Investor Russischer Milliardär nimmt Deutsche Bank ins Visier

Der russische Investor Sulejman Kerimow will einem russischen Zeitungsbericht zufolge seinen Anteil an der Deutschen Bank aufstocken - von drei auf neun Prozent. Der Milliardär verfolgt dabei angeblich wirtschaftliche und politische Gründe.

Von Carmen Eller, Moskau


Moskau - Nicht nur deutsche Investoren geraten angesichts der wirtschaftlichen Möglichkeiten im russischen Riesenreich in Goldgräberstimmung. Das Interesse beruht auf Gegenseitigkeit: Auch russische Oligarchen, die sich in westliche Firmen einkaufen, machen vermehrt Schlagzeilen - und sorgen damit gelegentlich für Skepsis.

Milliardär Kerimow: Achtreichster Russe
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Milliardär Kerimow: Achtreichster Russe

Jüngstes Beispiel: Sulejman Kerimow, seines Zeichens Senator und Milliardär.

Wie die liberale russische Wirtschaftzeitung "Kommersant" am Mittwoch meldete, möchte der Inhaber der Ölhandelsfirma Nafta-Moskwa seinen Anteil an der Deutschen Bank Chart zeigen auf neun Prozent steigern. Das Blatt beruft sich dabei auf Informanten in Investmentkreisen.

Kerimow besitzt laut "Kommersant" bereits drei Prozent der Deutsche-Bank-Aktien sowie Anteile an Morgan Stanley Chart zeigen und hat zudem Wertpapiere der Schweizer Banken Credit Suisse Chart zeigen und UBS Chart zeigen erworben. Der russische Milliardär finanziere die Zukäufe, indem er seine Anteile an russischen Firmen wie Sberbank oder Gasprom verkaufe.

Kerimow besaß zuletzt 4,5 Prozent an Gasprom und 5,7 Prozent der Aktien der Sberbank. Kerimow plane außerdem, seine russischen Land -, Telekommunikations- und Industriebeteiligungen abzustoßen, heißt es in dem Bericht.

Ein Sprecher der Deutschen Bank wies darauf hin, dass Unternehmen nach deutschem Recht zur Mitteilung verpflichtet seien, wenn ein Investor die Schwelle von drei Prozent überschreite. Eine solche Mitteilung aber sei nicht erfolgt.

Die bislang noch unbestätigte Bericht wirft Fragen auf: Wer ist Sulejman Kerimow und welche Interessen leiten ihn? Der 42-jährige Milliardär und dreifache Familienvater kommt aus dem Kaukasus, wurde in der dagestanischen Kleinstadt Derbent am Kaspischen Meer geboren. Dagestan gilt als Hochburg mafiöser Clans, in denen wirtschaftliche Konflikte oft eher mit Hilfe von Killern als von Anwaltskanzleien geklärt werden. 2008 schätzte "Forbes" Kerimows Vermögen auf 17, 5 Milliarden Dollar. Damit steht er unter den Milliardären weltweit auf dem 36. Platz und ist der achtreichste Russe.

Mysteriöser Autounfall im Ferrari

Kerimow engagierte sich auch in der Politik: Zwischen 1999 und 2007 war er Abgeordneter des russischen Parlaments, der Duma, zunächst für den Block des Ultranationalisten Wladimir Schirinowskij, danach für dessen pseudo-liberaldemokratische Partei. Nachdem Putin offiziell erklärt hatte, dass Milliardäre kein Mandat innehaben sollten, verließ Kerimow die LDPR-Fraktion und trat der Kremlpartei Einiges Russland bei. Jetzt vertritt er im Föderationsrat Dagestan als Senator.

2006 machte der russische Milliardär mit einem schweren Autounfall in Südfrankreich Schlagzeilen: Auf der Uferpromenade von Nizza verunglückte der Lebemann gemeinsam mit einer attraktiven TV-Moderatorin in einem Ferrari Enzo und wurde schwer verletzt. Bis heute sind die genauen Umstände des Unfalls nicht geklärt, Boulevardblätter kolportierten Attentatsgerüchte.

In seiner heutigen Ausgabe spekuliert der "Kommersant" auch über mögliche Motive für Kerimows Investitionspläne. "Wertpapiere ausländischer Banken nahmen durch die Finanzkrise mehr Schaden und haben jetzt ein größeres Wachstumspotential", sagt Natalja Orlowa, Analytikerin der Alfa-Bank.

Ein anonym bleibender Top-Manager aus dem Bankgeschäft ließ durchblicken, der öffentlichkeitsscheue Kerimow meide Moskau und betrete die Stadt nur mit massivem Personenschutz. "Investitionen in ausländische Aktiva sind sicherer", so der Banker, "sie erlauben es, die eigenen Ersparnisse vor Risiken zu schützen, darunter auch den politischen."



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