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Investment-Guru: Krisen-Profiteur Buffett beglückt Aktionäre

Von Kai Lange

Viele Verlierer, ein Gewinner: Seit die Kreditkrise die Märkte durchrüttelt, steigt die Aktie von Warren Buffetts Firmenholding. Den Anlegern gefällt nicht nur das krisenfeste Portfolio des 77-jährigen Investors - sie hoffen auch, dass er weiter die lukrativsten Deals aufspürt.

Hamburg - Kreditkrise, Vertrauenskrise? Seit Ende Juli irrlichtern Indizes wie Dow Jones Chart zeigen, Dax Chart zeigen und S&P 500 Chart zeigen auf und ab. Banken misstrauen einander, und Anleger nehmen beim kleinsten Schwächezeichen Geld vom Tisch. Notenbanken verschaffen den Kreditinstituten mit immer neuen Milliardenspritzen Zeit, damit diese ihre Bücher bereinigen können. Doch die Last der faulen Kredite, kunstvoll versteckt in "Structured Investment Vehicles", ist so groß, dass Vertrauen nicht einkehren will.

Investment-Guru Buffett: Profitiert von der Kreditkrise
Getty Images

Investment-Guru Buffett: Profitiert von der Kreditkrise

Genauer gesagt: Vertrauen beschränkt sich nur auf ganz wenige. Zum Beispiel auf Warren Buffett.

Seit Ende Juli ist die Aktie der von ihm geführten Investmentholding, Berkshire Hathaway - schon zu Beginn der Turbulenzen der teuerste Anteilschein der Welt -, noch einmal um rund 25 Prozent gestiegen. Mitte Dezember hatte die A-Aktie Chart zeigen sogar kurzzeitig die Marke von 150.000 Dollar geknackt: Für Berkshire-Aktionäre zahlt sich das Vertrauen in Buffett aus.

"Es geht nicht nur um einen Vertrauensvorschuss. Der Kursanstieg ist durch handfeste, solide Zahlen begründet", sagt Hendrik Leber, Geschäftsführer der Frankfurter Fondsgesellschaft Acatis und seit Jahren treuer Berkshire-Aktionär.

"Aktie leicht unterbewertet"

Allein im dritten Quartal haben die im Berkshire-Portfolio versammelten Unternehmen - darunter Coca-Cola Chart zeigen, Procter & Gamble Chart zeigen, Tesco Chart zeigen, die Versicherer Geico oder General Re - einen Gewinnanstieg von rund 65 Prozent verbucht. Bezogen auf die aktuell gehaltenen Aktien im Portfolio käme der Berkshire-A-Anteilschein aktuell auf einen "inneren Wert" von rund 167.000 Dollar, sagt Leber. "Die Aktie läuft in der Regel ihrem inneren Wert hinterher, ist also leicht unterbewertet", so der Fondsmanager.

Der Berkshire-Aktie kommt in den aktuell turbulenten Börsenzeiten auch zugute, dass sie in keinem Index gelistet ist. Fondsmanager, die einen Index abbilden, müssen bei fallenden Indizes entsprechend Anteile verkaufen. "Buffett ist auf Index-Tracker als Investoren nicht angewiesen, sie agieren in seinen Augen viel zu hektisch", sagt Leber. Auf diese Weise spart Berkshire nicht nur Gebühren für die Indexanbieter, sondern überlässt das Holdingvermögen auch überwiegend den "ruhigen Händen". Bei einer durchschnittlichen Langzeitrendite von mehr als 20 Prozent pro Jahr besteht für hektisches Raus und Rein auch kein Anlass.

Buffett verdient viel Geld mit Unterwäsche, Kinderbekleidung, Speiseeis, Möbeln, Softdrinks und Versicherungen. Die Beteiligungen von Berkshire sind so breit gestreut und gelten als so ertragsstark, dass sie so schnell nichts umwirft. Doch mit einer "Flucht in sichere Werte" allein ist der Run auf Berkshire-Aktien nicht zu erklären: Investoren vertrauen auch auf Buffetts legendäres Gespür, inmitten der Krise die langfristig lukrativsten Deals festzuzurren.

"Auf Chancen wie diese hat er lange gewartet"

"Buffett liebt Krisen. Auf eine Situation wie diese hat er vermutlich mehr als zehn Jahre gewartet", sagt Leber. Geduld, um auf den richtigen Zeitpunkt zu warten, gehört zu den Tugenden des Starinvestors: Unternehmen, bei denen Berkshire Hathaway einsteigt, müssen nicht nur langfristige Erfolgsaussichten haben, sondern auch zu einem attraktiven Preis zu haben sein. Während Private-Equity-Fonds in den vergangenen Jahren im Kaufrausch waren und die Bewertungen von Unternehmen auf Rekordhöhen schraubten, hat Berkshire zeitweise bis zu 50 Milliarden Dollar Cash angesammelt.

Geld, das jetzt langfristig gut angelegt werden kann, denn die Preise purzeln nicht nur in der Finanzbranche. Jetzt ist Zeit, die riesigen Cash-Reserven gewinnbringend einzusetzen: Während die kleinen Fische getrieben von sich täglich ändernden Nachrichten hektisch hin- und herschwärmen, tauchen erfahrene Jäger wie Buffett zum Beutezug auf.

Für Buffetts Weitsicht gibt es zahlreiche Beispiele. Vor komplizierten Finanzderivaten, die jetzt das Subprime-Virus großflächig verteilen, hat er bereits im Jahr 2004 gewarnt. Vor zwei Jahren hat sich der 77-Jährige außerdem von den Beteiligungen an Fannie Mae und Freddie Mac Chart zeigen, die zu den größten Hypothekenfinanzierern der USA zählen, getrennt.

"Er sagte, er fühle sich einfach nicht mehr wohl damit", berichtet Leber, der regelmäßig die legendäre Berkshire-Hauptversammlung in Omaha besucht. Im Sommer dieses Jahres stieg Buffett zudem aus dem chinesischen Energieunternehmen Petrochina aus und warnte vor einer Überhitzung an Chinas Aktienmarkt: Die Aktie von Petrochina ist seit November um rund 30 Prozent gefallen. "Vorsichtig sein, wenn andere gierig werden", lautet einer von Buffetts Leitsätzen.

"Gierig werden, wenn sich andere fürchten"

Der Satz gilt aber auch andersherum. Gierig werden, wenn andere in Panik geraten. Seit Wochen ist Buffett auf Einkaufstour und lässt keinen Zweifel daran, dass er die Turbulenzen der Märkte langfristig zu nutzen gedenkt.

Im Spätsommer stockte Buffett zum Beispiel die Beteiligungen an der Bank of America Chart zeigen sowie an den Hypothekenanbietern Wells Fargo und US Bancorp auf. Auch bei Unternehmen aus der Pharma- und Konsumbranche, Johnson & Johnson Chart zeigen sowie United Health, kaufte Berkshire nach. Die Holding verdoppelte außerdem ihre Investitionen in die gefürchteten "Mortgage Backed Securities" im dritten Quartal auf knapp vier Milliarden Dollar. Er könne "Geld schneller ausgeben als Imelda Marcos - wenn sich die Gelegenheit ergibt", hatte Buffett seine jüngsten Transaktionen kommentiert.

Dabei ist der als letzte Zuflucht gerühmte Buffett ausgerechnet in dem Bereich unterwegs, um den das Gros der Anleger derzeit einen weiten Bogen macht. Doch im Finanzbereich gibt es derzeit die größten Abschläge - und langfristig exzellente Renditechancen, wenn man das Risiko korrekt kalkulieren und die richtigen Einzelinvestments herausfiltern kann.

Kauft Berkshire bald eine komplette Bank?

Vor wenigen Wochen kaufte Berkshire Hathaway Chart zeigen zudem Hochzinsanleihen des texanischen Energieversorgers TXU im Wert von zwei Milliarden Dollar. Der Finanzinvestor KKR hatte TXU im Frühjahr für stolze 45 Milliarden Dollar übernommen. Doch die Finanzierung des Deals war ins Stocken geraten, sodass die beteiligten Investmentbanken Anleihen zu verbesserten Konditionen auf den Markt bringen mussten.

Solche Angebote nimmt Buffett gerne an. Bereits im Jahr 2002 hatte er Hochzinsanleihen aus der Energie- und Telekombranche gekauft, als das Gros der Anleger noch vom Enron- und Worldcom-Skandal erschüttert war. Der Verkauf der Anleihen brachte ihm binnen Jahresfrist einen Milliardengewinn.

"Viele Anbieter brauchen derzeit dringend Geld und sind bereit, Assets mit einem beträchtlichen Discount zu verkaufen", sagt Leber. "Diese Situation ist für Buffett wie geschaffen."

Der Acatis-Fondsmanager vermutet, dass sich der bekennende Value-Investor Buffett derzeit auch einige der berüchtigten "Structured Investment Vehicles" genauer anschaut, die von klammen Investmentbanken derzeit mit stolzen Rabatten feilgeboten werden. Damit kann man viel Geld verlieren - aber, bei richtigem Timing, auch sehr viel Geld verdienen. Möglicherweise habe Berkshire Hathaway auch eine US-Konsumentenbank im Visier: "So günstig wie derzeit bekommt er sie nicht wieder", schätzt Leber.

Berkshires größtes Risiko

Die Risiken in der Finanzbranche sind derzeit besonders hoch. Doch wer könnte Risiken besser kalkulieren als Buffett, der seit Jahrzehnten einen großen Teil des Berkshire-Kapitals in Versicherungsunternehmen investiert. Buffett sei nicht risikoscheu, sondern schätze das Risiko - weil er es besser einschätzen könne als andere, sagt sein Vertrauter Richard Santulli.

Die Chancen, dass Berkshire Hathaway im kommenden Frühjahr weitere spektakuläre Deals meldet, sind gestiegen. Das größte Risiko ist dagegen die Frage, wie lange der 77-jährige Buffett noch die Geschäfte der Holding führen wird. Die Vorbereitungen für seine Nachfolge haben begonnen. Buffett gibt sich selbst noch rund zehn Jahre, bleibt aber seiner Investmentdevise treu: "Ich ziele auf mehr." Das dürfte Zeit genug sein, um aus der aktuellen Krise Kapital zu schlagen.

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1. Goldmann Sachs
nahal, 20.12.2007
Zitat von sysopViele Verlierer, ein Gewinner: Seit die Kreditkrise die Märkte durchrüttelt, steigt die Aktie von Warren Buffetts Firmenholding. Den Anlegern gefällt nicht nur das krisenfeste Portfolio des 77-jährigen Investors - sie hoffen auch, dass er weiter die lukrativsten Deals aufspürt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,524413,00.html
Der Verfasser des Speiegel-Artikels war etwas voreillig. Buffet ist nicht der Einzige, der trotz Krise, vernünftig investiert hat. Goldmann Sachs, der größte der Branche, hat es auch vorgemacht, wie man sich, trotz Krise, vernünftlich verhält.
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