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Interner Bericht: HSH Nordbank wusste um Fehler im Risikomanagement

Die Warnungen haben nichts geholfen: Bei der schwer angeschlagenen HSH Nordbank hat es schon frühzeitig deutliche Hinweise auf Fehler im Risikomanagement gegeben. Das zeigt ein interner Bericht aus dem April vergangenen Jahres.

Hamburg - Die Warnungen waren früh, und sie waren deutlich: Bei der Landesbank für Schleswig-Holstein und Hamburg habe es "nicht ausreichende Überwachungssysteme" sowie "fehlerhafte Bewertungsmethoden in den zentralen Instrumenten des Risikocontrollings" gegeben, heißt es in einem vertraulichen Bericht der Bank, aus dem der "Stern" zitiert. Dem Risikoausschuss des Aufsichtsrats sei das Papier bereits am 7. April 2008 präsentiert worden, Teile des Aufsichtsrats seien sogar bereits im Dezember 2007 über die Mängel informiert worden.

Hauptgebäude der HSH Nordbank: Risikovorstand eingesetzt
DDP

Hauptgebäude der HSH Nordbank: Risikovorstand eingesetzt

In dem Papier heißt es laut dem Magazin weiter: "Im Verlauf des vierten Quartals des Jahres 2007 haben unterschiedliche Prozessschwächen in dem Risikosteuerungsprozess für Kapitalmarktgeschäfte zu operationellen Schäden geführt." Bei einem der Investmentgeschäfte sei deshalb ein Verlust von 96 Millionen Euro entstanden.

Die HSH Nordbank wollte sich zu Inhalten des Risikoberichts nicht äußern. Eine Sprecherin räumte aber ein, dass die Bank gegen Ende 2007 "Schwachstellen" erkannt und Maßnahmen eingeleitet habe, um das Risikomanagement zu verbessern. Zudem sei im Oktober 2008 im Führungsgremium extra ein Risikovorstand eingesetzt worden. Dieser ist inzwischen jedoch aus persönlichen Gründen wieder ausgeschieden, die Stelle ist noch vakant.

Kubicki fordert Entlassung von Wiegard

Die HSH Nordbank musste 2007 wegen ihrer Kreditinvestments Milliardenabschreibungen vornehmen, 2008 stand wegen weiterer Belastungen ein Vorsteuerverlust von 2,8 Milliarden Euro zu Buche. Die Haupteigentümer Hamburg und Schleswig-Holstein müssen die Landesbank mit drei Milliarden Euro Eigenkapital und zehn Milliarden Euro Garantien stützen. Zudem bekam das Institut vom staatlichen Banken-Rettungsfonds 30 Milliarden Euro Garantien.

Der Aufsichtsrat hat eine Anwaltskanzlei eingeschaltet, die prüfen soll, ob aktuelle und frühere Vorstände der Bank ihre Geschäfte ordnungsgemäß geführt haben. Dabei gerät auch der Chef des Sparkassen-Fondsdienstleisters DekaBank, Franz Waas, in den Fokus. Er war bis Ende 2005 als Vorstand bei der HSH Nordbank für das Kapitalmarktgeschäft verantwortlich, das der Bank nun die hohen Verluste einbrockt.

In einer ersten Reaktion auf den Bericht des "Stern" forderte der FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Kubicki die sofortige Entlassung des schleswig-holsteinischen Finanzministers Rainer Wiegard (CDU). Mit dem Papier seien die Warnungen auch Mitgliedern der Landesregierung bekannt gewesen, die ihrerseits das Parlament aber nicht informiert hätten, sagte Kubicki. Bei Kenntnis der Fakten hätte der Landtag nicht noch im Juli 2008 eine Kapitalerhöhung von mehr als 800 Millionen Euro beschlossen. Die Abgeordneten seien betrogen worden.

"Rainer Wiegard ist Mitglied im Risikoausschuss der Bank und hat mit keiner Silbe etwas von diesen Entwicklungen verlauten lassen", sagte Kubicki weiter. Der Finanzminister sei direkt dafür verantwortlich, das Parlament vollständig zu informieren. "Wenn der Ministerpräsident jetzt nicht endlich handelt, setzt er seine eigene Position aufs Spiel", äußerte Kubicki. Von Wiegard war keine Stellungnahme zu dem Magazinbeitrag zu erhalten.

sam/AFP/dpa

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