Interview, Teil 2 "Wir machen einfach weiter, als wäre nichts gewesen"


SPIEGEL ONLINE:

Ist es nicht etwas peinlich, ständig die Strategie zu wechseln?

Jack Ma: Im Gegenteil. Wir ändern nichts an unseren Zielen, nichts an unserer Vision. Aber wir ändern ständig unsere Strategie. Wir haben uns ja nicht nur nach China zurückgezogen, sondern sind auch auf eine Zentrale zurückgegangen. Wenn man knappe Ressourcen hat, muss man ständig sehen, wie man das Geld am besten einsetzt.

SPIEGEL ONLINE: Welche Fehler haben Ihre Konkurrenten gemacht?

"Nutzer haben das Sagen": Alibaba.com

"Nutzer haben das Sagen": Alibaba.com

Ma: Der Hauptfehler war sicher, dass sie nicht schnell genug aus ihren Fehlern gelernt haben. Sie haben ihre Businesspläne auf zwei oder drei Jahre ausgerichtet und sich von ihren Investoren lenken lassen. Das konnte nicht gut gehen. Völliger Unsinn war es auch, den eigenen Börsengang als Ziel zu sehen. Das ist vielleicht eine Tankstelle, um wieder Fahrt aufzunehmen, aber niemals Punkt, auf den man seine Strategie stützen sollte.

SPIEGEL ONLINE: Warum glauben Sie, die dot.com-Krise zu überleben?

Ma: Wir arbeiten seit März 1995 an Alibaba. Von den 18 Gründern hat noch keiner das Unternehmen verlassen, und wir wissen, dass immer der morgige Tag der schwierigste in der Geschichte des Unternehmens sein wird. Wir haben alle ein gemeinsames Ziel, einer der zehn besten Marktplätze für kleine und mittlere Firmen zu werden. Daran hat sich seit der Gründung nichts geändert, und das macht uns stark. Außerdem hatten wir das große Glück, schon sehr früh unsere Finanzierung zu sichern. Deshalb kann uns die momentane Krise wenig anhaben. Wir machen einfach weiter, als wäre nichts gewesen.

SPIEGEL ONLINE: Im Gegensatz zu vielen anderen B2B-Anbietern muss man bei Alibaba das tatsächliche Geschäft außerhalb des Internet abschließen. Verschenken Sie da nicht eine große Chance, Provisionen einzunehmen?

Ma: Wer will denn über ein anonymes Computernetz Geschäfte machen? Wer hat denn das Vertrauen in die Sicherheit des Netzes? Wir haben unsere Kunden befragt und wissen, dass Transaktionen über das Netz noch nicht gewünscht werden. Also machen wir es auch nicht. Wir sind nichts als ein Service-Anbieter. Unsere Nutzer haben das Sagen, nicht irgendwelche Internetgurus.

SPIEGEL ONLINE: Viele große Unternehmen wollen in Zukunft im Business-to-Business-Geschäft mitmischen. Macht Ihnen das keine Angst?

Ma: Der B2B-Markt ist riesig, und wir sind in einem Markt aktiv, den wir Schrimps-Markt nennen. Es gibt unendlich viele kleine und mittlere Unternehmen, die uns ins Netz gehen können. Viele Konkurrenten versuchen dagegen, die Großunternehmen, also die Walfische zu fangen. Das ist viel schwieriger.

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