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Interview mit Reuters-Chef: "Es wird also Entlassungen geben"

"Sparziele erreichen und das Unternehmen neu ausrichten", das sind die Ziele mit denen der neue Reuters-Chef Tom Glocer, 41, den Posten übernimmt. Ein Interview über Entlassungen und die Zukunft des Agenturgeschäfts.

SPIEGEL:

Sie sind noch nicht im Amt, sorgen aber schon für negative Schlagzeilen: Danach entlässt Reuters im Jahr seines 150-jährigen Bestehens weltweit bis zu 500 der rund 18 000 Mitarbeiter.

Glocer: Wir sind mitten in einer umfassenden Reorganisation und wollen 150 Millionen Pfund einsparen. Nur mit dem Einsatz neuer Technologien wie dem Internet ist das nicht zu schaffen, über 50 Prozent unserer Kosten sind Arbeitslöhne. Es wird also Entlassungen geben, in unserer Zentrale in London haben wir bereits begonnen.

SPIEGEL: Dabei schafft Reuters jährlich rund 1,6 Milliarden Mark Gewinn, mehr als etwa Bertelsmann. Wollen Sie als neuer Chef etwa nur den Börsenkurs nach oben treiben?

Glocer: Nein, das mögen viele US-Konzerne so machen, wir tun das nicht. Wir wollen unsere Sparziele erreichen und das Unternehmen neu ausrichten, solange wir den nötigen Schwung haben.

SPIEGEL: Viele kennen Reuters als Nachrichtenagentur. Die größten Gewinne bringen jedoch Finanzinformationen für Börsen und Banken. Hat das klassische Mediengeschäft bei Reuters eine Zukunft?

Glocer: Es ist das historische Herz des Unternehmens, trägt aber nur noch fünf Prozent zum Umsatz bei. Es ergibt keinen Sinn, ein Geschäftsfeld zu haben, wenn man darin nicht wachsen will. Im Medienbereich gibt es da interessante Möglichkeiten.

SPIEGEL: Etwa einen eigenen Reuters-Fernsehkanal, wie ihn die Konkurrenz von Bloomberg betreibt?

Glocer: Das ist denkbar. Schon heute sind wir international der wohl größte Bilderlieferant, in Deutschland haben wir zweimal täglich ein kurzes Reuters-Format auf dem Nachrichtenkanal N-tv. Langfristig sehe ich das Wachstum auf jeden Fall eher bei Fernsehen und Multimedia, der Printmarkt ist ziemlich ausgereizt.

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