Insolventes Versandhaus Quelle erhält staatlichen Rettungskredit

Aufatmen bei Quelle: Nach langen Verhandlungen hat die Bundesregierung einen Massekredit über 50 Millionen Euro für das insolvente Versandhaus beschlossen. Das Geld kommt vom Bund, aus Bayern und Sachsen und soll schon in Kürze fließen.


Hamburg - Es gibt Hoffnung für das insolvente Versandhaus Quelle: Das Unternehmen wird den dringend benötigten Massekredit in Höhe von 50 Millionen Euro bekommen. Das haben Vertreter der Bundesregierung und der Bundesländer Bayern und Sachsen am Montagabend in Berlin beschlossen.

Das Darlehen, das bis zum 31. Dezember dieses Jahres laufen soll, teilen sich je zur Hälfte der Bund einerseits und die beiden Bundesländer andererseits.

Quelle: Das Versandhaus bekommt den dringend benötigten Kredit
AP

Quelle: Das Versandhaus bekommt den dringend benötigten Kredit

Die nötige Zustimmung der EU-Kommission wird für Dienstag erwartet. Dann wollen die Landesregierungen Bayerns und Sachsens die Auszahlung anweisen, sagte der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU). Der Bund werde die staatlich KfW-Bank beauftragen, 25 Millionen Euro bereitzustellen.

Bayerns CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer sagte, Quelle habe in schwieriger Lage "endlich eine faire Chance" bekommen. Dies hätten das Unternehmen und die Familien der Quelle-Mitarbeiter verdient. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg zeigte sich verhalten optimistisch: "Ich hoffe sehr, dass wir jetzt eine Basis haben, auf der wir beginnen können, die Gesellschaft zu reorganisieren", sagte Görg. "Wir müssen aber nicht glauben, dass das ein Selbstgänger ist."

Der Kredit soll vor allem dazu genutzt werden, den Druck und die Auslieferung des neuen Winterkataloges zu sichern - davon hängt das Überleben des Versandhauses ab. Erst am Wochenende war bekannt geworden, wie groß die Notlage des Unternehmens ist: Fast drei Wochen lang musste Quelle ohne eigene finanzielle Mittel auskommen, weil der s genannte Cash Pool von Mutterkonzern Arcandor nicht mehr zur Verfügung stand.

Nur aufgrund der Großzügigkeit der Lieferanten, die mit ihren Waren und Dienstleistungen in Vorleistung gingen, durften die 10.000 Quelle-Mitarbeiter auf eine Zukunft des Konzerns hoffen.

Entsprechend groß war die Erleichterung über den staatlichen Kredit: "Das gibt wahnsinnige Motivation", sagte der Betriebsratsvorsitzende Ernst Sindel. Der Kredit versetze Quelle in die Lage, den Geschäftsbetrieb wieder aufzunehmen. "Vor uns liegt eine Menge Arbeit", sagte Sindel. "Aber wir haben jetzt die Chance zu beweisen, dass unsere Konzepte tragen."

Geschäftsführer Konrad Hilbers sagte: "Wir werden alles tun, was im Rahmen des vorläufigen Insolvenzverfahrens in unserer Macht steht, um diese jetzt eröffnete Chance zu nutzen und das Quelle-Geschäft erfolgreich weiterzuentwickeln."

Seine Mitarbeiter mussten in den vergangenen Wochen eine Hängepartie durchstehen: Zunächst hatte der insolvente Konzern eine Rettungsbürgschaft von 50 Millionen Euro beantragt - diese wurde durch die Bundesregierung jedoch abgelehnt. Von dem nun bewilligten Notkredit in gleicher Höhe erhofft sich der Bund einen besseren Schutz seines Geldes.

"Es sei gut, dass endlich auch der Bund "nach langem Zögern" entschieden habe, erklärten Seehofer und Fahrenschon. Die nächsten Wochen und Monate müssten nun konsequent genutzt werden, denn die Arcandor-Tochter habe noch einen schwierigen Weg vor sich.

hut/dpa/Reuters



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