Insolventer Autobauer Fiat besiegelt Allianz mit Chrysler

Viel Zeit haben Fiat und Chrysler nicht verstreichen lassen: Wenige Stunden, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA den Weg frei machte, haben die beiden Autokonzerne ihre Allianz besiegelt. Der Einstieg der Italiener soll für den US-Autobauer die Rettung bringen.


New York - Es soll der ersehnte Neuanfang für Chrysler werden: Am Mittwochvormittag Ortszeit unterzeichneten Vertreter des angeschlagenen Konzerns und des italienischen Autobauers Fiat in New York die Papiere, die einen Zusammenschluss der beiden Firmen ermöglichen.

Chrysler-Neuwagen: Allianz besiegelt
AP

Chrysler-Neuwagen: Allianz besiegelt

Das neue Unternehmen werde unter dem Namen Chrysler Group LLC umgehend den Geschäftsbetrieb aufnehmen, teilten beide Unternehmen am Mittwoch mit.

Fiat-CEO Sergio Marchionne wird die Führung des neuen Unternehmens übernehmen, an dem Fiat einen Anteil von 20 Prozent halten wird. Einen Anteil von 55 Prozent wird nach der Vereinbarung die Gewerkschaft UAW halten. Fiat kann seinen Anteil noch auf 35 Prozent ausbauen, die Regierungen der USA und Kanadas würden dann acht beziehungsweise zwei Prozent an der Chrysler Group besitzen. Nach Rückzahlung der erhaltenen Rettungskredite der Regierungen durch Chrysler kann Fiat auch die absolute Mehrheit übernehmen.

Erst wenige Stunden zuvor hatte das Oberste Gericht der USA den Weg für den raschen Einstieg von Fiat bei dem insolventen US-Autobauer freigemacht. Der Supreme Court hob die am Montag verfügte Blockade des Geschäfts wieder auf, die eine kleine Gruppe von Gläubigern beantragt hatte. Sie hätten nicht nachweisen können, dass eine Verzögerung, die solch ein Verfahren mit sich bringe, gerechtfertigt sei, hieß es zur Begründung.

Der ungewöhnlich schnelle Abschluss des Insolvenzverfahrens gibt auch dem größten US-Autobauer General Motors (GM) Anlass zur Hoffnung. Die bisherige Opel-Mutter steckt seit Anfang des Monats in der Insolvenz und will binnen 60 bis 90 Tagen einen Neuanfang über eine weitgehende Verstaatlichung schaffen. Der Fall ist allerdings weit komplizierter.

Die Chrysler-Gläubiger - drei Rentenfonds aus dem Bundesstaat Indiana - hatten sich dagegen gewehrt, dass ihre Forderungen nach bisherigen Planungen weitgehend verfallen sollen. Der Finanzdirektor von Indiana, Richard Murdock, äußerte sich enttäuscht über das Urteil des Supreme Court. Er sei weiter der Ansicht, dass die US-Regierung sich "unerhört" verhalten habe, sagte Murdock.

Auch Verbrauchergruppen und mehrere Einzelpersonen hatten Eilanträge gegen den Verkauf eingereicht. Sie wandten sich gegen eine Bestimmung in der Vereinbarung mit Fiat, nach der das neue Unternehmen von anhängigen wie von zukünftigen Garantieansprüchen für vom bisherigen Chrysler-Konzern gebaute Autos freigestellt würde.

Der Detroiter Konzern hatte erklärt, 100 Millionen Dollar für jeden weiteren Tag Verzögerung zu verlieren. Das New Yorker Insolvenzgericht hatte seine Zustimmung zu einer beschleunigten Allianz in der vergangenen Woche auch mit dem finanziellen Druck auf Chrysler begründet. Die US-Regierung hatte das Geschäft zwischen Chrysler und Fiat vermittelt und mit Bürgschaften in Milliardenhöhe abgesichert.

Die Rentenfonds waren in den vergangenen Tagen bereits vor dem Insolvenzrichter und vor dem Berufungsgericht unterlegen. Daraufhin zogen sie mit ihrer Klage vor das höchste US-Gericht. Chrysler steht bei den Pensionsfonds mit 42 Millionen Dollar in der Kreide. Ihre tatsächlichen Ausfälle wären aber viel geringer.

Bisherigen Plänen zufolge soll Fiat zunächst 20 Prozent an Chrysler übernehmen. Zudem erhalten die Italiener Optionen auf eine spätere Mehrheit. Chrysler hofft, durch Fiat den Markt für kleinere, benzinsparende Autos zu erobern. Chrysler hat 38.000 Beschäftigte in den Vereinigten Staaten und 54.000 weltweit.

Ein Insolvenzgericht in New York gab darüber hinaus am Dienstag Chrysler grünes Licht, sich von einem Viertel seiner Händler zu trennen. Davon sind rund 790 Autohäuser betroffen. Chrysler will sein Händlernetz verschlanken und peilt profitablere Verkaufsstellen an, die zu Investitionen in der Lage sind.



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Benjamin1965 30.03.2009
1. Grosse Frage
Zitat von sysopFührungswechsel bei GM, großer Druck der US-Regierung, umstrittene Sanierungspläne - die Auto-Giganten von Detroit sind in ihrer schwersten Krise. Was muss passieren, damit sie überleben können?
Sollen sie ueberleben? Ist das im Interesse des deutschen Volkes? Ist das Interesse der Amerikaner? Eines ist absolut sicher: Obama (und jeder andere US President) werden US Interessen vor jegliche andere Interessen der Welt stellen. Leider kann man das von einer deutschen Regierung nicht behaupten.
Laotse, 30.03.2009
2. Verpuppung
Zitat von sysopFührungswechsel bei GM, großer Druck der US-Regierung, umstrittene Sanierungspläne - die Auto-Giganten von Detroit sind in ihrer schwersten Krise. Was muss passieren, damit sie überleben können?
Da müssen aus den fetten Raupen leichte Schmetterlinge werden und das wird nur im Kokon von US-Insolvenzverfahren möglich sein. Abwehr- oder Verzögerungsstrategien werden - so verständlich sie politisch und menschlich auch sind - nur zusätzliche verpulverte Kosten bedeuten. Dazu gehören auch die jetzt beschlossenen weiteren Nachfristen der US-Regierung.
Beutz 30.03.2009
3. Versager
Zitat von sysopFührungswechsel bei GM, großer Druck der US-Regierung, umstrittene Sanierungspläne - die Auto-Giganten von Detroit sind in ihrer schwersten Krise. Was muss passieren, damit sie überleben können?
Es passiert -im Gegensatz zu D- endlich das, was passieren muss. Liebe Grüße.
Tom_63, 30.03.2009
4. Neue Produkte
Zitat von sysopFührungswechsel bei GM, großer Druck der US-Regierung, umstrittene Sanierungspläne - die Auto-Giganten von Detroit sind in ihrer schwersten Krise. Was muss passieren, damit sie überleben können?
Hätten die Taugenichtse von Manager schon früher nach alternativen Antrieben gesucht wäre es nicht soweit gekommen. Bush war da sicher auch ein Bremser und als Präsident ein Versager. Bei den Deutschen Autobauern gilt das Gleiche. Wenn sie weiter so schlafen dann ist es auch um sie geschehen. Auf keinen Fall dürften die Autobauer durch staatliche Hilfe gestützt werden. Dies gilt auch für die Banken.
kleinrentner 30.03.2009
5. nur wer für den Markt sprich Nachfrage produziert
Zitat von LaotseDa müssen aus den fetten Raupen leichte Schmetterlinge werden und das wird nur im Kokon von US-Insolvenzverfahren möglich sein. Abwehr- oder Verzögerungsstrategien werden - so verständlich sie politisch und menschlich auch sind - nur zusätzliche verpulverte Kosten bedeuten. Dazu gehören auch die jetzt beschlossenen weiteren Nachfristen der US-Regierung.
hat es verdient gerettet zu werden. So gesehen ist eine Anpassung über ein geordnetes Insolvenzverfahren zu befürworten. Entspricht ja auch den Marktregeln!!! Für De sei noch zu sagen, dass ich es unerträglich finde, wie die asozialen Opelbetriebsräte, denen das Schicksal und vor allem die Arbeitsbedingungen ihrer Leih-und Zeitarbeiter jahrelang nicht im Geringsten interessierte, jetzt die deutsche Politik mitleidsheischend versuchen in eine Staatsbeteiligung zu quatschen. Schlage vor, die Herren Betriebsräte fahren nach Detroit und jammern da, bei ihrem Herrn und Brötchengeber. Opel ist schliesslich seit 80 Jahren kein deutsches Unternehmen mehr, und als Steuerzahler ein Totalverweigerer.
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