen trennen, sehe sich aber nicht unter Zeitdruck. "Wir haben keine Not." Am Nachmittag bekräftigte die Bank damals in einer Mitteilung nochmals ihre Absicht, sich grundsätzlich von dem Aktien-Paket verabschieden zu wollen. Die Medien hätten Börsigs Äußerungen falsch wiedergegeben und den Schluss gezogen, dass das Institut seine Beteiligung nun doch weiter halten wolle.

Außer der Deutschen Bank hatten sich auch DaimlerChrysler-Manager am Tag der Schrempp-Ankündigung von Aktienpaketen getrennt und saftige Gewinne eingestrichen. Wenige Wochen später leiteten die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und die Staatsanwaltschaft offizielle Ermittlungen wegen des Verdachts auf Insiderhandel ein, die inzwischen allerdings eingestellt wurden.

BaFin nimmt die Witterung auf

Schon damals geriet auch die Deutsche Bank in die Schlagzeilen. Einem Bericht der "Welt am Sonntag" zufolge erwog die BaFin, Ermittlungen gegen das größte deutsche Geldinstitut einzuleiten. "Es gibt da eine auffällige Entwicklung" zitierte das Blatt den BaFin-Präsident Jochen Sanio.

Eine Sprecherin der Finanzaufsichtsbehörde erklärte allerdings später, es gebe keine konkreten Untersuchungen gegen die Bank. Die Behörde habe sich alle in Frage kommenden Geschäfte angeschaut, dazu gehörten auch die der Deutschen Bank. Inzwischen hat die Deutsche Bank ihre Beteiligung an DaimlerChrysler noch weiter abgesenkt: Im November des letzten Jahres verkaufte der Konzern erneut ein milliardenschweres Aktienpaket und hält jetzt weniger als fünf Prozent an DaimlerChrysler.

Nach Informationen der "Stuttgarter Zeitung" basieren die aktuellen Ermittlungen auf den BaFin-Untersuchungen. Nach dem Wertpapierhandelsgesetz ist nicht nur der Handel mit sogenannten Insider-Papieren, sondern auch die unbefugte Weitergabe von Insider-Informationen verboten. Kopper war früher selbst Chef und Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank. Er legte jedoch stets Wert darauf, dass der Aufsichtsratsvorsitz bei DaimlerChrysler ein persönliches Mandat sei.

Vor dem Hintergrund des Schrempp-Rücktritts läuft derzeit ein weiteres Verfahren. Mehrere Aktionäre haben DaimlerChrysler verklagt. Auch sie berufen sich auf Ermittlungen der BaFin und der Staatsanwaltschaft, ob DaimlerChrysler den Ende Juli 2005 angekündigten Rückzug von Konzernchef Schrempp ins Privatleben entgegen der Vorschriften nicht unverzüglich bekannt gemacht hat.



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Rainer Dressler, 13.04.2005
1.
---Zitat von admin--- Mehr Gewinn, weniger Jobs: Die Deutsche Bank kann es keinem wirklich recht machen. Gewerkschaften werfen dem Unternehmen Gier und mangelndes soziales Bewusstsein vor, für Investoren könnte die Bank im internationalen Vergleich noch viel profitabler sein. Ein misslicher Mittelweg, eine misslungene Strategie des Managements? Oder ein schmerzhafter, aber richtiger Schritt zur Konkurrenzfähigkeit eines deutschen Top-Unternehmens? Wie sehen Sie derzeit die Deutsche Bank? ---Zitatende--- Ich sehe das relativ gelassen. Der Fisch fängt immer am Kopf an zu stinken... Mit den besten Grüssen aus dem Schwarzwald. Rainer Dressler
KlausD, 13.04.2005
2. Wenn...
...es möglich wäre würde ich jedlichen bankverkehr mit der DEUTSCHEN bank unterlassen was mir jedoch aus gewerblichen gründen nicht möglich ist. Bei privat und geschäft gesprächen höre ich immer öfter eine negative einstellung zu solchem gebaren und sicherlich schädigen sich solche unternehmern selber siehe telekom. Mag sein das da kurzfristig geld gemacht wird aber auf lange sicht haben sie verloren ist meine meinung und das habe ich auch in meiner ausbildung so gelernt das kunden sich negative dinge merken und das es den unternehmen schadet. Danke
Pinarello, 14.04.2005
3.
---Zitat von admin--- Mehr Gewinn, weniger Jobs: Die Deutsche Bank kann es keinem wirklich recht machen. Gewerkschaften werfen dem Unternehmen Gier und mangelndes soziales Bewusstsein vor, für Investoren könnte die Bank im internationalen Vergleich noch viel profitabler sein. Ein misslicher Mittelweg, eine misslungene Strategie des Managements? Oder ein schmerzhafter, aber richtiger Schritt zur Konkurrenzfähigkeit eines deutschen Top-Unternehmens? Wie sehen Sie derzeit die Deutsche Bank? ---Zitatende--- Also, ich habe einen Kollegen, der ein paar Aktien der Deutschen Bank hat, der war von der Ankündigung ganz begeistert, er würde am liebsten mindestens doppelt soviele Mitarbeiter feuern, denn das wichtigste ist, daß der Aktienkurs steigt, alles andere interessiert diese Leute eh nicht mehr. Traurig, aber wahr.
Rainer Dressler, 14.04.2005
4.
---Zitat von Pinarello--- Also, ich habe einen Kollegen, der ein paar Aktien der Deutschen Bank hat, der war von der Ankündigung ganz begeistert, er würde am liebsten mindestens doppelt soviele Mitarbeiter feuern, denn das wichtigste ist, daß der Aktienkurs steigt, alles andere interessiert diese Leute eh nicht mehr. Traurig, aber wahr. ---Zitatende--- Shareholdervalue... Komischerweise interessiert es diese Leute nur genau so weit, wie es sie selbst nicht betrifft, bzw. wie sie ihre maximale Dividente bekommen. Offenbar haben die auch keinen Spiegel (im übertragenen Sinne) zu Hause. Denn mit Spiegel fällt manches nicht so leicht als ohne. Mit den besten Grüssen aus dem Schwarzwald. Rainer Dressler
Rainer Daeschler, 15.04.2005
5.
---Zitat von Pinarello--- Also, ich habe einen Kollegen, der ein paar Aktien der Deutschen Bank hat, der war von der Ankündigung ganz begeistert, er würde am liebsten mindestens doppelt soviele Mitarbeiter feuern, denn das wichtigste ist, daß der Aktienkurs steigt ---Zitatende--- Das Problem der Aktie ist, dass sie zum Gewinnlos verkommen ist, anstatt Beleg einer Miteigentümerschaft zu sein. Als Unternehmensbesitzer möchte ich selbstverständlich Gewinne daraus erzielen, muss mit aber auch Gedanken darüber machen, wie ich diese Einnahmequelle erhalte. Der Begriff des Shareholdervalues ist in eine Vorstellung umgebogen worden, die mit der eines Ladeninhabers vergleichbar ist, der glaubt alles was er abends in der Ladenkasse findet, das gehört ihm. Natürlich kann man es so sehen, muss aber dann bald feststellen, dass man sich selber den Ast absägt auf dem man sitzt. Bald wird man feststellen, dass man von dem Geld neue Ware hätte kaufen und Werbung bezahlen müssen. Eine Firmenpolitik die nur Kurs- und Dividendensteigerung im Auge hat, aber es mit Qualitätsverlusten erkauft, verwandelt das Unternehmen in eine Zeitbombe. Von einer Wahrung des Aktionärsbesitzes kann hier nicht die Rede sein. Bis der merkt, das die Erfolge seines Papiers eigentlich teuer erkauft wurden und nicht von Dauer sind, haben die Verursacher ihre Abfindung kassiert, beziehen weiter Pensionszahlungen und sind auf und davon.
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