Insolvenzantrag: Modelleisenbahn-Hersteller Märklin ist pleite

Das deutsche Traditionsunternehmen Märklin ist zahlungsunfähig. Der Modelleisenbahnbauer hat beim Amtsgericht Göppingen Insolvenz angemeldet. Zuvor waren Verhandlungen über neue Kredite gescheitert - die Eigentümer erheben nun Vorwürfe gegen die Banken.

Göppingen - Dem Modelleisenbahnbauer Märklin ist das Geld ausgegangen. Gespräche mit Banken über die Verlängerung eines 50-Millionen-Euro-Kredits seien ergebnislos verlaufen, teilte das Unternehmen mit. Die Geschäftsführung habe daher beim zuständigen Amtsgericht in Göppingen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.

Märklin-Eisenbahn: Insider berichten von teuren Beraterverträgen
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Märklin-Eisenbahn: Insider berichten von teuren Beraterverträgen

Der Geschäftsbetrieb solle aber zunächst ohne Einschränkungen weiterlaufen. Das Unternehmen strebe nun eine Sanierung während des Insolvenzverfahrens an. Märklin hatte unter anderem mit der Kreissparkasse Göppingen verhandelt.

Im Kreis der Eigentümer zeigte man sich empört über die Entscheidung der Banken. "Das Verhalten der Banken ist sehr merkwürdig", sagte ein Insider zu SPIEGEL ONLINE, "vor allem zu Beginn der Spielwarenmesse". Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG habe am 13. Februar ein Sanierungsgutachten vorstellen sollen. "Offensichtlich haben es die Banken nicht für nötig befunden, dieses Gutachten abzuwarten." Auch über eine Zinsstundung oder ähnliches hätten die Institute erst gar nicht verhandelt wollen.

Laut "Südwest Presse" waren die Banken mit der Geschäftspolitik der Finanzinvestoren Kingsbridge und Goldman Sachs, die Märklin vor gut drei Jahren gekauft hatten, nicht einverstanden. Die Bank sei vor allem mit den häufigen Geschäftsführerwechseln und teuren Beratungsgesellschaften nicht zufrieden. Das Blatt beruft sich auf Insider in der Finanzbranche.

Zuletzt liefen die Geschäfte etwas besser

Dem Bericht zufolge hat die Kreissparkasse 2008 rund 4,5 Millionen Euro an Wertberichtigungen wegen Märklin verbuchen müssen. Am Dienstag hatte es noch geheißen, der Spielwarenhersteller sei wegen des Weihnachtsgeschäfts noch zahlungsfähig.

Neben der Kreissparkasse ist auch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) Kreditgeber von Märklin. Die Kreditlinien der beiden Geldinstitute waren Ende Januar ausgelaufen.

Zuletzt waren die Geschäfte bei Märklin etwas besser gelaufen. Im Jahr 2008 konnte das Unternehmen seinen Umsatz leicht von 126 auf 128 Millionen Euro steigern. Gleichzeitig senkte Märklin den Fehlbetrag im operativen Geschäft im Vergleich zu 2007. Genaue Zahlen gab das Unternehmen dazu allerdings nicht bekannt.

"Wir sind fest gewillt, in Abstimmung mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter unser Traditionsunternehmen zu sanieren und dauerhaft im Markt zu etablieren", erklärte Geschäftsführer Dietmar Mundil. Er räumte zugleich ein, dass die Sanierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre nicht schnell genug Wirkung gezeigt hätten.

Eigentlich sollte das 150. Firmenjubiläum gefeiert werden

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Michael Pluta aus Ulm bestellt, wie das Amtsgericht mitteilte. Er ist Fachanwalt für Insolvenzrecht. Bis ein Insolvenzverfahren eröffnet wird, kann es nach Gerichtsangaben aber noch rund zwei Monate dauern.

Bis dahin könne für die Mitarbeiter Insolvenzausfallgeld in Anspruch genommen werden. Märklin beschäftigt rund 1050 Mitarbeiter, 650 in Deutschland und 400 in Ungarn. Die Beschäftigten in Deutschland sollen bereits für Januar kein Gehalt überwiesen bekommen haben.

Dabei sollte in diesem Jahr eigentlich gefeiert werden: Zum 150. Firmengeburtstag sind Ausstellungen in mehreren Städten sowie eine Sonderausstellung am Unternehmensstandort Göppingen geplant. Die Insolvenz macht diese Pläne nun wohl zunichte.

wal/dpa/AP

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